SECURITY ADVISORY

Pre-Auth Path Traversal im FortiOS SSL-VPN-Webportal

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über eine speziell präparierte HTTP-Anfrage an das SSL-VPN-Webportal beliebige FortiOS-Systemdateien auslesen. Besonders brisant: die Session-Datei sslvpn_websession enthält Benutzernamen und Passwörter aktiver VPN-Nutzer im Klartext. Mit diesen Zugangsdaten steht der Fernzugang ins Unternehmensnetz offen. Die Schwachstelle wird seit 2019 aktiv ausgenutzt und ist bis heute ein bevorzugtes Einfallstor für Ransomware- und Staatsakteure.

CVE-ID

CVE-2018-13379

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS SSL-VPN

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Das SSL-VPN-Webportal von FortiOS prüft in den betroffenen Versionen den lang-Parameter der Sprachdatei-Anfrage nicht ausreichend. Über eingeschleuste Verzeichniswechsel (../) kann ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Verzeichnisbaum ausbrechen und beliebige Systemdateien herunterladen – insbesondere /dev/cmdb/sslvpn_websession, in der Zugangsdaten angemeldeter VPN-Nutzer im Klartext abgelegt sind.

Angriffskette

  1. SSL-VPN exponiert – das FortiOS-Webportal ist über das Internet erreichbar
  2. Path-Traversal-Anfrage – manipulierter lang-Parameter bricht aus dem Verzeichnis aus
  3. Session-Datei auslesensslvpn_websession liefert Benutzernamen und Passwörter im Klartext
  4. Ausweitung – Anmeldung am VPN mit gültigen Zugangsdaten, dann seitliche Bewegung ins interne Netz

Betroffene Versionen und Fixes

FortiOS-VersionVerwundbarFixversion
FortiOS 5.45.4.6 – 5.4.125.4.13
FortiOS 5.65.6.3 – 5.6.75.6.8
FortiOS 6.06.0.0 – 6.0.46.0.5 / 6.2.0
FortiProxy1.0.0 – 1.2.8, 2.0.01.2.9 / 2.0.1

Betroffen sind ausschließlich Geräte mit aktiviertem SSL-VPN-Webportal in den genannten FortiOS- und FortiProxy-Versionen. FortiOS 6.2.0 und neuer sowie die genannten Patch-Stände sind nicht mehr anfällig. Reine IPsec-VPN-Konfigurationen ohne SSL-VPN-Webportal sind von dieser Lücke nicht betroffen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter Abfluss von Zugangsdaten oder personenbezogenen Daten kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 24.05.2019 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-18-384 mit Fixes (5.4.13, 5.6.8, 6.0.5)
  • Aug. 2019 – Öffentliche Exploit-Details (Black Hat / DEF CON); massenhaftes Scannen beginnt
  • Nov. 2020 – Zugangsdaten von rund 50.000 verwundbaren VPN-Gateways werden im Netz veröffentlicht
  • 03.11.2021 – CISA nimmt CVE-2018-13379 in den KEV-Katalog auf – anhaltende aktive Ausnutzung

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Exposition prüfen, patchen, alle VPN-Zugangsdaten rotieren, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: Betroffenheit prüfen / patchen
  • Kurzfristig: Alle VPN-Zugangsdaten rotieren
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob ein FortiGate/FortiProxy mit aktiviertem SSL-VPN-Webportal in einer der betroffenen Versionen betrieben wird und aus dem Internet erreichbar ist. Auch länger nicht aktualisierte oder vergessene Geräte am Perimeter einbeziehen.
  2. Sofort mitigieren (falls kein sofortiger Patch möglich)
    SSL-VPN-Webportal vorübergehend deaktivieren oder den Zugriff strikt auf vertrauenswürdige Quell-IPs begrenzen. Von Fortinet als Behelfsmaßnahme benannt.
    config vpn ssl settings unset source-interface end
  3. Patchen
    Auf einen bereinigten Stand aktualisieren: FortiOS 5.4.13, 5.6.8, 6.0.5 oder 6.2.0 und neuer (FortiProxy 1.2.9 / 2.0.1). Damit ist der Path Traversal geschlossen.
  4. Zugangsdaten als kompromittiert behandeln
    Da die Session-Datei Zugangsdaten im Klartext enthielt, sämtliche VPN- und lokal auf dem Gerät hinterlegten Konten-Passwörter zurücksetzen – ein Patch macht bereits abgeflossene Zugangsdaten nicht ungültig. Zusätzlich Multi-Faktor-Authentifizierung für alle VPN-Nutzer aktivieren.
  5. Kompromittierung ausschließen
    SSL-VPN- und Web-Zugriffslogs auf Anfragen mit /remote/fgt_lang und ../-Sequenzen sowie auf VPN-Anmeldungen aus untypischen Quell-IPs durchsuchen. Fehlende Logs für den relevanten Zeitraum sind selbst ein Warnsignal.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Exploit-Signatur: HTTP-Anfragen auf
    /remote/fgt_lang?lang=/../../../..//////////dev/cmdb/sslvpn_websession
  • Auffällige Aktivität: Zugriffe mit ../-Verzeichniswechseln
    auf /remote/fgt_lang aus fremden Quellen
  • Folgeindikatoren: VPN-Anmeldungen mit gültigen Konten aus
    ungewöhnlichen Ländern/IPs; unbekannte lokale Admin-Konten

Zur Einordnung: Der zuverlässigste Nachweis ist die Auswertung der SSL-VPN- und Web-Zugriffslogs auf den Exploit-Pfad. Da die betroffenen Geräte teils seit 2019 exponiert waren, reicht das Fehlen von Treffern im aktuellen Log nicht als Entwarnung – historische Logs und eine mögliche frühere Kompromittierung sind mit zu bewerten.

Wichtig: Der Kern des Risikos liegt nicht im bloßen Dateizugriff, sondern in den ausgelesenen Klartext-Zugangsdaten: Sind VPN-Passwörter einmal abgeflossen, bleibt der Fernzugang auch nach dem Patch bestehen. Deshalb ist die Rotation aller Zugangsdaten und die Einführung von Multi-Faktor-Authentifizierung ebenso wichtig wie das Update.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • SSL-VPN heute prüfen und patchen oder das Webportal bis zum Patch abschalten.
  • Alle VPN- und lokalen Geräte-Zugangsdaten rotieren lassen und Multi-Faktor-Authentifizierung erzwingen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-18-384 (Fixes: FortiOS 5.4.13 / 5.6.8 / 6.0.5 / 6.2.0, FortiProxy 1.2.9 / 2.0.1) · NVD (NIST CVSS 3.1: 9,8 KRITISCH; Fortinet CVSS 3.1: 9,1; CWE-22) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 03.11.2021). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversion gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Path-Traversal-Anfragen an /remote/fgt_lang und VPN-Anmeldungen mit darüber abgeflossenen Zugangsdaten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • STRUKTURELL

    ZTNA – Zero Trust Network Access →

    Solange der Dienst aus dem Internet erreichbar ist, bleibt er Ziel. Mittelfristig kann ein ZTNA-Ansatz diese Exposition verringern. Kurzfristig zählt der Patch.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.