SECURITY ADVISORY

Path Traversal mit Datei-Lese/Schreibzugriff in Fortinet FortiOS

Ein Angreifer mit Administrationsrechten kann in den betroffenen FortiOS-Versionen über speziell gestaltete CLI-Kommandos aus dem vorgesehenen Verzeichnis ausbrechen und beliebige Dateien auf dem zugrundeliegenden Linux-System lesen und schreiben. In hochgezielten Angriffen auf Behörden wurde die Lücke – verkettet mit einer kompromittierten FortiManager-Instanz – genutzt, um die FortiGate-Firmware zu manipulieren und ein dauerhaftes Implantat zu verankern. Die Schwachstelle wurde als Zero-Day ausgenutzt und steht im CISA-KEV-Katalog.

CVE-ID

CVE-2022-41328

CVSS

7,1

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

Advisory als PDF herunterladen

Analyse

Warum die Lücke wirkt

FortiOS prüft in den betroffenen Versionen die Pfadangaben bestimmter CLI-Kommandos nicht ausreichend (CWE-22). Ein Angreifer mit Administrationsrechten kann dadurch aus dem vorgesehenen Verzeichnis ausbrechen und beliebige Dateien auf dem zugrundeliegenden Linux-System der Firewall lesen und schreiben – bis hin zum Austausch von System- und Firmware-Bestandteilen. In den beobachteten Angriffen wurde die Lücke mit einer kompromittierten FortiManager-Instanz verkettet, über die die Kommandos an die verwalteten FortiGate-Geräte ausgeführt wurden.

Angriffskette

  1. Privilegierter Zugang – in den beobachteten Angriffen über eine kompromittierte FortiManager-Instanz, die Skripte auf verwaltete FortiGate-Geräte ausführt
  2. Path Traversal auslösen – präparierte CLI-Kommandos brechen aus dem Verzeichnis aus und schreiben beliebige Dateien auf das Linux-System
  3. Firmware manipulieren/sbin/init wird so verändert, dass vor dem Boot das Implantat /bin/fgfm startet
  4. Persistenz & C2/bin/fgfm wartet auf einen ICMP-Trigger, öffnet eine Reverse-Shell zum Command-and-Control-Server, exfiltriert Daten und erlaubt Fernsteuerung

Betroffene Versionen und Fixes

FortiOS-VersionVerwundbarFixversion
FortiOS 7.2.x7.2.0 – 7.2.37.2.4
FortiOS 7.0.x7.0.0 – 7.0.97.0.10
FortiOS 6.4.x6.4.0 – 6.4.116.4.12
FortiOS 6.2.x6.2.0 – 6.2.136.2.14
FortiOS 6.0.xalle Versionenkein Fix (EoL) – Migration

Betroffen sind FortiOS 7.2.0–7.2.3, 7.0.0–7.0.9, 6.4.0–6.4.11, 6.2.0–6.2.13 sowie sämtliche Versionen des Zweigs 6.0. Für den End-of-Life-Zweig 6.0 stellt Fortinet keinen Fix bereit – hier ist die Migration auf einen unterstützten, korrigierten Zweig erforderlich. Die Ausnutzung setzt einen privilegierten Zugang voraus; in der beobachteten Kampagne wurde dieser über eine kompromittierte FortiManager-Instanz erlangt.

Regulatorischer Hinweis: Firewalls sind zentrale Sicherheitskomponenten – eine bestätigte Firmware-Manipulation oder ein daraus folgender Datenabfluss kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen: DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 07.03.2023 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-22-369 mit Analyse der Angriffe; Fixes verfügbar
  • 09.03.2023 – Fortinet-PSIRT-Blog beschreibt Angriffskette, das /bin/fgfm-Implantat und IoCs
  • 14.03.2023 – CISA nimmt CVE-2022-41328 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 04.04.2023 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen/Mitigieren

