SECURITY ADVISORY

Pre-Auth-SQL-Injection in Sophos XG Firewall (Asnarök)

Eine nicht authentifizierte SQL-Injection in der Sophos XG Firewall erlaubt einem Angreifer aus dem Netz, lokal gespeicherte Zugangsdaten – Nutzernamen sowie gesalzene SHA256-Hashes der Admin- und Portal-Konten – auszulesen und Schadcode auszuführen. Die Lücke wurde bereits vor ihrer Veröffentlichung als Zero-Day für die Asnarök-Kampagne ausgenutzt: Die eingeschleuste Malware sammelte Zugangs- und VPN-Daten, verschlüsselte sie und versuchte, sie an einen externen Server zu übertragen. Verwundbar ist jedes Gerät, dessen Admin-Oberfläche (HTTPS) oder User-Portal auf der WAN-Zone erreichbar war.

CVE-ID

CVE-2020-12271

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Sophos

Produkt

Sophos XG Firewall (SFOS)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

SFOS neutralisiert in den betroffenen Versionen Eingaben an einem exponierten Web-Endpunkt nicht ausreichend, bevor sie in eine SQL-Abfrage einfließen. Ein nicht authentifizierter Angreifer kann dadurch eigene SQL-Befehle einschleusen, lokal gespeicherte Zugangsdaten auslesen und die Injection zur Fernausführung von Schadcode ausweiten. Voraussetzung ist, dass die Administrations-Oberfläche (HTTPS) oder das User-Portal auf der WAN-Zone erreichbar ist.

Angriffskette

  1. Portal exponiert – Admin-Oberfläche (HTTPS) oder User-Portal ist über die WAN-Zone aus dem Netz erreichbar
  2. SQL einschleusen – manipulierte, unauthentifizierte Anfrage schleust SQL-Befehle ein und weitet zur Codeausführung aus
  3. Zugangsdaten auslesen – Nutzernamen, gesalzene SHA256-Hashes der Admin-/Portal-Konten und SSL-VPN-Nutzerlisten
  4. Ausleiten (Asnarök) – Malware verpackt die Daten (tar), verschlüsselt sie (3DES) und versucht die Übertragung an einen externen Server

Betroffene Versionen und Fixes

SFOS-VersionVerwundbarFixversion
SFOS 18.0vor Hotfix 25.04.2020Hotfix (25.04.2020)
SFOS 17.5vor Hotfix 25.04.2020Hotfix (25.04.2020)
SFOS 17.1vor Hotfix 25.04.2020Hotfix (25.04.2020)
SFOS 17.0vor Hotfix 25.04.2020Hotfix (25.04.2020)
Ältere / nicht unterstützte SFOSbetroffenauf unterstützte Version aktualisieren

Sophos hat den Fix am 25.04.2020 als Hotfix ausgeliefert, der auf allen unterstützten SFOS-Versionen mit aktivierter automatischer Hotfix-Installation selbsttätig eingespielt wurde. Geräte mit deaktivierter Automatik oder auf nicht mehr unterstützten Versionen sind nur nach manuellem Update bzw. Upgrade geschützt. Betroffen war ausschließlich, wessen Admin-Oberfläche (HTTPS) oder User-Portal auf der WAN-Zone exponiert war.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter Abfluss von Zugangsdaten oder personenbezogenen Daten kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 22.04.2020 – Sophos erhält Meldung über einen auffälligen Wert im Management-Interface – Beginn der Untersuchung
  • 25.04.2020 – Sophos liefert Hotfix aus (auf unterstützten SFOS-Versionen automatisch eingespielt)
  • 26.04.2020 – Sophos veröffentlicht die Asnarök-Analyse zur aktiven Ausnutzung
  • 03.11.2021 – CISA nimmt CVE-2020-12271 in den KEV-Katalog auf
  • 03.05.2022 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen/Abschalten

