SECURITY ADVISORY

Command Injection in Ivanti Connect Secure

In den Web-Komponenten von Ivanti Connect Secure und Policy Secure kann ein Angreifer über präparierte Anfragen beliebige Betriebssystem-Befehle auf dem Gateway ausführen. Verkettet mit dem Authentifizierungs-Bypass CVE-2023-46805 wird daraus eine unauthentifizierte Remote-Code-Ausführung – ohne Zugangsdaten, direkt aus dem Internet. Die Lücke wird seit Ende 2023 aktiv und massenhaft ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2024-21887

CVSS

9,1

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Connect Secure & Policy Secure

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die Web-Komponenten der Gateways übergeben Teile eingehender Anfragen ungeprüft an OS-Befehle (CWE-77, Command Injection). Ein authentifizierter Administrator kann so beliebige Kommandos auf der Appliance ausführen. Der zweite Baustein – der Authentifizierungs-Bypass CVE-2023-46805 per Directory-Traversal – hebelt die Anmeldepflicht aus. In Kombination ruft ein völlig unauthentifizierter Angreifer die verwundbare API direkt auf und erreicht Code-Ausführung mit den Rechten des Gateways.

Angriffskette

  1. Gateway exponiert – Connect/Policy Secure ist aus dem Internet erreichbar
  2. Auth-Bypass – per Traversal (CVE-2023-46805) wird die Anmeldung umgangen
  3. Command Injection – präparierte Anfrage schleust OS-Befehle ein (CVE-2024-21887)
  4. Übernahme – Webshell, Credential-Diebstahl und Zugriff ins interne Netz

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
Connect Secure 9.1alle 9.x vor Fix9.1R14.4 / 9.1R17.2 / 9.1R18.3
Connect Secure 22.x22.1–22.6 vor Fix22.4R2.2 / 22.5R1.1 / 22.5R2.2
Policy Secure 9.x / 22.xalle unterstützten VersionenPatch je Zweig (ab 31.01.2024)
Interim (vor Patch)alle Versionenmitigation.release.20240107.1.xml

Betroffen sind laut Hersteller alle unterstützten Versionen (9.x und 22.x) beider Produkte. Ivanti gab die Fixes gestaffelt ab dem 31.01.2024 frei; nicht jeder Zweig erhielt sein Patch gleichzeitig. Exakten Fix-Build gegen das Hersteller-Advisory des eigenen Zweigs abgleichen. Wichtig: Der spätere Patch behebt die Lücke, entfernt aber keine bereits platzierten Webshells – vor der Wiederinbetriebnahme Werksreset und Integrity Checker Tool (ICT) einsetzen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff über das Gateway ist regelmäßig ein meldepflichtiger Vorfall – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • Dez 2023 – Gezielte Zero-Day-Angriffe (UTA0178 / Volexity) beobachtet
  • 10.01.2024 – Ivanti-Advisory + Interim-Mitigation; Aufnahme in CISA KEV
  • 13.01.2024 – Massenhafte Scans und breite Ausnutzung nach Offenlegung
  • 16.01.2024 – Öffentlicher Proof-of-Concept verfügbar
  • 31.01.2024 – Erste offizielle Patches (u. a. 9.1R14.4, 22.5R1.1)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Mitigation vor Patch, Kompromittierungs-Prüfung vor Entwarnung.

  • Sofort: Mitigation aktivieren / Gerät isolieren
  • Kurzfristig: Werksreset + Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC- & ICT-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob Connect Secure oder Policy Secure (9.x oder 22.x) betrieben und aus dem Internet erreichbar ist. Alle unterstützten Versionen gelten als verwundbar – auch wenn kein direkter Angriff sichtbar ist.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Die von Ivanti bereitgestellte Interim-Mitigation über das Portal einspielen:
    import mitigation.release.20240107.1.xml
  3. Kompromittierung prüfen
    Das Ivanti Integrity Checker Tool (ICT) ausführen und Auth-/Web-Logs auf die IoCs unten abgleichen. Achtung: Angreifer haben die Mitigation umgangen und das ICT teils getäuscht – ein sauberes ICT-Ergebnis ist kein Freibrief.
  4. Werksreset + Patchen
    Vor dem Patch einen Werksreset durchführen, um eventuell platzierte Webshells zu entfernen, dann auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren (9.1R14.4 · 9.1R17.2 · 9.1R18.3 · 22.4R2.2 · 22.5R1.1 · 22.5R2.2).
  5. Zugangsdaten rotieren
    Nach bestätigter oder vermuteter Kompromittierung alle auf dem Gateway gespeicherten und darüber genutzten Geheimnisse zurücksetzen: lokale Konten, Service-Accounts, API-Schlüssel und Zertifikate. Der Credential-Harvester WARPWIRE greift Klartext-Anmeldungen ab.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Exploit-Pfad (Traversal → API): /api/v1/totp/user-backup-code/../../license/keys-status/<cmd>
  • Beobachtete Malware-Familien: Webshells WIREFIRE, GIFTEDVISITOR, LIGHTWIRE
    Credential-Harvester WARPWIRE
  • Prüf-Signale: ICT-Abweichungen / neue Dateien in /home/webserver/htdocs
    manipulierte compcheck.cgi / visits.py

Zur Einordnung: Die Angreifer haben die Interim-Mitigation umgangen und das Integrity Checker Tool teils getäuscht; Malware-Namen und Pfade sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagnen und flüchtig. Ein sauberes ICT-Ergebnis ersetzt keine gründliche forensische Analyse – im Zweifel Werksreset vor Wiederinbetriebnahme.

Wichtig: Ein reiner Patch genügt nicht: Wer vor dem Update kompromittiert wurde, behält die Webshells auch nach dem Einspielen. Ivanti und CISA empfehlen ausdrücklich Werksreset und Credential-Rotation vor der Wiederinbetriebnahme.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Mitigation heute anordnen, betroffene Gateways als kompromittiert behandeln bis zum Gegenbeweis.
  • Werksreset, Patch und Credential-Rotation als ein Vorgang einplanen – nicht nur patchen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung nach NIS-2 / DSGVO.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory (Forums-KB CVE-2023-46805 / CVE-2024-21887) · NVD (CVE-2024-21887, CVSS 3.1 9,1) · CISA KEV (hinzugefügt 10.01.2024, Frist 22.01.2024) · CISA Alert & Emergency Directive ED 24-01 · Volexity- und Mandiant-Analysen · Unit 42 Threat Brief · Tenable / Rapid7 Berichte. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Traversal-Anfragen an die Lizenz-/TOTP-API und neue Dateien in den Web-Verzeichnissen des Gateways. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.