SECURITY ADVISORY

Unautorisierte Passwortänderung im Fortinet SSL-VPN-Portal („magic")

Im SSL-VPN-Web-Portal von FortiOS und FortiProxy steckt ein Autorisierungsfehler: Ein nicht authentifizierter Angreifer kann aus dem Netz über speziell präparierte HTTP-Anfragen das Passwort eines lokal authentifizierten SSL-VPN-Portal-Nutzers neu setzen und sich damit dessen Konto aneignen. Ist keine Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiv, steht anschließend der VPN-Zugang ins interne Netz offen. Die Schwachstelle – im Fortinet-Code über einen fest hinterlegten „magic"-Wert erreichbar – wird seit Jahren aktiv ausgenutzt und steht im CISA-KEV-Katalog.

CVE-ID

CVE-2018-13382

CVSS

7,5

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS / FortiProxy SSL-VPN Web-Portal

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Das SSL-VPN-Web-Portal prüft in den betroffenen Versionen die Berechtigung für den Passwort-Änderungsvorgang nicht korrekt. Fortinet hatte auf Kundenwunsch einen fest im Code hinterlegten „magic"-Wert eingebaut, mit dem sich ein ablaufendes Portal-Passwort erneuern lässt. Ein nicht authentifizierter Angreifer kann diesen Ablauf über eine präparierte HTTP-Anfrage anstoßen und so das Passwort eines lokal authentifizierten SSL-VPN-Portal-Nutzers überschreiben – ganz ohne gültige Zugangsdaten.

Angriffskette

  1. SSL-VPN erreichbar – das Web-Portal ist aus dem Internet erreichbar und nutzt lokale Authentifizierung
  2. „magic"-Anfrage – speziell präparierte HTTP-Anfrage an den Passwort-Änderungs-Endpunkt, ohne Anmeldung
  3. Passwort überschreiben – das Passwort eines lokalen SSL-VPN-Portal-Nutzers wird neu gesetzt
  4. Kontoübernahme – mit dem neuen Passwort per VPN ins interne Netz; ohne 2FA freier Zugang

Betroffene Versionen und Fixes

FortiOS-VersionVerwundbarFixversion
FortiOS 5.4.x5.4.1-5.4.105.4.11
FortiOS 5.6.x5.6.0-5.6.85.6.9
FortiOS 6.0.x6.0.0-6.0.46.0.5
FortiOS 6.2 · 5.4.0 und älter · Branch 5.2nicht betroffen
FortiProxy1.0.0-1.0.7, 1.1.0-1.1.6, 1.2.0-1.2.8, 2.0.0fehlerbereinigte FortiProxy-Version lt. Fortinet

Betroffen sind ausschließlich Systeme mit aktiviertem SSL-VPN und lokaler Authentifizierung. FortiOS 6.2.0 und höher, 5.4.0 und älter sowie der Branch 5.2 sind nicht betroffen. FortiProxy ist laut NVD in den genannten Versionen ebenfalls anfällig – hier auf eine von Fortinet als fehlerbereinigt ausgewiesene Version aktualisieren.

