SECURITY ADVISORY

Standardkonfiguration ohne Server-Identitätsprüfung in Fortinet FortiOS

In der Standardkonfiguration prüft FortiOS die Identität des LDAP-Servers nicht. Ein nicht authentifizierter Angreifer im selben Subnetz kann sich dadurch als LDAP-Server ausgeben, den Authentifizierungsverkehr abfangen und sensible Informationen – darunter Zugangsdaten – mitlesen (Man-in-the-Middle). Die Schwachstelle steht auf der CISA-KEV-Liste und wurde im Verbund mit weiteren FortiOS-Lücken von APT-Gruppen aktiv ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2019-5591

CVSS

6,5

Schweregrad

Mittel

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

FortiOS überprüft in den betroffenen Versionen in der Standardkonfiguration die Identität des angebundenen LDAP-Servers nicht – die Option server-identity-check ist nicht aktiv. Ein nicht authentifizierter Angreifer im selben Subnetz kann sich dadurch als LDAP-Server ausgeben, die Verbindung auf sich umleiten und den zur Authentifizierung übertragenen Datenverkehr abfangen und mitlesen (Man-in-the-Middle). Ursache ist eine unsichere Voreinstellung, kein Programmierfehler.

Angriffskette

  1. Position im Netz – der Angreifer befindet sich im selben Subnetz wie die FortiGate
  2. LDAP-Server vortäuschen – er gibt sich als der erwartete LDAP-/FSSO-Server aus, da FortiOS dessen Identität nicht prüft
  3. Verkehr abfangen – der Authentifizierungsverkehr wird umgeleitet und mitgelesen; sensible Informationen und Zugangsdaten fließen ab
  4. Ausweitung – erbeutete Verzeichnis-/Anmeldeinformationen werden für Zugriff auf angebundene Systeme und laterale Bewegung genutzt

Betroffene Versionen und Fixes

FortiOS-VersionVerwundbarFixversion
FortiOS (LDAP/FSSO)≤ 6.2.06.2.1
FortiOS 6.2.1 und neuernur bei aus Alt-Version übernommener Einstellungserver-identity-check aktivieren

Betroffen ist FortiOS in allen Versionen bis einschließlich 6.2.0, sofern LDAP-/FSSO-Authentifizierung ohne aktivierte Server-Identitätsprüfung genutzt wird. Ab 6.2.1 ist server-identity-check bei einer Neuinstallation standardmäßig aktiv – ein Firmware-Upgrade allein schließt die Lücke jedoch nicht: aus Kompatibilitätsgründen bleibt der bestehende Wert der Einstellung beim Update unverändert und muss aktiv geprüft und gesetzt werden.

Regulatorischer Hinweis: Werden über den abgefangenen Verkehr Zugangsdaten oder personenbezogene Daten kompromittiert, kann dies eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 26.07.2019 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-19-037 mit Abhilfe (server-identity-check)
  • 02.04.2021 – FBI/CISA warnen in gemeinsamem Advisory vor APT-Ausnutzung von FortiOS-Lücken inkl. CVE-2019-5591
  • 03.11.2021 – CISA nimmt CVE-2019-5591 in den KEV-Katalog auf – bekannte Ausnutzung
  • 03.05.2022 – KEV-Frist für US-Behörden zur Umsetzung der Herstellervorgaben

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Betroffenheit prüfen, Server-Identitätsprüfung aktivieren, aktualisieren und Einstellung verifizieren, Zugangsdaten absichern.

  • Sofort: server-identity-check aktivieren
  • Kurzfristig: aktualisieren & Einstellung verifizieren
  • Parallel: LDAP-Zugangsdaten prüfen / rotieren
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiOS in einer Version bis einschließlich 6.2.0 im Einsatz ist und ob LDAP- bzw. FSSO-Authentifizierung genutzt wird. Auch bereits aktualisierte Systeme prüfen – die Einstellung wird beim Upgrade nicht automatisch gesetzt.
  2. Server-Identitätsprüfung aktivieren
    Die von Fortinet benannte Abhilfe umsetzen: für jeden LDAP-Server sichere Verbindung, CA-Zertifikat und server-identity-check setzen. Damit ist die Lücke unabhängig von der FortiOS-Version geschlossen.
    config user ldap edit "ldap-server" set ca-cert <ldap-server-certificate> set secure ldaps set server-identity-check enable next end
  3. Aktualisieren und Einstellung verifizieren
    Auf eine aktuelle, vom Hersteller unterstützte FortiOS-Version aktualisieren (ab 6.2.1 ist die Prüfung bei Neuinstallation Standard). Nach dem Update zwingend kontrollieren, dass server-identity-check tatsächlich aktiv ist – der Wert bleibt beim Upgrade unverändert.
  4. Zugangsdaten absichern
    Da über die Lücke Authentifizierungsverkehr abgefangen werden konnte, betroffene LDAP-/Verzeichnis- und Dienstkonten als potenziell kompromittiert behandeln und die Zugangsdaten rotieren – die Behebung macht bereits abgeflossene Geheimnisse nicht ungültig.
  5. Netzexposition reduzieren
    Der Angriff erfordert eine Position im selben Subnetz. Managementebene und LDAP-/FSSO-Kommunikation in vertrauenswürdige, segmentierte Netze verlagern und den Zugriff auf autorisierte Hosts begrenzen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Konfigurations-Check: server-identity-check je LDAP-Server
    show user ldap
  • Auffällige Aktivität: Unerwartete ARP-/LDAP-Antworten oder ein
    zweiter, unbekannter LDAP-Endpunkt im Subnetz
  • Folgeindikatoren: Anmeldungen mit LDAP-Konten aus untypischer
    Quelle oder zu ungewöhnlichen Zeiten

Zur Einordnung: Ein aktiver Man-in-the-Middle hinterlässt auf der FortiGate selbst kaum Spuren. Der belastbarste Nachweis ist der Konfigurationszustand (server-identity-check aktiv?); ein zurückliegender Angriff lässt sich meist nur über Netz-/Verzeichnis-Logs und ungewöhnliche Anmeldemuster rekonstruieren.

Wichtig: Der Kern des Risikos ist die unsichere Voreinstellung: Ein Firmware-Upgrade allein behebt die Lücke nicht, weil FortiOS den bestehenden Wert von server-identity-check beim Update aus Kompatibilitätsgründen beibehält. Entscheidend ist, die Server-Identitätsprüfung aktiv zu setzen und nach jedem Update zu verifizieren.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • server-identity-check auf allen FortiGate-Systemen mit LDAP-/FSSO-Anbindung heute aktivieren und auch nach Upgrades verifizieren lassen.
  • Betroffene LDAP-/Dienstkonten als potenziell kompromittiert behandeln und Zugangsdaten rotieren.
  • Management- und Authentifizierungsverkehr in segmentierte, vertrauenswürdige Netze verlagern, um Angreifer im gleichen Subnetz auszuschließen.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-19-037 (veröffentlicht 26.07.2019, Abhilfe server-identity-check, ab FortiOS 6.2.1 Standard bei Neuinstallation) · NVD (CVSS 3.1: 6,5 MITTEL, Vektor AV:A/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:N/A:N; CVSS 2.0: 3,3; CWE-306) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 03.11.2021, Frist 03.05.2022) · FBI/CISA Joint Advisory vom 02.04.2021 zur APT-Ausnutzung von FortiOS-Schwachstellen. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversion und Konfiguration gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

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