SECURITY ADVISORY

Unauthentifizierte SQL-Injection in der Cyberoam-OS-WebAdmin

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über die WebAdmin-Oberfläche von Cyberoam OS beliebige SQL-Befehle einschleusen und ausführen. Damit lässt sich der Datenbestand der Firewall auslesen und manipulieren – in beobachteten Fällen wurden dabei unbekannte Administratorkonten angelegt. Die Schwachstelle steht seit Februar 2025 im CISA-Katalog aktiv ausgenutzter Lücken; Cyberoam OS ist ein abgekündigtes Produkt.

CVE-ID

CVE-2020-29574

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Sophos

Produkt

Sophos Cyberoam OS (CyberoamOS)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die WebAdmin-Oberfläche von Cyberoam OS validiert in den betroffenen Ständen Eingaben nicht ausreichend, bevor sie in eine SQL-Abfrage einfließen. Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann dadurch eigene SQL-Befehle in die Backend-Datenbank einschleusen, deren Inhalt auslesen und verändern – bis hin zum Anlegen eigener Administratorkonten.

Angriffskette

  1. WebAdmin exponiert – die Cyberoam-Verwaltungsoberfläche ist über das Netz (WAN) erreichbar
  2. SQL einschleusen – manipulierte, unauthentifizierte Anfrage an die anfällige WebAdmin
  3. Datenbank kompromittieren – Auslesen und Verändern von Konfiguration und Zugangsdaten
  4. Persistenz – Anlegen eines unbekannten Administratorkontos und dauerhafte Kontrolle über das Gateway

Betroffene Versionen und Fixes

Cyberoam-OS-StandVerwundbarFixversion
Cyberoam OS · alle Geräteohne Hotfix (bis 04.12.2020)Hotfix ab 04.12.2020
Cyberoam OS · EOL-Versionen10.6.2 und neuer, ohne HotfixHotfix ab 04.12.2020
Empfohlene AblösungXG Firewall v17.5 / aktuelle Plattform

Betroffen sind Cyberoam-OS-Geräte, auf die der von Sophos automatisch ausgerollte Hotfix nicht aufgespielt wurde. Der Hotfix wurde ab dem 04.12.2020 an alle unterstützten Geräte sowie an die abgekündigten Versionen 10.6.2 und neuer verteilt. Cyberoam OS ist End-of-Life – Geräte, die vom Netz getrennt oder ohne automatische Update-Anbindung betrieben wurden, können den Hotfix nicht erhalten haben und bleiben verwundbar.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter Abfluss von Zugangsdaten oder personenbezogenen Daten oder ein kompromittiertes Perimeter-Gateway kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 04.12.2020 – Sophos beginnt mit dem automatischen Ausrollen des Hotfix an Cyberoam-OS-Geräte
  • 10.12.2020 – Sophos veröffentlicht das Advisory (SOPHOS-SA-20201210) zur SQL-Injection
  • 06.02.2025 – CISA nimmt CVE-2020-29574 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 27.02.2025 – KEV-Frist für US-Behörden zur Behebung bzw. Außerbetriebnahme

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Zugriff einschränken, Hotfix-Stand prüfen, auf Kompromittierung untersuchen, abgekündigte Geräte ablösen.

  • Sofort: WebAdmin/SSH aus dem WAN sperren
  • Kurzfristig: Hotfix-Stand prüfen, Admin-Konten auditieren
  • Geplant: EOL-Gerät auf unterstützte Plattform ablösen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob Cyberoam-OS-Geräte im Einsatz sind und ob deren WebAdmin- oder SSH-Zugang aus dem Internet (WAN) erreichbar ist. Da das Produkt End-of-Life ist, sind solche Geräte oft übersehene Altbestände.
  2. Sofort mitigieren
    Den Zugriff auf WebAdmin und SSH aus dem WAN unterbinden – unter System > Administration > Appliance Access die WAN-Zonen deaktivieren. Verwaltung nur noch aus vertrauenswürdigen internen Netzen zulassen.
  3. Hotfix-Stand sicherstellen
    Sicherstellen, dass der von Sophos ab dem 04.12.2020 ausgerollte Hotfix aufgespielt ist. Geräte, die zwischenzeitlich vom Netz getrennt waren oder ohne automatische Update-Anbindung liefen, gezielt auf den aktuellen Stand bringen.
  4. Auf Kompromittierung prüfen
    Alle Administrator- und Nutzerkonten auf der Firewall auf unbekannte oder unerwartete Einträge kontrollieren – das Anlegen eines unbekannten Admin-Kontos ist der von Sophos genannte Kompromittierungshinweis. Verdächtige Konten entfernen und Passwörter zurücksetzen.
  5. Abgekündigtes Gerät ablösen
    Cyberoam OS erhält keine reguläre Pflege mehr. Migration auf eine unterstützte Plattform (Sophos XG/XGS Firewall) einplanen, um das dauerhafte Restrisiko zu beseitigen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Kompromittierungs-Check: Unbekannte oder unerwartete
    Administratorkonten auf der Firewall
  • Auffällige Aktivität: Unauthentifizierte Anfragen an die
    WebAdmin-Oberfläche aus fremden Quellen
  • Folgeindikatoren: Unerwartete Konfigurations- oder
    Regeländerungen am Gateway

Zur Einordnung: Das Anlegen eines unbekannten Administratorkontos ist der von Sophos konkret benannte Kompromittierungshinweis. Da die SQL-Injection über reguläre Web-Anfragen läuft, ist sie ohne detaillierte Zugriffs-Logs schwer zu erkennen – der zuverlässigste Indikator ist die Auswertung der WebAdmin-Zugriffs-Logs und ein vollständiges Audit der Firewall-Konten.

Wichtig: Der Hotfix wurde 2020 automatisch verteilt – das Risiko liegt heute vor allem bei Altgeräten, die zeitweise offline oder ohne Update-Anbindung waren und den Fix nie erhalten haben. Ein einmal angelegtes verstecktes Admin-Konto besteht auch nach dem Hotfix fort, solange es nicht gefunden und entfernt wird. Da Cyberoam OS End-of-Life ist, bleibt die Ablösung durch eine unterstützte Plattform die eigentliche Lösung.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • WebAdmin- und SSH-Zugriff auf Cyberoam-Geräte aus dem WAN heute sperren und den Hotfix-Stand verifizieren lassen.
  • Alle Firewall-Konten auf unbekannte Administratoren auditieren und Zugangsdaten zurücksetzen lassen.
  • Migration der End-of-Life-Cyberoam-Geräte auf eine unterstützte Plattform verbindlich einplanen.

Primärquellen

Sophos Security Advisory SOPHOS-SA-20201210 (Cyberoam OS WebAdmin SQLi, veröffentlicht 10.12.2020, Hotfix ab 04.12.2020) · NVD (CVSS 3.1: 9,8 / CVSS 2.0: 7,5, CWE-89) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 06.02.2025, Frist 27.02.2025). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Cyberoam OS ist End-of-Life – Ablösung durch eine unterstützte Plattform empfohlen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anomale, unauthentifizierte Anfragen an die Cyberoam-WebAdmin und das Auftauchen unbekannter Administratorkonten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.