SECURITY ADVISORY

Pre-Auth Remote Code Execution in Fortinet FortiOS SSL-VPN

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über einen Heap-basierten Pufferüberlauf im SSL-VPN von FortiOS und FortiProxy beliebigen Code auf der Firewall ausführen – ohne gültige Zugangsdaten und ohne Zutun eines Nutzers. Die Schwachstelle wurde bereits als Zero-Day aktiv ausgenutzt, bevor Fortinet den Patch am 12. Dezember 2022 veröffentlichte, und wird seither in gezielten Angriffen sowie in Verbindung mit persistenten Backdoors eingesetzt.

CVE-ID

CVE-2022-42475

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet FortiOS / FortiProxy SSL-VPN

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der SSL-VPN-Dienst sslvpnd von FortiOS und FortiProxy verarbeitet speziell präparierte Anfragen fehlerhaft: Eine numerische Trunkierung führt dazu, dass zu viele Daten in einen zu klein bemessenen Speicherbereich auf dem Heap geschrieben werden (Heap-based Buffer Overflow). Ein nicht authentifizierter Angreifer kann diesen Überlauf über das offene VPN-Web-Interface auslösen und so beliebigen Code mit den Rechten des Dienstes auf der Firewall ausführen.

Angriffskette

  1. SSL-VPN exponiert – das VPN-Web-Interface ist über das Internet erreichbar (typisch TCP/443)
  2. Präparierte Anfrage – manipulierte, unauthentifizierte Anfrage löst den Heap-Überlauf im Dienst sslvpnd aus
  3. Codeausführung – der Angreifer führt beliebigen Code auf der Firewall aus, ohne Zugangsdaten
  4. Persistenz & Ausweitung – Nachladen von Backdoors, Manipulation von Konfiguration und Logs, Zugriff auf das interne Netz

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 7.27.2.0 – 7.2.27.2.3
FortiOS 7.07.0.0 – 7.0.87.0.9
FortiOS 6.46.4.0 – 6.4.106.4.11
FortiOS 6.26.2.0 – 6.2.116.2.12
FortiOS 6.06.0.0 – 6.0.156.0.16
FortiOS 5.x5.0 – 5.6 (alle)auf 6.4.11+ migrieren
FortiProxy 7.2 / 7.0 / 2.0≤ 7.2.1 / ≤ 7.0.7 / ≤ 2.0.117.2.2 / 7.0.8 / 2.0.12

Verwundbar sind ausschließlich Geräte mit aktiviertem SSL-VPN. FortiProxy sowie die 6K/7K-Modelle (FortiOS-6K7K) sind ebenfalls betroffen und in eigenen Zweigen zu patchen. FortiOS 5.x erhält keinen Fix mehr und muss auf eine unterstützte, gepatchte Version migriert werden. Ist SSL-VPN nicht im Einsatz, besteht über diese Lücke kein direkter Angriffsweg – die Prüfung der Konfiguration ist trotzdem geboten.

Regulatorischer Hinweis: Eine bestätigte Kompromittierung der Perimeter-Firewall oder ein Abfluss personenbezogener Daten kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • vor 12.12.2022 – Ausnutzung als Zero-Day in gezielten Angriffen (u. a. Behörden-Umfeld)
  • 12.12.2022 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-22-398 mit Fix und IoC-Liste
  • 13.12.2022 – CISA nimmt CVE-2022-42475 in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 03.01.2023 – KEV-Frist für US-Behörden zum Patchen

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – exponierte VPNs prüfen, patchen, auf Kompromittierung untersuchen, Zugangsdaten rotieren.