Regulatorischer Hinweis: Wird ein SSL-VPN-Konto übernommen und daraus ein Zugriff auf personenbezogene oder schützenswerte Daten möglich, kann eine meldepflichtige Verletzung vorliegen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 30.08.2019 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-18-389; Fixes in 5.4.11, 5.6.9, 6.0.5
  • Nov. 2020 – Zugangsdaten tausender FortiGate-SSL-VPNs kursieren öffentlich – Fortinet-VPN-Lücken im Fokus
  • 02.04.2021 – Gemeinsames FBI/CISA-Advisory zur aktiven Ausnutzung von FortiOS-SSL-VPN-Schwachstellen
  • 10.01.2022 – CISA nimmt CVE-2018-13382 in den KEV-Katalog auf (Frist für US-Behörden: 10.07.2022)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Zugriff härten, patchen, Portal-Passwörter zurücksetzen, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: 2FA erzwingen / SSL-VPN härten
  • Kurzfristig: Auf feste FortiOS-Version patchen
  • Parallel: Portal-Passwörter zurücksetzen & Logs prüfen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiOS in einer Version unterhalb der Fixstände (5.4.11 / 5.6.9 / 6.0.5) läuft und ob das SSL-VPN-Web-Portal mit lokaler Authentifizierung aus dem Netz erreichbar ist. Nur diese Konstellation ist angreifbar.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Von Fortinet benannte Behelfsmaßnahmen umsetzen: für alle lokalen SSL-VPN-Nutzer Zwei-Faktor-Authentifizierung erzwingen, die Authentifizierung auf LDAP/RADIUS umstellen oder – wenn nicht benötigt – das SSL-VPN-Web-Portal per CLI deaktivieren.
    config vpn ssl settings unset source-interface unset source-address unset default-portal end
  3. Patchen
    Auf FortiOS 5.4.11, 5.6.9, 6.0.5 bzw. 6.2.0 oder neuer aktualisieren (FortiProxy entsprechend). Damit ist der Autorisierungsfehler geschlossen.
  4. Portal-Passwörter als kompromittiert behandeln
    Da ein Angreifer Passwörter unbemerkt überschrieben haben kann, die Passwörter aller lokal authentifizierten SSL-VPN-Portal-Nutzer zurücksetzen und – wo möglich – dauerhaft 2FA aktivieren. Ein Patch macht bereits geänderte Passwörter nicht rückgängig.
  5. Kompromittierung ausschließen
    Ereignis- und VPN-Logs auf unautorisierte Passwortänderungen und auf ungewöhnliche SSL-VPN-Anmeldungen (fremde Quell-IPs, untypische Zeiten, neue Standorte) lokaler Konten durchsuchen.
    execute log filter category 1 execute log display

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Auffällige Aktivität: Unautorisierte Passwortänderungen an lokalen
    SSL-VPN-Portal-Konten in den Event-Logs
  • Anomale Anmeldungen: SSL-VPN-Logins aus fremden Quell-IPs,
    zu untypischen Zeiten oder von neuen Standorten
  • Folgeindikatoren: Laterale Bewegung ausgehend vom VPN-Segment,
    neue/unbekannte interne Sitzungen

Zur Einordnung: Der Angriff läuft über reguläre HTTP-Anfragen an das SSL-VPN-Portal und ist ohne detaillierte Zugriffs- und Authentifizierungs-Logs schwer nachzuweisen. Der zuverlässigste Indikator ist die Auswertung Ihrer FortiOS-Event- und VPN-Logs auf unerklärte Passwortänderungen und Fremdanmeldungen. Fehlende Auffälligkeiten schließen eine zurückliegende Ausnutzung nicht sicher aus.

Wichtig: Der Kern des Risikos ist die Kontoübernahme: Ein Angreifer setzt das Passwort zurück und meldet sich anschließend regulär am VPN an. Zwei-Faktor-Authentifizierung ist die wirksamste Absicherung – selbst mit einem neu gesetzten Passwort scheitert der Login ohne zweiten Faktor. Deshalb sind das Zurücksetzen aller Portal-Passwörter und die dauerhafte 2FA-Pflicht ebenso wichtig wie das Update.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • SSL-VPN heute härten: 2FA für alle lokalen Konten erzwingen oder das Portal abschalten; Patch auf einen festen FortiOS-Stand unverzüglich einplanen.
  • Passwörter aller lokal authentifizierten SSL-VPN-Portal-Nutzer zurücksetzen lassen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-18-389 (CVSSv3 8,9 / High; Fixes 5.4.11, 5.6.9, 6.0.5, 6.2.0+) · NVD CVE-2018-13382 (CVSS 3.1: 7,5 / HOCH, Vektor AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:N/I:H/A:N, CWE-863) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 10.01.2022, Frist 10.07.2022) · FBI/CISA Joint Advisory (02.04.2021). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversion gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Unautorisierte Passwortänderungen und anschließende SSL-VPN-Anmeldungen lokaler Konten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • STRUKTURELL

    ZTNA – Zero Trust Network Access →

    Solange der Dienst aus dem Internet erreichbar ist, bleibt er Ziel. Mittelfristig kann ein ZTNA-Ansatz diese Exposition verringern. Kurzfristig zählt der Patch.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.