SECURITY ADVISORY

Auslesbare LDAP-Zugangsdaten über die REST-API von FortiOS und FortiADC

Ein angemeldeter Administrator mit reinem Lesezugriff kann über die REST-API von FortiOS bzw. FortiADC die Verbindungsprüfung für den konfigurierten LDAP-Server auf einen eigenen, bösartigen LDAP-Server umleiten. Das Gerät sendet dabei die hinterlegten LDAP-Zugangsdaten an den Angreifer – in der Regel ein Dienstkonto des Verzeichnisdienstes. Fortinet hat die Lücke behoben; die CISA führt sie seit September 2022 als aktiv ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2018-13374

CVSS

4,3

Schweregrad

Mittel

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS und FortiADC

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

FortiOS und FortiADC bieten in der Administrationsoberfläche eine Funktion, um die Verbindung zum konfigurierten LDAP-Server zu testen. In den betroffenen Versionen dürfen auch Administratoren mit reinem Lesezugriff die Zieladresse dieses Tests über die REST-API verändern. Wird der Test auf einen vom Angreifer kontrollierten Rogue-LDAP-Server umgeleitet, übermittelt das Gerät die hinterlegten LDAP-Bind-Zugangsdaten dorthin – und gibt sie damit preis.

Angriffskette

  1. Zugang mit Lesekonto – der Angreifer verfügt über ein Read-only-Administratorkonto oder erreicht die Management-API
  2. LDAP-Test umbiegen – die Server-Konnektivitätsprüfung per REST-API auf einen eigenen, bösartigen LDAP-Server richten
  3. Zugangsdaten abgreifen – das Gerät sendet die konfigurierten LDAP-Bind-Credentials an den Rogue-Server
  4. Ausweitung – mit dem erbeuteten Verzeichnis-Dienstkonto weiter ins Active Directory / den LDAP-Verzeichnisdienst vordringen

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / VersionVerwundbarFixversion
FortiOS5.6.7 und früher · 6.0.0-6.0.26.0.3
FortiADC 6.16.1.06.1.1
FortiADC 6.06.0.0-6.0.16.0.2
FortiADC 5.45.4.0-5.4.45.4.5

Betroffen sind FortiOS bis einschließlich 6.0.2 sowie die genannten FortiADC-Zweige. FortiOS 6.0.3 und höher (bzw. 6.2.0) beheben die Schwachstelle. Die Ausnutzung setzt ein angemeldetes Administratorkonto voraus – auch ein reines Read-only-Konto genügt, weshalb kompromittierte oder zu großzügig vergebene Lesekonten das eigentliche Einfallstor sind.

Regulatorischer Hinweis: Fließen über diese Lücke LDAP-Zugangsdaten und in der Folge Verzeichnis- bzw. personenbezogene Daten ab, kann eine meldepflichtige Verletzung vorliegen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • Nov. 2018 – CVE-2018-13374 wird veröffentlicht
  • 01.06.2021 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-18-157 mit Fixversionen
  • 08.09.2022 – CISA nimmt CVE-2018-13374 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 29.09.2022 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – patchen, Zugriff und Lesekonten härten, LDAP-Zugangsdaten rotieren, Missbrauch ausschließen.

  • Sofort: Fixversion einspielen
  • Kurzfristig: LDAP-Bind-Zugangsdaten rotieren
  • Parallel: Adminkonten & Verzeichnis-Logs prüfen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiOS in einer Version bis einschließlich 6.0.2 oder ein betroffener FortiADC-Zweig (5.4.0-5.4.4, 6.0.0-6.0.1, 6.1.0) im Einsatz ist und ob ein LDAP-Server (z. B. Active Directory) im Gerät konfiguriert ist.
  2. Patchen
    FortiOS auf 6.0.3 oder neuer aktualisieren; FortiADC auf 5.4.5, 6.0.2 bzw. 6.1.1 oder neuer. Damit ist die unberechtigte Änderung des LDAP-Testziels geschlossen.
  3. Management-Zugriff und Lesekonten härten
    Die Administrations- und REST-API-Schnittstelle nicht aus dem Internet erreichbar machen, auf autorisierte Hosts/Netze begrenzen und Read-only-Administratorkonten nach dem Least-Privilege-Prinzip auf das Nötige beschränken. Die Ausnutzung setzt ein angemeldetes Konto voraus.
  4. LDAP-Zugangsdaten als kompromittiert behandeln
    Das im Gerät hinterlegte LDAP-Bind-Konto rotieren (neues Passwort) – ein Patch macht bereits abgeflossene Zugangsdaten nicht ungültig. Handelt es sich um ein Dienstkonto mit weitreichenden AD-Rechten, dessen Rechte zusätzlich einschränken.
  5. Missbrauch ausschließen
    Verzeichnisdienst- bzw. Domänencontroller-Logs auf ungewöhnliche Anmeldungen des LDAP-Bind-Kontos prüfen und die Konfigurations- sowie Zugriffslogs der FortiGate/FortiADC auf Änderungen am LDAP-Testziel und auf verdächtige API-Aufrufe durchsehen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Konfigurations-Check: Änderungen am hinterlegten LDAP-Server-Ziel
    oder API-Aufrufe der LDAP-Testfunktion durch Read-only-Konten
  • Auffällige Aktivität: Ausgehende LDAP-Bind-Versuche der FortiGate
    zu unbekannten, externen Zieladressen
  • Folgeindikatoren: Anmeldungen des LDAP-Bind-/Dienstkontos
    an Domänencontrollern von fremden Quellen

Zur Einordnung: Da die Schwachstelle über eine legitime Verwaltungsfunktion und ein angemeldetes Konto ausgenutzt wird, hinterlässt sie kaum eindeutige Netz-IOCs. Der zuverlässigste Nachweis ist die Auswertung Ihrer Geräte-Audit-Logs (Änderungen am LDAP-Testziel) sowie der Anmelde-Logs des betroffenen Verzeichnis-Dienstkontos.

Wichtig: Der Kern des Risikos liegt nicht im FortiGate selbst, sondern im dort hinterlegten LDAP-Dienstkonto: Ist dessen Passwort einmal abgeflossen, bleibt der Zugang zum Verzeichnisdienst auch nach dem Patch bestehen. Deshalb ist die Rotation der LDAP-Bind-Zugangsdaten ebenso wichtig wie das Update.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • FortiOS/FortiADC unverzüglich auf die genannten Fixversionen aktualisieren und die Management-Schnittstelle vom Internet trennen.
  • Das im Gerät hinterlegte LDAP-Bind-Konto rotieren und seine AD-Rechte auf das Nötige beschränken lassen.
  • Prüfen lassen, ob das Verzeichnis-Dienstkonto bereits missbraucht wurde – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-18-157 (Fixversionen FortiOS 6.0.3; FortiADC 5.4.5 / 6.0.2 / 6.1.1) · NVD (CVSS 3.1: 4,3 MITTEL, Vektor AV:N/AC:L/PR:L/UI:N/S:U/C:L/I:N/A:N; CVSS 2.0: 4,0; CWE-732) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 08.09.2022, Frist 29.09.2022). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversion gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

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    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Änderungen am LDAP-Testziel durch Read-only-Konten und die anschließende Nutzung abgeflossener Verzeichnis-Zugangsdaten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

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