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Verwaltungszugang abschotten, patchen, Firmware-Integrität prüfen, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: Verwaltungszugang abschotten / patchen
  • Kurzfristig: Firmware-Integrität & IoCs prüfen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiOS in einer der betroffenen Versionen (7.2.0–7.2.3, 7.0.0–7.0.9, 6.4.0–6.4.11, 6.2.0–6.2.13 oder 6.0.x) im Einsatz ist und welche Geräte über eine FortiManager-Instanz zentral verwaltet werden.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Administrativen Zugriff und die FortiManager-Anbindung strikt absichern: Verwaltungsschnittstelle aus nicht vertrauenswürdigen Netzen nehmen, Zugriff per trusted hosts / local-in policy auf autorisierte Hosts begrenzen und die Integrität der FortiManager-Instanz überprüfen.
  3. Patchen
    Auf einen korrigierten Stand aktualisieren: FortiOS 7.2.4, 7.0.10, 6.4.12 oder 6.2.14 bzw. neuer. Der End-of-Life-Zweig 6.0 erhält keinen Fix – hier auf einen unterstützten, korrigierten Zweig migrieren.
  4. Firmware-Integrität prüfen
    Auf Anzeichen einer Firmware-Manipulation prüfen: das Implantat /bin/fgfm, eine veränderte /sbin/init, die von Fortinet veröffentlichten Datei-Hashes sowie die FIPS-Fehlermeldung Firmware Integrity self-test failed. Die von Fortinet genannten Log- und Netz-IoCs abgleichen.
  5. Kompromittierung behandeln
    Bei Anzeichen einer Manipulation das Gerät als vollständig kompromittiert behandeln: Fortinet-Support einbinden, aus einer vertrauenswürdigen Firmware sauber neu aufsetzen, Konfiguration gegen einen bekannt-guten Stand abgleichen und alle Administrator-Zugangsdaten sowie Schlüssel rotieren – ein Patch entfernt eine bereits verankerte Firmware-Hintertür nicht.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Implantat / Firmware: Datei /bin/fgfm und modifizierte
    /sbin/init auf dem Gerät
  • Netz-IoC: C2-Kontakt zu 47.252.20.90
    ICMP-Trigger _;7(Zu9YTsA7qQ#vm
  • Integritätswarnung: FIPS-Geräte melden
    Firmware Integrity self-test failed

Zur Einordnung: Fortinet hat im PSIRT-Blog Datei-Hashes für die Implantate (u. a. fgfm, auth, klogd) sowie die genannten Log- und Netzindikatoren veröffentlicht. FIPS-fähige Geräte erkennen die Firmware-Manipulation automatisch und wechseln in einen Fehlerzustand; auf Geräten ohne FIPS ist der Abgleich der Dateien und Hashes gegen einen bekannt-guten Stand der zuverlässigste Indikator.

Wichtig: Der Kern des Risikos liegt in der Persistenz auf Firmware-Ebene: Hat ein Angreifer die Lücke genutzt, um /sbin/init zu verändern und /bin/fgfm zu verankern, bleibt der Zugang auch nach dem Patch bestehen. Ein bloßes Update genügt dann nicht – ein kompromittiertes Gerät muss aus vertrauenswürdiger Firmware neu aufgesetzt werden.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Verwaltungszugang der FortiGate-Geräte und die FortiManager-Anbindung heute absichern; Patch auf 7.2.4 / 7.0.10 / 6.4.12 / 6.2.14 unverzüglich einplanen, 6.0-Geräte migrieren.
  • Firmware-Integrität jedes betroffenen Geräts gegen die von Fortinet veröffentlichten IoCs prüfen lassen.
  • Bei Anzeichen einer Manipulation das Gerät sauber neu aufsetzen und Zugangsdaten rotieren – dokumentiert für eine etwaige Meldung nach NIS-2 / DSGVO.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-22-369 und PSIRT-Analyse-Blog (Angriffskette, /bin/fgfm-Implantat, IoCs) · NVD (CVSS 3.1: 7,1 / AV:L/AC:L/PR:L/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:N, CWE-22; Fortinet-eigene Bewertung 6,5 / mittel) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 14.03.2023, Frist 04.04.2023). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Firmware-Integritätsanomalien, das Implantat /bin/fgfm, ICMP-getriggerte Reverse-Shells und C2-Verbindungen zu 47.252.20.90. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.