SECURITY ADVISORY

Fest einprogrammierter Schlüssel in Fortinet FortiOS-Konfiguration

FortiOS, FortiManager und FortiAnalyzer verschlüsseln vertrauliche Werte in der CLI-Konfiguration mit einem fest einprogrammierten, allgemein bekannten Schlüssel. Wer Zugriff auf eine Konfigurationssicherung oder die exportierte CLI-Konfiguration erlangt, kann damit Nutzerpasswörter, VPN- und HA-Geheimnisse sowie Passphrasen privater Schlüssel im Klartext wiederherstellen – und die erbeuteten Zugangsdaten anschließend gegen das Netz wenden. Die Schwachstelle steht seit Juni 2025 im CISA-KEV-Katalog und wird unter anderem von der Akira-Ransomware-Gruppe zur Erstinfektion genutzt.

CVE-ID

CVE-2019-6693

CVSS

6,5

Schweregrad

Mittel

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS, FortiManager & FortiAnalyzer

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

In den betroffenen Versionen verschlüsselt FortiOS die als ENC markierten Geheimnisse in der CLI-Konfiguration mit einem fest im Code hinterlegten symmetrischen Schlüssel (in fips.c). Da dieser Schlüssel in allen Geräten identisch und allgemein bekannt ist, bietet die Verschlüsselung keinen echten Schutz: Ein Angreifer mit Zugriff auf die CLI-Konfiguration oder eine Konfigurationssicherung kann die darin gespeicherten Geheimnisse ohne Anmeldedaten wieder in Klartext überführen.

Angriffskette

  1. Konfiguration erlangen – Zugriff auf eine Konfigurationssicherung oder die exportierte CLI-Konfiguration (Backup-Ablage, Fehlkonfiguration, unsicherer Transportweg)
  2. Bekannter Schlüssel – der fest einprogrammierte, geräteübergreifend identische Schlüssel ist öffentlich bekannt
  3. Geheimnisse entschlüsseln – Nutzerpasswörter, VPN- und HA-Geheimnisse sowie Passphrasen privater Schlüssel im Klartext (Ausnahme: Administrator-Passwort in FortiOS)
  4. Ausweitung – wiederverwendete Zugangsdaten für Netzzugriff, laterale Bewegung und Ransomware-Erstinfektion (u. a. Akira)

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / VersionVerwundbarFixversion
FortiOS 5.6.x≤ 5.6.105.6.11
FortiOS 6.0.x6.0.0 – 6.0.66.0.7
FortiOS 6.2.x6.2.06.2.1
FortiManager≤ 6.2.46.2.5
FortiAnalyzer≤ 6.2.36.2.4

Betroffen sind FortiOS in den genannten Versionsständen sowie FortiManager ≤ 6.2.4 und FortiAnalyzer ≤ 6.2.3. Der eigentliche Schaden entsteht nicht auf dem Gerät selbst, sondern überall dort, wo eine Konfigurationssicherung liegt – in Backup-Systemen, Ticket-Anhängen, E-Mails oder auf Administrator-Arbeitsplätzen. Jede solche Kopie ist so schützenswert wie die darin enthaltenen Geheimnisse selbst.

Regulatorischer Hinweis: Werden über abgeflossene Konfigurationsdaten Zugangsdaten oder personenbezogene Daten kompromittiert, kann dies eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • FG-IR-19-007 – Fortinet-Advisory mit Fixes in FortiOS 5.6.11 / 6.0.7 / 6.2.1 sowie FortiManager 6.2.5 / FortiAnalyzer 6.2.4
  • 25.06.2025 – CISA nimmt CVE-2019-6693 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 16.07.2025 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen/Mitigieren
  • 2025 – Akira-Ransomware nutzt die Schwachstelle zur Erstinfektion von Zielnetzen

