SECURITY ADVISORY

Firewall-Ausfall durch DNS-Paket in Palo Alto PAN-OS

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann mit einem einzigen präparierten DNS-Paket Ihre PAN-OS-Firewall zum Neustart zwingen. Wiederholte Pakete treiben das Gerät in den Wartungsmodus – die Firewall fällt aus und muss manuell wiederhergestellt werden. Voraussetzung ist aktives DNS Security mit eingeschaltetem Logging; die Schwachstelle wird bereits ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2024-3393

CVSS

8,7

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Palo Alto Networks

Produkt

PAN-OS DNS Security

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die DNS-Security-Funktion prüft eingehende DNS-Pakete beim Protokollieren nicht ausreichend auf ungültige oder unerwartete Zustände (CWE-754). Ein speziell präpariertes, bösartiges DNS-Paket, das durch die Datenebene läuft und protokolliert wird, löst einen Neustart der Firewall aus. Angreifbar ist nur, wer eine DNS-Security- oder Advanced-DNS-Security-Lizenz einsetzt und das DNS-Security-Logging aktiviert hat.

Angriffskette

  1. Voraussetzung – DNS Security lizenziert und Logging aktiviert
  2. Paket senden – präpariertes DNS-Paket läuft durch die Datenebene
  3. Neustart – die fehlerhafte Protokollierung erzwingt einen Reboot
  4. Wartungsmodus – wiederholte Pakete legen die Firewall dauerhaft lahm

Betroffene Versionen und Fixes

PAN-OS-ZweigVerwundbarFixversion
10.110.1.14 bis < 10.1.14-h8 / < 10.1.1510.1.14-h8 · 10.1.15
10.210.2.8 bis < 10.2.14 (diverse h-Zweige)10.2.14 bzw. h-Fix
11.1< 11.1.5 (diverse h-Zweige)11.1.5 bzw. h-Fix
11.2< 11.2.311.2.3
Prisma Accessbetroffene PAN-OS-VersionenRollout mit Palo Alto abstimmen
Cloud NGFW · Panorama · 10.0 / 9.1nicht betroffen

Angreifbar nur bei aktiver DNS-Security-Lizenz und eingeschaltetem DNS-Security-Logging. Innerhalb von 10.2 sind erst Builds ab 10.2.8, innerhalb von 10.1 erst ab 10.1.14 betroffen. Exakte Build-Ranges des eigenen Zweigs gegen das Hersteller-Advisory abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein Ausfall der Firewall-Infrastruktur kann als erhebliche Störung der Verfügbarkeit nach NIS-2 meldepflichtig sein – Fristen nach den für Sie geltenden Vorgaben. Ein Datenabfluss und damit die DSGVO sind hier in der Regel nicht einschlägig; der Ausfall von Schutzsystemen kann jedoch Folgerisiken erzeugen. Die Bewertung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Einordnung und Dokumentation.

Chronologie

  • 27.12.2024 – Palo Alto veröffentlicht Advisory
  • 27.12.2024 – Aktive DoS-Fälle bei Kunden bekannt
  • 30.12.2024 – Aufnahme in CISA KEV · Frist 20.01.2025
  • Seither – Fixversionen und Mitigation verfügbar

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Mitigation vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Mitigation aktivieren
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Verfügbarkeit prüfen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob eine DNS-Security- oder Advanced-DNS-Security-Lizenz aktiv ist und das DNS-Security-Logging eingeschaltet ist. Verwundbar sind Konfigurationen, deren Log-Level nicht auf „none" steht:
    show config merged | match log-level
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    In den Anti-Spyware-Profilen die Log-Severity für alle DNS-Security-Kategorien auf „none" setzen. Vordefinierte Profile („Default"/„Strict") lassen sich nicht ändern – dafür einen benutzerdefinierten Klon anlegen und in den betroffenen Sicherheitsregeln hinterlegen. Von Palo Alto als Behelf benannt.
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren (10.1.15 · 10.2.14 · 11.1.5 · 11.2.3 bzw. den passenden h-Fix). Nach dem Patch kann das DNS-Security-Logging wieder aktiviert werden.
  4. Verfügbarkeit sicherstellen
    Prüfen, ob Firewalls bereits von unerwarteten Neustarts betroffen waren oder in den Wartungsmodus (Maintenance Mode) gewechselt sind. Ein Gerät im Wartungsmodus erfordert manuelles Eingreifen und ist bis dahin ausgefallen.
  5. Prisma Access gesondert bewerten
    Prisma-Access-Umgebungen auf betroffenen PAN-OS-Versionen sind ebenfalls angreifbar – Patch-/Rollout-Status direkt mit Palo Alto abstimmen. Cloud NGFW und Panorama sind nicht betroffen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • System-Signal: unerklärte Firewall-Neustarts
    Eintritt in den Wartungsmodus (Maintenance Mode)
  • Prüfbefehl: show config merged | match log-level
    verwundbar, wenn nicht log-level none;
  • Betroffene Funktion: DNS Security mit aktivem Logging
    im Anti-Spyware-Profil

Zur Einordnung: Für diese Schwachstelle sind keine belastbaren Netzwerk-IoCs (IPs/Payloads) öffentlich bestätigt – das primäre Signal ist der DoS selbst: die Reboot-Schleife und der Wartungsmodus. Die Angriffspakete laufen durch die reguläre Datenebene und fallen im Netzverkehr nicht ohne Weiteres auf.

Wichtig: Eine Reboot-Schleife nimmt die Firewall vom Netz – mit ihr fällt der Perimeter-Schutz für das dahinterliegende Netz aus. Der Wartungsmodus erfordert manuelles Eingreifen; ohne Überwachung der Geräteverfügbarkeit bleibt ein Ausfall unbemerkt, bis Dienste ausfallen.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Mitigation (DNS-Security-Logging auf „none") heute anordnen, Patch innerhalb der CISA-Frist einplanen.
  • Prüfen lassen, ob Firewalls bereits von Neustarts oder Wartungsmodus betroffen waren – dokumentiert für eine etwaige NIS-2-Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung der Geräteverfügbarkeit am Perimeter entscheiden.

Primärquellen

Palo Alto Networks Security Advisory CVE-2024-3393 · NVD (nvd.nist.gov) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (Aufnahme 30.12.2024, Frist 20.01.2025). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Wiederholte, unerklärte Firewall-Neustarts und der Eintritt in den Wartungsmodus. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.