SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass im SonicWall SSL-VPN

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann den Anmelde-Mechanismus des SSL-VPN umgehen und eine aktive VPN-Sitzung übernehmen – und erhält so Zugang ins interne Netz, während der legitime Nutzer abgemeldet wird. Voraussetzung ist ein aus dem Internet erreichbares SSL-VPN; die Ausnutzung ist trivial und läuft seit Februar 2025.

CVE-ID

CVE-2024-53704

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

SonicWall

Produkt

SonicOS SSL-VPN

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Verwundbare SonicOS-Versionen prüfen die Sitzung des SSL-VPN unzureichend: Der Authentifizierungs-Mechanismus lässt sich mit einer präparierten Anfrage umgehen. Ein Angreifer benötigt weder Zugangsdaten noch eine bestehende Sitzung – er kann eine aktive SSL-VPN-Sitzung kapern bzw. die Anmeldung vollständig umgehen und übernimmt damit den Netzzugang des Opfers. Der legitime Nutzer wird dabei abgemeldet.

Angriffskette

  1. Portal exponiert – das SSL-VPN der SonicWall-Firewall ist aus dem Internet erreichbar
  2. Anfrage präparieren – manipulierte Anfrage an den SSL-VPN-Dienst
  3. Anmeldung umgehen – Authentifizierung ausgehebelt, aktive Sitzung übernommen
  4. Zugang – VPN-Zugriff ins interne Netz; der legitime Nutzer wird abgemeldet

Betroffene Versionen und Fixes

Plattform / SerieVerwundbarFixversion
Gen7-Firewalls7.1.1-7040 – 7.1.1-7058 · 7.1.2-70197.1.3-7015
Gen7 NSv7.1.x (verwundbare Builds)7.0.1-5165
TZ80< 8.0.0-8037 (8.0.0-8035)8.0.0-8037
Gen6 · Gen6.5für diese CVE nicht gelistet

Betroffen sind Gen7-Hardware-Firewalls (NSa, NSsp, TZ-Serie), Gen7 NSv sowie der TZ80. Exploitierbar nur bei aktiviertem SSL-VPN. Exakte Build-Ranges des eigenen Modells gegen das SonicWall-Advisory SNWLID-2025-0003 abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 05.11.2024 – Computest Security meldet die Schwachstelle an SonicWall
  • 07.01.2025 – SonicWall veröffentlicht Advisory + Patches (noch keine Ausnutzung bekannt)
  • Mitte Feb. 2025 – Bishop Fox veröffentlicht PoC-/Exploit-Details
  • 18.02.2025 – CISA KEV · aktive Ausnutzung in the wild bestätigt (Frist 11.03.2025)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Mitigation vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: SSL-VPN mitigieren / einschränken
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / Log-Analyse
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen: Läuft eine der verwundbaren SonicOS-Versionen (7.1.1-7040 bis 7.1.1-7058, 7.1.2-7019, 8.0.0-8035) auf einer Gen7-Firewall, NSv oder einem TZ80? Ist das SSL-VPN aktiviert und aus dem Internet erreichbar? Nur diese Kombination ist angreifbar.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Ist ein Patch nicht sofort möglich: SSL-VPN-Zugriff aus dem Internet deaktivieren oder auf vertrauenswürdige Quell-IPs beschränken. SonicWall benennt dies als Behelfsmaßnahme, bis der Patch eingespielt ist.
  3. Patchen
    Auf die Fixversion der eigenen Plattform aktualisieren (Gen7 7.1.3-7015 · NSv 7.0.1-5165 · TZ80 8.0.0-8037 oder neuer). Danach das SSL-VPN wieder wie benötigt freigeben.
  4. Kompromittierung ausschließen
    SSL-VPN- und Authentifizierungs-Logs auf unerwartete Sitzungsübernahmen, plötzliche Abmeldungen legitimer Nutzer und Anmeldungen aus fremden Quellen durchsuchen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Konten &amp; Sitzungen härten
    Aktive SSL-VPN-Sitzungen zurücksetzen, Zugangsdaten exponierter Konten rotieren und – falls noch nicht vorhanden – Multi-Faktor-Authentifizierung für den VPN-Zugang erzwingen, um den Missbrauch gekaperter Sitzungen zu erschweren.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Auffällige Ereignisse: unerwartete SSL-VPN-Sitzungsübernahmen
    plötzliche Abmeldung legitimer Nutzer
  • Log-Quellen: SonicOS SSL-VPN- & Auth-Logs
    VPN-Sitzungs- und Login-Ereignisse
  • Marker: VPN-Anmeldungen aus unerwarteten Quell-IPs
    Sitzungen ohne vorausgehende Authentifizierung

Zur Einordnung: Für diese Schwachstelle liegen keine belastbaren, öffentlich bestätigten Netzwerk-IoCs (feste IPs/Hashes) vor. Erkennung erfolgt verhaltensbasiert über die Auswertung der SSL-VPN- und Authentifizierungs-Logs – kein Ersatz für eine gezielte Analyse Ihrer Umgebung.

Wichtig: Erfolgreiche Übernahmen erscheinen als scheinbar gültige SSL-VPN-Sitzungen. Ein deutliches Signal ist die unerwartete Abmeldung legitimer Nutzer. Ohne kontinuierliche Auswertung der VPN- und Auth-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff leicht unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • SSL-VPN heute einschränken, Patch innerhalb von 72 Stunden einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff über gekaperte VPN-Sitzungen erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Multi-Faktor-Authentifizierung und dauerhafte Überwachung des VPN-Perimeters entscheiden.

Primärquellen

SonicWall PSIRT Advisory SNWLID-2025-0003 (CVE-2024-53704) · NIST NVD CVE-2024-53704 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (hinzugefügt 18.02.2025) · Bishop Fox Exploit-Analyse. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Modells abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anomale SSL-VPN-Sitzungsübernahmen und VPN-Anmeldungen aus unerwarteten Quellen. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • STRUKTURELL

    ZTNA – Zero Trust Network Access →

    Solange der Dienst aus dem Internet erreichbar ist, bleibt er Ziel. Mittelfristig kann ein ZTNA-Ansatz diese Exposition verringern. Kurzfristig zählt der Patch.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.