  • Sofort: SSL-VPN-Exposition prüfen / patchen
  • Kurzfristig: IoC-Abgleich & Kompromittierungs-Check
  • Parallel: Zugangsdaten & Zertifikate rotieren
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob FortiOS- oder FortiProxy-Geräte mit aktiviertem SSL-VPN in einer der betroffenen Versionen im Einsatz und über das Internet erreichbar sind. Auch 6K/7K-Modelle und ältere 5.x-Geräte einbeziehen.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Ist ein sofortiger Patch nicht möglich, das SSL-VPN abschalten oder den Netzzugriff strikt auf autorisierte Quellen begrenzen. Von Fortinet als Behelfsmaßnahme benannt.
  3. Patchen
    Auf die feste Version des jeweiligen Zweigs aktualisieren – z. B. FortiOS 7.2.3, 7.0.9, 6.4.11, 6.2.12 oder 6.0.16. Nicht mehr unterstützte 5.x-Geräte auf eine gepatchte Version migrieren.
  4. Auf Kompromittierung prüfen
    Die von Fortinet genannten IoC abgleichen: verdächtige Dateien im Dateisystem, bekannte Angreifer-IPs in den Logs und Crash-Einträge des SSL-VPN-Dienstes. Ein Patch entfernt keine bereits platzierte Backdoor.
    grep -i 'sslvpnd' crashlog | grep 'Signal 11'
  5. Zugangsdaten als kompromittiert behandeln
    Bei Anzeichen einer Kompromittierung alle lokalen und angebundenen Zugangsdaten, VPN-Benutzerpasswörter, Admin-Konten sowie eingesetzte Zertifikate rotieren und die Konfiguration gegen eine bekannte, saubere Sicherung abgleichen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Verdächtige Dateien: /data/lib/libips.bak, libgif.so, libiptcp.so,
    libipudp.so, libjepg.so, /data/etc/wxd.conf, /var/.sslvpnconfigbk
  • Crash-Log-Signatur: application:sslvpnd … Signal 11 received, Backtrace
    im FortiOS-Crashlog
  • Bekannte Angreifer-IPs: 188.34.130.40, 103.131.189.143, 193.36.119.61,
    172.247.168.153, 139.180.184.197 u. a.

Zur Einordnung: Die genannten Dateipfade, IPs und Crash-Log-Signaturen stammen aus dem Fortinet-Advisory FG-IR-22-398 und dokumentieren beobachtete Angriffe – ihr Fehlen schließt eine Kompromittierung nicht aus. Der zuverlässigste Nachweis ist eine forensische Prüfung von Dateisystem, Konfiguration und Logs gegen einen bekannten sauberen Stand.

Wichtig: Der Kern des Risikos liegt in der Persistenz: Angreifer haben diese Lücke genutzt, um dauerhafte Backdoors auf der Firewall zu hinterlegen und Konfiguration wie Logs zu manipulieren. Ein Patch schließt die Schwachstelle, entfernt aber keinen bereits erlangten Zugang. Deshalb ist die Prüfung auf Kompromittierung ebenso wichtig wie das Update.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Alle SSL-VPN-fähigen Fortinet-Geräte heute auf die feste Version patchen oder das SSL-VPN vorübergehend abschalten.
  • Betroffene Geräte gegen die Fortinet-IoC prüfen lassen und bei Verdacht eine forensische Untersuchung einleiten.
  • Bei Kompromittierungshinweisen Zugangsdaten und Zertifikate rotieren und den Vorfall für eine etwaige Meldung dokumentieren.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-22-398 (veröffentlicht 12.12.2022, Fortinet-CVSS 9,3) · NVD CVE-2022-42475 (CVSS 3.1: 9,8 KRITISCH, Vektor AV:N/AC:L/PR:N/UI:N/S:U/C:H/I:H/A:H, CWE-787 / CWE-197) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 13.12.2022, Frist 03.01.2023). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Crash-Einträge des SSL-VPN-Dienstes, Verbindungen zu bekannten Angreifer-IPs und verdächtige Dateien auf FortiOS-Geräten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • STRUKTURELL

    ZTNA – Zero Trust Network Access →

    Solange der Dienst aus dem Internet erreichbar ist, bleibt er Ziel. Mittelfristig kann ein ZTNA-Ansatz diese Exposition verringern. Kurzfristig zählt der Patch.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.