SECURITY ADVISORY

Heap-Buffer-Overflow im FortiOS SSL-VPN-Web-Portal

Im Reverse-Proxy-Modus des FortiOS SSL-VPN-Web-Portals werden JavaScript-href-Daten beim Weiterleiten von Webseiten fehlerhaft verarbeitet. Öffnet ein bereits angemeldeter SSL-VPN-Nutzer eine entsprechend präparierte Webseite, kommt es zu einem Heap-Buffer-Overflow – der SSL-VPN-Web-Dienst stürzt ab und trennt die angemeldeten Nutzer. Fortinet schließt eine darüber hinausgehende Codeausführung nicht aus. Die Schwachstelle wird von staatsnahen Angreifern aktiv ausgenutzt und steht seit Januar 2022 im CISA-KEV-Katalog.

CVE-ID

CVE-2018-13383

CVSS

6,5

Schweregrad

Mittel

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS SSL-VPN Web-Portal

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Das SSL-VPN-Web-Portal von FortiOS arbeitet als Reverse-Proxy und leitet externe Webseiten an den angemeldeten Nutzer weiter. Beim Verarbeiten von JavaScript-href-Daten in solchen weitergeleiteten Seiten prüft FortiOS die Datenlänge nicht ausreichend und schreibt über den zugewiesenen Speicherbereich hinaus (CWE-787, Heap-Buffer-Overflow). Das führt zum Abbruch des SSL-VPN-Web-Dienstes; eine weitergehende Codeausführung schließt der Hersteller nicht aus. Der reine Tunnel-Modus des SSL-VPN ist nicht betroffen.

Angriffskette

  1. SSL-VPN-Web-Portal erreichbar – FortiGate mit aktivem SSL-VPN im Web-/Reverse-Proxy-Modus
  2. Nutzer angemeldet – ein authentifizierter SSL-VPN-Nutzer verwendet das Web-Portal
  3. Manipulierte Seite öffnen – der Nutzer ruft eine präparierte, über das Portal weitergeleitete Webseite mit fehlerhaften JavaScript-href-Daten auf
  4. Heap-Overflow – Absturz des SSL-VPN-Web-Dienstes (DoS), potenziell Codeausführung auf dem Gateway

Betroffene Versionen und Fixes

FortiOS-VersionVerwundbarFixversion
FortiOS 6.0.x6.0.0 – 6.0.46.0.5
FortiOS 5.6.x5.6.0 – 5.6.105.6.11
FortiOS 5.4.x5.4.0 – 5.4.125.4.13
FortiOS 5.2.x≤ 5.2.145.2.15
FortiProxy2.0.0 · ≤ 1.2.8siehe FG-IR-20-229

Betroffen ist ausschließlich der Web-/Reverse-Proxy-Modus des SSL-VPN. Wer FortiOS auf 5.2.15, 5.4.13, 5.6.11, 6.0.5 oder 6.2.0 und neuer betreibt, ist gegen diese Lücke geschützt. Der reine SSL-VPN-Tunnel-Modus ist nicht anfällig. FortiProxy wird gesondert im Advisory FG-IR-20-229 behandelt.

Regulatorischer Hinweis: Führt die Ausnutzung zu einer erheblichen Störung des Fernzugangs oder zu einer bestätigten Kompromittierung, kann eine Meldepflicht bestehen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h) bei Betroffenheit personenbezogener Daten, NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 26.11.2019 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-18-388 samt Fix-Versionen
  • 02.04.2021 – FBI und CISA warnen (AA21-092A) vor aktiver Ausnutzung mehrerer FortiOS-Lücken, darunter CVE-2018-13383
  • 10.01.2022 – CISA nimmt CVE-2018-13383 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 24.01.2022 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen/Mitigieren

