SECURITY ADVISORY

Absolute Path Traversal in Ivanti Endpoint Manager

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über einen absoluten Dateipfad beliebige Dateien vom EPM-Server auslesen. In der veröffentlichten Angriffskette wird die Lücke genutzt, um das EPM-Maschinenkonto zu einer Authentifizierung zu zwingen und diese weiterzuleiten (Relay) – bis hin zur Ausweitung der Rechte im Active Directory. Die Schwachstelle ist Teil eines Trios (CVE-2024-13159 / -13160 / -13161) und wird aktiv ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2024-13160

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Endpoint Manager (EPM)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Ivanti EPM prüft in den verwundbaren Ständen einen übergebenen Dateipfad unzureichend. Ein Angreifer kann einen absoluten Pfad übermitteln und so beliebige Dateien vom EPM-Server auslesen – ohne Anmeldung. In der von Horizon3.ai veröffentlichten Angriffskette wird dies genutzt, um das EPM-Maschinenkonto zu einer NTLM-Authentifizierung zu bewegen und diese auf andere Dienste weiterzuleiten (Relay) – der Weg zur Rechteausweitung bis hin zur Domänenübernahme.

Angriffskette

  1. EPM erreichbar – Verwaltungsserver ist aus dem Netz ansprechbar
  2. Traversal-Request – absoluter Dateipfad an einen EPM-Web-Endpunkt
  3. Coercion – EPM-Maschinenkonto wird zur Authentifizierung gezwungen
  4. Relay & Ausweitung – Weiterleitung der Anmeldung bis zur Domänenübernahme

Betroffene Versionen und Fixes

EPM-VersionVerwundbarFixversion
EPM 2024vor dem Januar-2025 Security Update2024 Januar-2025 Security Update
EPM 2022SU1–SU5 & SU6 vor dem Januar-2025 Security Update2022 SU6 Januar-2025 Security Update

Betroffen sind EPM 2024 und EPM 2022 SU6 vor dem jeweiligen Januar-2025 Security Update. Exakte Build-Stände gegen das Ivanti-Advisory des eigenen Zweigs abgleichen; EPM 2022 wird nur noch über SU6 versorgt. Ältere, abgekündigte EPM-Stände erhalten keinen Fix und sollten migriert werden.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff – insbesondere auf Anmeldeinformationen oder personenbezogene Daten – kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen: DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 13.01.2025 – Ivanti veröffentlicht Advisory und Patches
  • Feb. 2025 – Horizon3.ai veröffentlicht technische Analyse / PoC
  • 10.03.2025 – CISA nimmt den CVE in den KEV-Katalog auf – aktive Ausnutzung
  • 31.03.2025 – CISA-Frist zur Behebung für US-Behörden

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Exposure prüfen, patchen, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: Exposure prüfen & einschränken
  • Kurzfristig: Januar-2025-Update einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / Credential-Rotation
  1. Betroffenheit & Exposure feststellen
    EPM-Version und Patch-Stand ermitteln (EPM 2024 bzw. 2022 SU6). Prüfen, ob der EPM-Server aus dem Internet oder untypischen Netzsegmenten erreichbar ist – die Angriffsfläche soweit möglich auf das Verwaltungsnetz beschränken.
  2. Patchen
    Das jeweilige Januar-2025 Security Update einspielen (EPM 2024 Januar-2025 SU bzw. EPM 2022 SU6 Januar-2025 SU). Kein belastbarer Workaround bekannt – der Patch ist der einzige verlässliche Schutz.
  3. Kompromittierung ausschließen
    Zugriffs- und Authentifizierungslogs auf Path-Traversal-Anfragen an EPM-Endpunkte und auf anomale NTLM-/SMB-Authentifizierungen des EPM-Maschinenkontos durchsuchen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  4. Anmeldeinformationen rotieren
    Bei Verdacht auf Ausnutzung das EPM-Maschinenkonto sowie betroffene Dienst-/Domänenkonten zurücksetzen. Relay-Angriffe zielen auf Anmeldeinformationen – ein reiner Patch stellt keine bereits abgeflossenen Credentials wieder her.
  5. Trio gesamthaft behandeln
    Die Schwachstelle gehört zu einem Trio (CVE-2024-13159 / -13160 / -13161), das dasselbe Update schließt. Alle drei gemeinsam abarbeiten und die Fixstände gegen das Ivanti-Advisory bestätigen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Traversal-Muster: HTTP-Anfragen an EPM-Web-Endpunkte mit absoluten Pfaden bzw. \..\-Sequenzen aus untypischen Quellen
  • Credential-Coercion: unerwartete NTLM-/SMB-Authentifizierung vom EPM-Maschinenkonto an fremde Hosts
  • Exposure: Zugriffe auf den EPM-Server aus dem Internet oder aus fremden Netzsegmenten

Zur Einordnung: Für diese Schwachstelle liegt kein stabiler, öffentlich verifizierter Satz an Netzwerk-IoCs (feste IPs/Hashes) vor. Die Erkennung ist verhaltensbasiert: Traversal-Muster in den EPM-Zugriffslogs und anomale Authentifizierung des EPM-Maschinenkontos sind die belastbaren Signale – kein Ersatz für die Analyse Ihrer eigenen Logs.

Wichtig: Erfolgreiche Angriffe hinterlassen zunächst nur reguläre Datei- bzw. Authentifizierungsvorgänge des EPM-Kontos – ohne Alarm. Ohne Auswertung der EPM-Zugriffs- und AD-Authentifizierungslogs bleibt ein bereits erfolgtes Credential-Relay unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Januar-2025 Security Update kurzfristig einplanen und die Erreichbarkeit des EPM-Servers einschränken.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff oder Credential-Relay erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung der Verwaltungsserver und des Perimeters entscheiden.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory EPM (Januar 2025) für EPM 2024 und EPM 2022 SU6 · National Vulnerability Database (NVD) CVE-2024-13160 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 10.03.2025) · Horizon3.ai Analyse (Zach Hanley). Hinweis: Ivanti (CNA) bewertet die Lücke mit CVSS 9,8; das NVD führt einen abweichenden Basiswert von 7,5. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixstände gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Path-Traversal-Zugriffe auf EPM und anomale Authentifizierung des EPM-Maschinenkontos. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Endpoint Protection →

    Auf verwalteten Endpunkten lässt sich eine Ausnutzung nachgelagert erkennen und eingrenzen, auch wenn der Patch noch nicht überall ausgerollt ist.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.