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Exposition beenden, Hotfix/Update sicherstellen, Zugangsdaten rotieren, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: WAN-Exposition von Admin & User-Portal beenden
  • Kurzfristig: Hotfix/Update prüfen · Zugangsdaten rotieren
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich · Reboot
  1. Exposition prüfen
    Feststellen, ob die Administrations-Oberfläche (HTTPS) oder das User-Portal je auf der WAN-Zone erreichbar war. Nur so exponierte Geräte waren angreifbar. Admin-Dienste gehören generell nicht ins offene Netz.
  2. Exposition sofort beenden
    Zugriff auf Admin-Oberfläche und User-Portal aus dem WAN unterbinden bzw. auf autorisierte Hosts und Netze begrenzen. Fernadministration ausschließlich über VPN.
  3. Hotfix / Update sicherstellen
    Prüfen, dass der Sophos-Hotfix vom 25.04.2020 eingespielt ist; andernfalls manuell nachziehen. Nicht mehr unterstützte SFOS-Versionen auf eine aktuelle, unterstützte Version aktualisieren.
  4. Zugangsdaten als kompromittiert behandeln
    Da lokal gespeicherte Admin-, Portal- und Remote-Access-Konten (inkl. gesalzener SHA256-Hashes) ausgelesen werden konnten, alle betroffenen Passwörter und Konten rotieren – ein Patch macht bereits abgeflossene Geheimnisse nicht ungültig.
  5. Kompromittierung ausschließen
    Die von Sophos nach dem Hotfix ausgegebene Kompromittierungs-Anzeige des Geräts beachten, Verbindungen zur bekannten Exfiltrations-IP prüfen und das Gerät neu starten, um persistente Malware-Prozesse zu beenden.
    grep 38.27.99.69 /log/*.log

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Exfiltrations-Ziel: Ausgehende Verbindungen zu
    38.27.99.69 (Asnarök-Datenabfluss)
  • Kompromittierungs-Anzeige: Sophos-Warnhinweis nach Hotfix, der das Gerät
    als potenziell kompromittiert markiert
  • Folgeindikatoren: Anomale Anfragen an Admin-/User-Portal und
    Neu-/Fremdanmeldungen mit lokalen SFOS-Konten

Zur Einordnung: Die von Sophos nach dem Hotfix eingeblendete Kompromittierungs-Anzeige ist der zuverlässigste Hinweis. Da die eigentliche SQL-Injection über reguläre Web-Anfragen läuft, ist sie ohne detaillierte Zugriffs-Logs schwer zu erkennen – werten Sie zusätzlich Firewall-, Web- und Authentifizierungs-Logs aus.

Wichtig: Der Kern des Risikos liegt nicht allein in der Codeausführung, sondern in den abgeflossenen Geheimnissen: Sind Admin-, Portal- und VPN-Zugangsdaten einmal exfiltriert, bleibt der Zugang auch nach dem Hotfix bestehen. Deshalb ist die Rotation aller betroffenen Zugangsdaten ebenso wichtig wie das Update – und die Admin-Oberfläche gehört dauerhaft aus dem offenen Netz.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Admin-Oberfläche und User-Portal heute aus dem WAN nehmen; Fernzugriff nur über VPN.
  • Sicherstellen, dass der Sophos-Hotfix eingespielt bzw. auf eine unterstützte SFOS-Version aktualisiert ist.
  • Alle lokal gespeicherten Firewall-, Portal- und VPN-Zugangsdaten rotieren und prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Sophos Security Advisory / KB (Asnarök, KB-000039388) und Sophos-Blog „Asnarök“ (26.04.2020) · NVD (CVSS 3.1: 9,8 / CVSS 2.0: 7,5, CWE-89) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 03.11.2021, Frist 03.05.2022) · Rapid7 Analyse. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fix (Hotfix vom 25.04.2020 bzw. Upgrade auf eine unterstützte Version) gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

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    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Ausgehende Verbindungen zur Asnarök-Exfiltrations-IP sowie anomale Anfragen an Admin-Oberfläche und User-Portal. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed Firewall →

    Regelwerk, Firmwarestand und Ausnahmen bleiben im Blick, damit Sicherheitsupdates nicht im Change-Prozess liegen bleiben.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.