SECURITY ADVISORY

Unauthentifizierte Remote-Code-Execution im Sophos SG UTM WebAdmin

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über das WebAdmin-Interface der Sophos SG UTM beliebige Betriebssystembefehle mit Root-Rechten ausführen und damit die gesamte Firewall übernehmen. Ursache ist eine Befehls-Injektion über den Session-Identifier (SID), der vom confd-Backend ungeprüft verarbeitet wird. Die Schwachstelle steht seit März 2022 im CISA-KEV-Katalog der aktiv ausgenutzten Lücken, ein öffentliches Exploit-Modul existiert.

CVE-ID

CVE-2020-25223

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Sophos

Produkt

Sophos SG UTM (WebAdmin)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Das WebAdmin-Interface prüft den in einer Anfrage übergebenen Session-Identifier (SID) nicht ausreichend, bevor er an den Backend-Dienst confd weitergereicht wird. Dieser liest den SID aus dem Sessions-Verzeichnis /var/confd/var/sessions – ein nicht authentifizierter Angreifer kann den SID durch einen Shell-Befehl ersetzen, der daraufhin mit Root-Rechten ausgeführt wird. So wird die Authentifizierung umgangen und beliebiger Code auf der Appliance ausgeführt.

Angriffskette

  1. WebAdmin exponiert – das Verwaltungs-Interface der SG UTM ist über das WAN erreichbar
  2. SID manipulieren – in einer unauthentifizierten Anfrage wird statt einer gültigen Session-ID ein Shell-Befehl übergeben
  3. confd führt aus – der Backend-Dienst verarbeitet den SID ungeprüft, der eingeschleuste Befehl läuft mit Root-Rechten
  4. Übernahme – vollständige Kontrolle über die Firewall, Persistenz und Sprungbrett ins interne Netz

Betroffene Versionen und Fixes

SG-UTM-VersionVerwundbarFixversion
SG UTM 9.5< 9.511 MR119.511 MR11
SG UTM 9.6< 9.607 MR79.607 MR7
SG UTM 9.7< 9.705 MR59.705 MR5

Betroffen ist ausschließlich die klassische Sophos SG UTM (WebAdmin) in den genannten Versionen. Die Fixes wurden am 17. September 2020 veröffentlicht. Nicht betroffen sind die XG-Firewalls mit Sophos Firewall OS (SFOS) – bei ihnen greifen andere Advisories.

Regulatorischer Hinweis: Eine bestätigte Kompromittierung der Firewall oder ein daraus resultierender Abfluss personenbezogener Daten kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 18.09.2020 – Sophos veröffentlicht Advisory (sophos-sa-20200918) samt Fixes 9.705 MR5 / 9.607 MR7 / 9.511 MR11
  • 18.08.2021 – Atredis Partners publiziert technische Deep-Dive-Analyse der Preauth-RCE
  • 2021 – Öffentliches Metasploit-Exploit-Modul (SID Command Injection) verfügbar
  • 25.03.2022 – CISA nimmt CVE-2020-25223 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 15.04.2022 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – WebAdmin vom WAN trennen, patchen, Kompromittierung ausschließen, Zugangsdaten rotieren.

  • Sofort: WebAdmin vom WAN trennen / patchen
  • Kurzfristig: Kompromittierung prüfen (KB-000042965)
  • Parallel: Admin-Zugangsdaten rotieren
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob eine Sophos SG UTM in einer Version unterhalb 9.511 MR11, 9.607 MR7 bzw. 9.705 MR5 im Einsatz ist und ob das WebAdmin-Interface über das WAN erreichbar ist.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Das WebAdmin-Interface vom Internet trennen: unter Management → WebAdmin Settings → WebAdmin Access Configuration → Allowed Networks ausschließlich interne Netze (z. B. Internal (LAN)) zulassen. Von Sophos als Behelfsmaßnahme benannt.
  3. Patchen
    Auf 9.511 MR11, 9.607 MR7 oder 9.705 MR5 (bzw. neuer) aktualisieren. Damit ist die Befehls-Injektion geschlossen.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Die von Sophos in KB-000042965 beschriebene Prüfung durchführen und WebAdmin-/Zugriffslogs auf anomale, unauthentifizierte Anfragen sowie unerwartete Prozesse oder Dateien auf der Appliance untersuchen.
  5. Zugangsdaten als kompromittiert behandeln
    Bei Anzeichen eines Zugriffs alle Admin-Zugangsdaten, Zertifikate und auf der UTM hinterlegten Geheimnisse rotieren – ein Patch macht bereits abgeflossene Geheimnisse oder installierte Hintertüren nicht ungültig.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Auffällige Aktivität: Unauthentifizierte Anfragen an das
    WebAdmin-Interface mit manipuliertem SID-Wert
  • Kompromittierungs-Check: Sophos-Anleitung KB-000042965
    unerwartete Prozesse/Dateien mit Root-Rechten
  • Folgeindikatoren: Neue/fremde Admin-Konten, geänderte Regeln
    oder ausgehende Verbindungen von der UTM

Zur Einordnung: Die SID-basierte Injektion läuft über reguläre WebAdmin-Anfragen und ist ohne detaillierte Zugriffs-Logs schwer zu erkennen. Der zuverlässigste Weg ist die Sophos-Kompromittierungsprüfung (KB-000042965) in Verbindung mit der Auswertung Ihrer WebAdmin- und Firewall-Logs.

Wichtig: Der Angreifer erlangt Root-Rechte auf der Perimeter-Firewall – dem zentralen Sicherheits- und Übergangspunkt Ihres Netzes. Ein Patch schließt die Lücke, entfernt aber keine bereits eingerichtete Persistenz. Deshalb ist die Kompromittierungsprüfung ebenso wichtig wie das Update; im Zweifel ist die Appliance neu aufzusetzen.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • WebAdmin heute vom Internet trennen (Allowed Networks auf interne Netze beschränken); Patch auf die MR-Fixversion unverzüglich einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – nach Sophos-Anleitung KB-000042965 und anhand der Logs, dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Bei Kompromittierungsverdacht Admin-Zugangsdaten und Geheimnisse rotieren lassen und Neuaufsetzen der Appliance erwägen.

Primärquellen

Sophos Security Advisory sophos-sa-20200918-sg-webadmin-rce (KB-000042965) · NVD (CVSS 3.1: 9,8 / CVSS 2.0: 10,0, CWE-78) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 25.03.2022, Frist 15.04.2022) · Atredis Partners Deep-Dive · Rapid7 Metasploit (SID Command Injection). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversion gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Unauthentifizierte WebAdmin-Anfragen mit manipuliertem SID und daraus resultierende Root-Aktivität auf der UTM. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed Firewall →

    Regelwerk, Firmwarestand und Ausnahmen bleiben im Blick, damit Sicherheitsupdates nicht im Change-Prozess liegen bleiben.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.