SECURITY ADVISORY

Datei-Download ohne Integritätsprüfung in Fortinet FortiOS

In den betroffenen FortiOS-Versionen lädt der CLI-Befehl execute restore src-vis Update-Pakete, ohne deren Integrität oder Signatur zu prüfen. Ein lokal authentifizierter Angreifer kann darüber ein manipuliertes Paket unterschieben und beliebige Dateien und Programmcode auf die Firewall schreiben – die ideale Grundlage für einen dauerhaften, schwer auffindbaren Implantat auf dem Perimeter-Gerät. Fortinet hat einen Fall bestätigt, in dem die Schwachstelle bereits missbraucht wurde; die CISA führt sie im Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen.

CVE-ID

CVE-2021-44168

CVSS

7,8

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

Advisory als PDF herunterladen

Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der FortiOS-CLI-Befehl execute restore src-vis lädt ein Update-Paket, ohne dessen Integrität oder digitale Signatur zu prüfen (CWE-494 – Download of Code Without Integrity Check). Ein lokal authentifizierter Angreifer kann dadurch ein eigens präpariertes Paket unterschieben und über den Wiederherstellungs-Vorgang beliebige Dateien auf das Gerät schreiben. Der offizielle Fix beseitigt die Schwachstelle, indem der anfällige Befehl vollständig aus FortiOS entfernt wird.

Angriffskette

  1. Authentifizierter Zugang – der Angreifer verfügt über einen Admin-/CLI-Zugang auf dem FortiGate (z. B. über gestohlene Zugangsdaten oder eine vorgelagerte Lücke)
  2. Präpariertes Paket – Aufruf von execute restore src-vis mit einem manipulierten Update-Paket
  3. Keine Prüfung – FortiOS lädt das Paket ohne Integritäts- oder Signaturkontrolle und schreibt beliebige Dateien auf das Gerät
  4. Persistenz – fremde Dateien in /data2/ und /bin/, unerwartete Prozesse und C&C-Verkehr zu externen IP-Adressen

Betroffene Versionen und Fixes

FortiOS-ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 6.0≤ 6.0.136.0.14
FortiOS 6.2≤ 6.2.96.2.10
FortiOS 6.4≤ 6.4.76.4.8
FortiOS 7.07.0.0 – 7.0.27.0.3

Betroffen sind FortiOS-Stände unterhalb der genannten Fixversionen; FortiOS 7.2 und neuer sind im Advisory nicht als verwundbar geführt. Der Fix entfernt den Befehl restore src-vis vollständig – ein reines Update auf die Zielversion schließt die Lücke also zuverlässig. Da die Ausnutzung einen authentifizierten Zugang voraussetzt, ist die Härtung des Admin-Zugriffs (starke, rotierte Zugangsdaten, MFA, Trusted Hosts) eine wesentliche flankierende Maßnahme.

Regulatorischer Hinweis: Wird die Firewall über diese Schwachstelle kompromittiert und fließen dabei Zugangsdaten oder personenbezogene Daten ab, kann eine meldepflichtige Verletzung vorliegen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 07.12.2021 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-21-201, entfernt den Befehl und stellt Fixversionen bereit
  • 10.12.2021 – CISA nimmt CVE-2021-44168 in den KEV-Katalog auf – bestätigte aktive Ausnutzung
  • 24.12.2021 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen
  • 04.01.2022 – NVD veröffentlicht den Eintrag (NIST-CVSS 3.1: 7,8 / HOCH, CWE-494)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Admin-Zugang härten, patchen, auf Kompromittierung prüfen, im Verdachtsfall forensisch aufarbeiten.

  • Sofort: Admin-Zugang härten / patchen
  • Kurzfristig: IoC-Abgleich auf dem Gerät
  • Bei Verdacht: Forensik & Incident Response
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, welche FortiOS-Version im Einsatz ist. Betroffen sind alle Stände unterhalb 6.0.14 / 6.2.10 / 6.4.8 / 7.0.3. Auch selten gewartete Außenstellen- und Reserve-Geräte einbeziehen.
  2. Admin-Zugang härten (flankierend)
    Da die Ausnutzung einen authentifizierten Zugang voraussetzt: administrativen Zugriff auf vertrauenswürdige Hosts/Netze begrenzen (Trusted Hosts), Mehr-Faktor-Authentisierung erzwingen und Admin-Zugangsdaten rotieren. So wird die Vorbedingung des Angriffs erschwert.
  3. Patchen
    Auf die jeweilige Fixversion oder neuer aktualisieren (6.0.14 / 6.2.10 / 6.4.8 / 7.0.3). Der Fix entfernt den anfälligen Befehl restore src-vis vollständig.
  4. Auf Kompromittierung prüfen
    Die von Fortinet genannten Indikatoren abgleichen: unerwartete Dateien in /data2/ und /bin/, unbekannte laufende Prozesse sowie ausgehenden Verkehr zu fremden C&C-Adressen. Zusätzlich Admin-Login-Logs auf unerklärte Anmeldungen durchsehen.
  5. Im Verdachtsfall forensisch aufarbeiten
    Bestätigen sich Indikatoren, das Gerät als kompromittiert behandeln: aus vertrauenswürdiger Firmware neu aufsetzen, alle auf dem Gerät gespeicherten Geheimnisse (VPN-, Admin- und Dienst-Zugangsdaten) rotieren und den Vorfall dokumentieren. Ein Patch entfernt bereits platzierte Implantate nicht.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Auffällige Dateien: Unerwartete Dateien in
    /data2/ und /bin/
  • Prozesse: Unbekannte oder unerwartete
    laufende Prozesse auf dem FortiGate
  • Netzverkehr: Ausgehender C&C-Verkehr zu
    externen, unbekannten IP-Adressen

Zur Einordnung: Dies sind die von Fortinet im Advisory FG-IR-21-201 genannten Kompromittierungshinweise. Da die Ausnutzung über einen authentifizierten Zugang und einen regulären CLI-Vorgang läuft, ist zusätzlich die Auswertung der Admin-Authentifizierungs- und Konfigurations-Logs auf unerklärte Anmeldungen der zuverlässigste flankierende Indikator.

Wichtig: Der Fix beseitigt die Schwachstelle, indem der anfällige Befehl entfernt wird – er macht aber ein bereits platziertes Implantat nicht rückgängig. Wurde das Gerät vor dem Patch kompromittiert, bleibt der Angreifer-Zugang bestehen, bis das System aus vertrauenswürdiger Firmware neu aufgesetzt und alle Geheimnisse rotiert sind. Deshalb gehört die Kompromittierungsprüfung ebenso dazu wie das Update.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Betroffene FortiGate-Systeme unverzüglich auf die jeweilige Fixversion (6.0.14 / 6.2.10 / 6.4.8 / 7.0.3) oder neuer aktualisieren.
  • Administrativen Zugang härten lassen – Trusted Hosts, MFA und Rotation der Admin-Zugangsdaten, da der Angriff einen authentifizierten Zugang voraussetzt.
  • Auf Kompromittierungs-Indikatoren prüfen lassen; bei Verdacht Forensik und Neuaufbau des Geräts – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-21-201 (Removal of `restore src-vis` command, veröffentlicht 07.12.2021) · NVD (NIST-CVSS 3.1: 7,8 / HOCH, Vektor AV:L/AC:L/PR:L/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H; Fortinet-CNA-Bewertung 3,3 / NIEDRIG; CWE-494) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 10.12.2021, Frist 24.12.2021). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversion gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anomale Admin-Anmeldungen an FortiGate-Systemen und ausgehender C&C-Verkehr von Firewalls. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.