SECURITY ADVISORY

Unauthentifizierter Admin-Zugriff über Authentication-Bypass in Fortinet FortiOS

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über speziell gestaltete HTTP- oder HTTPS-Anfragen die Authentifizierung der administrativen Verwaltungsschnittstelle umgehen und Verwaltungsoperationen mit vollen Rechten ausführen – etwa Admin-Konten anlegen, SSH-Schlüssel hinterlegen oder Konfigurationen ändern. Betroffen sind FortiOS, FortiProxy und der FortiSwitchManager. Die Schwachstelle wird seit Oktober 2022 aktiv ausgenutzt, ein öffentlicher Proof-of-Concept ist verfügbar.

CVE-ID

CVE-2022-40684

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS / FortiProxy / FortiSwitchManager

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

In den betroffenen Versionen lässt sich die Authentifizierung der administrativen Verwaltungsschnittstelle über einen alternativen Pfad umgehen: Speziell gestaltete HTTP-/HTTPS-Anfragen – etwa mit gesetztem Forwarded-Header und dem internen Client Node.js als User-Agent – werden vom Gerät als vertrauenswürdige interne Anfragen behandelt. Ein nicht authentifizierter Angreifer kann dadurch privilegierte Verwaltungs-API-Aufrufe ausführen, ohne gültige Zugangsdaten zu besitzen.

Angriffskette

  1. Verwaltungsschnittstelle exponiert – die HTTP-/HTTPS-Admin-Oberfläche ist über das Netz erreichbar
  2. Anfrage fälschen – manipulierte, unauthentifizierte Anfrage mit gefälschtem Forwarded-Header täuscht eine interne Quelle vor
  3. Als Admin agieren – privilegierte API-Aufrufe werden ausgeführt, als kämen sie von einem angemeldeten Administrator
  4. Persistenz – Anlegen fremder Admin-Konten, Hinterlegen von SSH-Schlüsseln, Ändern der Konfiguration zur dauerhaften Übernahme

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / VersionVerwundbarFixversion
FortiOS 7.2.x7.2.0 – 7.2.17.2.2
FortiOS 7.0.x7.0.0 – 7.0.67.0.7
FortiProxy 7.2.x7.2.07.2.1
FortiProxy 7.0.x7.0.0 – 7.0.67.0.7
FortiSwitchManager 7.2.x7.2.07.2.1
FortiSwitchManager 7.0.x7.0.07.0.1

Ältere Zweige (FortiOS 6.4 und 6.2, FortiProxy 2.0 / 1.x) sind laut Fortinet nicht betroffen. Für FG6000F- sowie 7000E/F-Modelle nennt Fortinet FortiOS 7.0.5 B8001 oder neuer als korrigierten Stand. Maßgeblich ist die Erreichbarkeit der administrativen HTTP-/HTTPS-Schnittstelle über nicht vertrauenswürdige Netze.

Regulatorischer Hinweis: Firewalls und Proxies sind zentrale Sicherheitskomponenten – ein bestätigter unbefugter administrativer Zugriff oder ein daraus folgender Datenabfluss kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen: DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 10.10.2022 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-22-377 und bestätigt Ausnutzung in the wild; Fixes verfügbar
  • 11.10.2022 – CISA nimmt CVE-2022-40684 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 13.10.2022 – Horizon3.ai veröffentlicht technische Analyse und öffentlichen Proof-of-Concept
  • 01.11.2022 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen/Mitigieren

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Verwaltungsschnittstelle abschotten, patchen, Konfiguration und Konten auf Manipulation prüfen.

  • Sofort: Admin-Schnittstelle abschotten / patchen
  • Kurzfristig: Admin-Konten & Schlüssel prüfen/rotieren
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiOS, FortiProxy oder FortiSwitchManager in einer der betroffenen Versionen im Einsatz ist und ob die administrative HTTP-/HTTPS-Schnittstelle aus nicht vertrauenswürdigen Netzen erreichbar ist.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Wenn ein sofortiges Update nicht möglich ist: den HTTP-/HTTPS-Zugang zur Verwaltungsschnittstelle deaktivieren oder den Zugriff per local-in policy / Trusted-Hosts strikt auf autorisierte IP-Adressen begrenzen. Von Fortinet als Behelfsmaßnahme benannt.
  3. Patchen
    Auf einen korrigierten Stand aktualisieren: FortiOS 7.0.7 bzw. 7.2.2, FortiProxy 7.0.7 bzw. 7.2.1, FortiSwitchManager 7.0.1 bzw. 7.2.1 oder neuer.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Konfiguration auf unbekannte Administrator-Konten, fremde SSH-Schlüssel, geänderte Admin-Profile und neue local-in-Policies prüfen. Die von Fortinet genannten Indikatoren im Log abgleichen.
  5. Zugangsdaten & Schlüssel behandeln
    Falls Anzeichen für einen Zugriff bestehen, alle Administrator-Passwörter zurücksetzen, hinterlegte SSH-Schlüssel prüfen/erneuern und die Gerätekonfiguration gegen einen bekannt-guten Stand abgleichen – ein Patch entfernt bereits angelegte Hintertüren nicht.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Log-Indikator: Verwaltungsaktionen mit
    user=Local_Process_Access im Log
  • Fremdes Admin-Konto: Neu angelegter Super-Admin
    fortigate-tech-support
  • Persistenz: Unbekannte SSH-Schlüssel oder
    fremde local-in-Policies in der Konfiguration

Zur Einordnung: Der Log-Eintrag user=Local_Process_Access in Verbindung mit Verwaltungsaktionen und das Konto fortigate-tech-support sind die von Fortinet genannten konkreten Kompromittierungshinweise. Da die Ausnutzung über reguläre HTTP-/HTTPS-Anfragen erfolgt, ist ohne detaillierte Zugriffs-Logs eine saubere Auswertung der Verwaltungs- und Authentifizierungsereignisse der zuverlässigste Indikator.

Wichtig: Der Kern des Risikos ist die Persistenz: Hat ein Angreifer die Verwaltung einmal übernommen und ein Admin-Konto, einen SSH-Schlüssel oder eine Policy hinterlegt, bleibt der Zugang auch nach dem Patch bestehen. Deshalb ist die Prüfung der Konfiguration auf Manipulation ebenso wichtig wie das Update.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Administrative HTTP-/HTTPS-Schnittstelle der Fortinet-Geräte heute aus dem Internet nehmen oder strikt per IP-Allowlist begrenzen; Patch unverzüglich einplanen.
  • Konfiguration jedes betroffenen Geräts auf fremde Admin-Konten, SSH-Schlüssel und Policies prüfen lassen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung nach NIS-2 / DSGVO.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-22-377 · NVD (CVSS 3.1: 9,8 / AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H, CWE-287; Fortinet-eigene Bewertung 9,6 / CWE-288) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 11.10.2022, Frist 01.11.2022) · Horizon3.ai Attack Research (öffentlicher PoC, 13.10.2022). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Unauthentifizierte Verwaltungsanfragen an die Fortinet-Admin-Schnittstelle und das Auftauchen fremder Admin-Konten oder Log-Einträge mit Local_Process_Access. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.