SECURITY ADVISORY

Format-String-RCE im Fortinet fgfmd-Dienst

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über den FGFM-Dienst (fgfmd-Daemon) speziell gestaltete Anfragen senden und darüber beliebigen Code oder Befehle ausführen – ohne gültige Anmeldedaten. Ursache ist eine Format-String-Schwachstelle (CWE-134). Praktisch angreifbar ist jedes Gerät mit erreichbarem FGFM-Interface; die Ausnutzung läuft laut CISA/Fortinet seit Oktober 2024.

CVE-ID

CVE-2024-23113

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

Fortinet Multiple Products (FGFM-Dienst)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

Advisory als PDF herunterladen

Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der fgfmd-Daemon wickelt das FGFM-Protokoll für die Kommunikation zwischen FortiGate/FortiOS und FortiManager ab. Beim Verarbeiten eingehender FGFM-Anfragen fließt ein extern beeinflusster Wert ungeprüft als Format-String in eine Verarbeitungsfunktion (CWE-134). Ein entfernter, nicht authentifizierter Angreifer kann darüber mit speziell gestalteten Paketen den Speicher manipulieren und bis zur Ausführung beliebiger Befehle eskalieren.

Angriffskette

  1. FGFM exponiert – der FGFM-Dienst (Standard-Port TCP 541) ist über eine Interface-allowaccess-Freigabe aus dem Netz erreichbar
  2. Verbindung aufbauen – der Angreifer spricht den fgfmd-Daemon an, der eingehende FGFM-Anfragen entgegennimmt
  3. Format-String einschleusen – ein speziell gestalteter, extern beeinflusster Wert wird als Format-String verarbeitet (CWE-134)
  4. Codeausführung – daraus folgt die Ausführung beliebiger Befehle / beliebigen Codes auf dem Gerät

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt · ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 7.47.4.0 – 7.4.27.4.3
FortiOS 7.27.2.0 – 7.2.67.2.7
FortiOS 7.07.0.0 – 7.0.137.0.14
FortiProxy 7.4 / 7.2 / 7.07.4.0–7.4.2 · 7.2.0–7.2.8 · 7.0.0–7.0.157.4.3 · 7.2.9 · 7.0.16
FortiPAM 1.0 – 1.2alle Versionen (1.0 / 1.1 / 1.2)auf gepatchten Release migrieren
FortiSwitchManager 7.2 / 7.07.2.0–7.2.3 · 7.0.0–7.0.37.2.4 · 7.0.4

Praktisch angreifbar sind Geräte mit erreichbarem FGFM-Interface. Der CISA-KEV-Eintrag nennt als betroffen zusätzlich FortiWeb; die exakten Versionsbereiche dafür im Hersteller-Advisory prüfen. Alle Build-Ranges und Fixversionen gegen das Advisory FG-IR-24-029 des eigenen Zweigs abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Eine bestätigte Codeausführung bzw. ein unbefugter Zugriff auf Firewall/Gateway kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 15.02.2024 – Fortinet / NVD veröffentlichen CVE-2024-23113 (Advisory FG-IR-24-029)
  • 09.10.2024 – CISA nimmt die Schwachstelle in den KEV-Katalog auf
  • 11.10.2024 – Aktive Ausnutzung in der Breite gemeldet
  • 30.10.2024 – CISA-Frist für US-Bundesbehörden (BOD 22-01)
  • Seither – Fortlaufende Ausnutzung exponierter FGFM-Interfaces

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – FGFM abschotten vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: FGFM-Zugriff einschränken
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Produkt und Version prüfen (FortiOS, FortiProxy, FortiPAM, FortiSwitchManager – gegen die Tabelle abgleichen). Ist der FGFM-Dienst über eine Interface-allowaccess-Freigabe aus dem Internet oder aus nicht vertrauenswürdigen Netzen erreichbar? Nur exponierte FGFM-Interfaces sind praktisch angreifbar.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Herstellerbehelf: fgfm aus allowaccess der exponierten Interfaces entfernen (Hinweis: dies unterbindet die FortiManager-Erkennung). Alternativ per Local-in-Policy auf vertrauenswürdige Hosts beschränken:
    config system interface edit <port> set allowaccess ping https ssh next end
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren (u. a. FortiOS 7.4.3 · 7.2.7 · 7.0.14, FortiProxy 7.4.3 · 7.2.9 · 7.0.16, FortiSwitchManager 7.2.4 · 7.0.4). Für FortiPAM 1.0–1.2 auf einen gepatchten Release migrieren. Fortinet hat für die betroffenen Zweige feste Builds veröffentlicht.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Logs auf unerwartete FGFM-Verbindungen aus fremden Quellen sowie auf Abstürze/Neustarts des fgfmd-Prozesses prüfen und die Konfiguration auf unautorisierte Änderungen kontrollieren. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Perimeter härten
    Grundsatz durchsetzen: Management- und FGFM-Dienste nie direkt exponieren, sondern auf vertrauenswürdige Netze / VPN beschränken. Herstellerseitige IPS-Signaturen für diese Schwachstelle einspielen, sofern verfügbar.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Exponierter Dienst: FGFM auf TCP 541 · Interfaces mit fgfm in allowaccess
  • Auffällige Aktivität: FGFM-Verbindungsversuche aus unerwarteten Quell-IPs · Abstürze / Neustarts des fgfmd-Prozesses in den Logs
  • Konfigurations-Drift: unautorisierte Änderungen an Admin-Konten, Policies oder Systemkonfiguration nach FGFM-Zugriff

Zur Einordnung: Für diese Schwachstelle liegen keine belastbaren, herstellerbestätigten netzwerkbasierten IoCs vor; die genannten Marker sind allgemeine Prüfhinweise und kein Ersatz für die Analyse Ihrer Zugriffs-, System- und Krash-Logs. Ein reiner Format-String-Angriff kann sehr wenige Spuren hinterlassen.

Wichtig: Eine erfolgreiche Ausnutzung ermöglicht Codeausführung ohne Anmeldung. Ein reiner Patch entfernt bereits etablierte Persistenz, geänderte Konfiguration oder Konten nicht – ohne Prüfung des Systems bleibt eine erfolgte Kompromittierung unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • FGFM-Zugriff heute einschränken, Patch kurzfristig (CISA-Frist war 30.10.2024) einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Grundsatz durchsetzen: Management- und FGFM-Dienste nie direkt exponieren.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-24-029 (CVE-2024-23113) · NVD (nvd.nist.gov, CVSS 3.1 Basiswert 9,8, CWE-134) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (Aufnahme 09.10.2024, Frist 30.10.2024, Ransomware-Nutzung: unbekannt). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: FGFM-Verbindungen aus fremden Quellen und Abstürze des fgfmd-Prozesses. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.