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – erreichbare Instanzen finden, mitigieren, patchen, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: Betroffene FortiGate identifizieren / mitigieren
  • Kurzfristig: Auf gefixte FortiOS-Version patchen
  • Parallel: Threat Hunting / Log-Auswertung
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiGate-Geräte mit FortiOS unterhalb der Fix-Versionen (5.2.15 / 5.4.13 / 5.6.11 / 6.0.5) im Einsatz sind und ob das SSL-VPN im Web-/Reverse-Proxy-Modus aktiviert ist.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Als Behelfsmaßnahme das SSL-VPN ausschließlich im Tunnel-Modus betreiben, den Web-Portal-Zugriff auf vertrauenswürdige HTTP-Server begrenzen oder das SSL-VPN vorübergehend per CLI deaktivieren.
  3. Patchen
    FortiOS auf 5.2.15, 5.4.13, 5.6.11, 6.0.5, 6.2.0 oder neuer aktualisieren. Damit ist der Heap-Buffer-Overflow geschlossen.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Da dieselben FortiOS-SSL-VPN-Lücken (u. a. CVE-2018-13379) für den Diebstahl von Zugangsdaten genutzt wurden, alle SSL-VPN-Zugangsdaten prüfen und rotieren sowie Logs auf unautorisierte Anmeldungen und Dienstabstürze durchsehen.
  5. Fernzugang härten
    Multi-Faktor-Authentifizierung für den SSL-VPN-Zugang durchsetzen, Zugriff auf notwendige Quell-IP-Bereiche begrenzen und ein regelmäßiges FortiOS-Patch-Regime etablieren.
    config vpn ssl settings\n set source-address <trusted-range>\nend

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Dienst-Absturz: Wiederholte Abbrüche des SSL-VPN-Web-Dienstes
    und Trennung angemeldeter Nutzer
  • Auffällige Aktivität: Aufruf ungewöhnlicher, über das Portal
    weitergeleiteter Webseiten mit fehlerhaftem JavaScript-href
  • Folgeindikatoren: Fremd-/Neuanmeldungen am SSL-VPN mit
    bekannten Nutzerkonten aus fremden Quell-IPs

Zur Einordnung: Ein Crash des SSL-VPN-Web-Dienstes ist der unmittelbarste Hinweis. Da die eigentliche Auslösung über eine reguläre, weitergeleitete Web-Anfrage erfolgt, ist sie ohne detaillierte Zugriffs- und Krash-Logs schwer eindeutig zuzuordnen – die zuverlässigste Grundlage ist die Auswertung Ihrer SSL-VPN- und Authentifizierungs-Logs.

Wichtig: Diese Schwachstelle gehört zu der Gruppe von FortiOS-SSL-VPN-Lücken, die staatsnahe Angreifer seit 2021 aktiv ausnutzen. Auch wenn der Fix seit 2019 vorliegt, bleiben ungepatchte, aus dem Internet erreichbare FortiGate-Geräte ein bevorzugtes Ziel. Entscheidend ist, nicht nur zu patchen, sondern zuvor abgeflossene SSL-VPN-Zugangsdaten als kompromittiert zu behandeln und zu rotieren.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Erreichbare FortiGate mit SSL-VPN-Web-Portal identifizieren und heute mitigieren (Tunnel-Modus / Zugriffsbeschränkung); Patch unverzüglich einplanen.
  • SSL-VPN-Zugangsdaten prüfen und rotieren lassen – die zugehörigen FortiOS-Lücken wurden für Credential-Diebstahl genutzt.
  • Prüfen lassen, ob bereits Ausnutzung oder unautorisierter Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-18-388 · NVD (CVSS 3.1: 6,5 MITTEL, Vektor AV:N/AC:L/PR:N/UI:R/S:U/C:N/I:N/A:H; CWE-787; Fortinet-CNA-Score 4,3) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 10.01.2022) · FBI/CISA Joint Advisory AA21-092A. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversion gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Wiederholte SSL-VPN-Web-Dienst-Abstürze und anomale Anmeldungen an FortiGate-SSL-VPN-Zugängen. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Vulnerability Management →

    Ein Fix steht bereit. Entscheidend ist, ob Sie alle betroffenen Systeme kennen und den Patchstand belegen können – auch gegenüber einer Aufsicht.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.