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – patchen, Konfigurationssicherungen absichern, gespeicherte Geheimnisse rotieren, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: Auf feste Version aktualisieren
  • Kurzfristig: Config-Backups absichern & Geheimnisse rotieren
  • Parallel: Zugriff auf alte Sicherungen prüfen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiOS in einer Version unterhalb 5.6.11 / 6.0.7 / 6.2.1 bzw. FortiManager ≤ 6.2.4 oder FortiAnalyzer ≤ 6.2.3 im Einsatz ist. Auch außer Betrieb genommene Geräte zählen, solange deren Konfigurationssicherungen noch irgendwo liegen.
  2. Patchen
    Auf eine feste Version aktualisieren: FortiOS 5.6.11, 6.0.7 bzw. 6.2.1 oder neuer; FortiManager 6.2.5+, FortiAnalyzer 6.2.4+. Erst neuere Versionen verwenden einen geräteindividuellen Schlüssel.
  3. Konfigurationssicherungen als sensibel behandeln
    Alle vorhandenen Config-Backups aufspüren und absichern (Zugriff beschränken, verschlüsselt ablegen, aus Ticket-/E-Mail-Anhängen entfernen). Jede mit einer verwundbaren Version erstellte Sicherung enthält entschlüsselbare Geheimnisse – ein Patch macht diese Altkopien nicht sicher.
  4. Gespeicherte Geheimnisse als kompromittiert behandeln
    Alle in betroffenen Konfigurationen gespeicherten Geheimnisse rotieren: lokale Nutzerpasswörter, VPN- und IPsec-Pre-Shared-Keys, HA-Passwort sowie Passphrasen hinterlegter privater Schlüssel. Ein Update entwertet bereits abgeflossene Geheimnisse nicht.
  5. Kompromittierung ausschließen
    VPN- und Admin-Authentifizierungslogs auf Anmeldungen mit potenziell abgeflossenen Konten prüfen und auf bekannte Akira-Indikatoren abgleichen. Nachvollziehen, wer in der Vergangenheit Zugriff auf Konfigurationssicherungen hatte.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Primärer Ansatzpunkt: Unkontrollierte Konfigurationssicherungen
    in Backups, Ticket-/Mail-Anhängen, auf Admin-Arbeitsplätzen
  • Auffällige Aktivität: VPN-/Admin-Anmeldungen mit in der Config
    hinterlegten Konten aus fremden Quellen
  • Folgeindikatoren: Bekannte Akira-Ransomware-Indikatoren
    und laterale Bewegung nach VPN-Zugang

Zur Einordnung: Der Missbrauch ist auf dem Gerät selbst kaum sichtbar, da die Entschlüsselung offline am erbeuteten Konfigurationsstand erfolgt. Der zuverlässigste Indikator ist die Auswertung Ihrer VPN- und Authentifizierungslogs sowie die Nachverfolgung, welche Konfigurationssicherungen wem zugänglich waren.

Wichtig: Der Kern des Risikos liegt nicht im Gerät, sondern in seinen Konfigurationssicherungen: Der feste Schlüssel ist allgemein bekannt, deshalb schützt die Verschlüsselung dort gespeicherte Geheimnisse nicht. Sind VPN-, HA- oder Nutzergeheimnisse einmal aus einer Altsicherung entschlüsselt, bleibt der Zugang auch nach dem Patch bestehen. Die Rotation aller betroffenen Geheimnisse ist daher ebenso wichtig wie das Update.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Betroffene FortiOS-/FortiManager-/FortiAnalyzer-Stände unverzüglich auf eine feste Version aktualisieren.
  • Alle in verwundbaren Konfigurationen gespeicherten Geheimnisse (VPN-/HA-/Nutzerkennwörter, private Schlüssel) rotieren lassen und Altsicherungen absichern.
  • Prüfen lassen, ob bereits abgeflossene Zugangsdaten genutzt wurden – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-19-007 (Fixes FortiOS 5.6.11 / 6.0.7 / 6.2.1, FortiManager 6.2.5, FortiAnalyzer 6.2.4; Herstellerwertung CVSS 3.1: 4,2) · NVD CVE-2019-6693 (CVSS 3.1: 6,5 MITTEL, Vektor AV:N/AC:L/PR:L/UI:N/S:U/C:H/I:N/A:N, CWE-798) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 25.06.2025, Frist 16.07.2025) · öffentlich berichtete Ausnutzung durch Akira-Ransomware. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Nutzung aus alten Konfigurationen entschlüsselter VPN-/Admin-Zugangsdaten sowie bekannte Akira-Ransomware-Indikatoren. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Vulnerability Management →

    Ein Fix steht bereit. Entscheidend ist, ob Sie alle betroffenen Systeme kennen und den Patchstand belegen können – auch gegenüber einer Aufsicht.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.