SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass zu Super-Admin in Fortinet FortiOS & FortiProxy

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann über gezielte Anfragen an das Node.js-Websocket-Modul die Authentifizierung umgehen und sich Super-Admin-Rechte auf der Appliance verschaffen – bis hin zum Anlegen eigener Administrator-Konten und dem Aufbau von SSL-VPN-Tunneln. Die Ausnutzung ist trivial und läuft nachweislich seit Mitte November 2024.

CVE-ID

CVE-2024-55591

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiOS & FortiProxy

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Das Node.js-Websocket-Modul des Verwaltungsdienstes prüft die Herkunft eingehender Anfragen unzureichend. Über gezielt gestaltete Anfragen an dieses alternative Kommunikations-Channel (CWE-288) lässt sich die reguläre Authentifizierung vollständig umgehen. In Verbindung mit CSF-Proxy-Anfragen wird die Session so verarbeitet, als bestünde bereits eine gültige Super-Admin-Autorisierung – der Angreifer erhält administrative Kontrolle über jsconsole.

Angriffskette

  1. Management exponiert – die administrative HTTP/HTTPS-Oberfläche ist aus dem Internet erreichbar
  2. Websocket ansprechen – gestaltete Anfrage an das interne Node.js-Websocket-Modul
  3. Auth umgehen – die Session wird als Super-Admin über jsconsole autorisiert
  4. Übernahme – neue Admin-/lokale Konten anlegen, Policies ändern, SSL-VPN-Tunnel aufbauen

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 7.07.0.0 – 7.0.167.0.17
FortiProxy 7.07.0.0 – 7.0.197.0.20
FortiProxy 7.27.2.0 – 7.2.127.2.13
FortiOS 7.2 · 7.4 · 7.6nicht betroffen
FortiProxy 7.4 · 7.6nicht betroffen

Betroffen sind ausschließlich FortiOS 7.0.0 – 7.0.16 sowie FortiProxy 7.0.0 – 7.0.19 und 7.2.0 – 7.2.12 mit erreichbarem Management. FortiOS ab 7.2 sowie FortiProxy 7.4/7.6 sind laut Fortinet nicht angreifbar. Exakte Build-Stände gegen das Hersteller-Advisory FG-IR-24-535 des eigenen Zweigs abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Super-Admin-Zugriff auf die Firewall kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 16.11.2024 – Erste jsconsole-Ausnutzung in der Breite beobachtet (Arctic Wolf „Console Chaos“)
  • 04.12.2024 – Angreifer setzen SSL-VPN-Konfigurationen und neue Admin-Konten
  • 14.01.2025 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-24-535 · CISA nimmt CVE in KEV auf
  • 21.01.2025 – CISA-Frist zum Handeln für Bundesbehörden (BOD 22-01)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Perimeter schließen vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Management vom Netz nehmen
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Exposition sofort beenden
    Prüfen, ob die administrative HTTP/HTTPS-Oberfläche aus dem Internet erreichbar ist. Als Sofortmaßnahme das HTTP/HTTPS-Management auf internetseitigen Schnittstellen deaktivieren oder per Local-in-Policy auf vertrauenswürdige Quell-Adressen beschränken. Bei Bedarf CSF (Security Fabric) per CLI abschalten.
  2. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren: FortiOS 7.0.17 · FortiProxy 7.0.20 · FortiProxy 7.2.13 (oder neuer). Der Fix schließt den Auth-Bypass über das Node.js-Websocket-Modul.
  3. Kompromittierung ausschließen
    Konfiguration und Audit-Logs auf unbekannte, seit Mitte November 2024 angelegte Administrator-/lokale Konten prüfen. Auf Login-Events mit ui="jsconsole" und logdesc="Admin login successful" aus unerwarteten Quellen achten sowie auf cfgpath="system.admin" action="Add". Bekannte Angreifer-Kontennamen und Quell-IPs unten abgleichen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  4. Kompromittierte Appliance bereinigen
    Bei Fund unbekannter Admin-Konten: Konten entfernen, Zugangsdaten und Zertifikate rotieren, SSL-VPN- und Policy-Konfiguration auf manipulierte Änderungen prüfen. Im Zweifel Neuaufsetzen aus einem sauberen Stand erwägen und Incident Response einbinden.
  5. Dauerhaft absichern
    Management-Interfaces grundsätzlich nicht ins Internet exponieren, sondern über VPN/Jump-Host erreichbar machen. Herstellerseitige Updates zeitnah einspielen und die Auth-Logs des Perimeters kontinuierlich auswerten.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Log-Marker: logdesc="Admin login successful" ui="jsconsole"
    logdesc="Object attribute configured" cfgpath="system.admin" action="Add"
  • Neu angelegte Konten: Zufällige Namen wie Gujhmk, Ed8x4k, G0xgey, watchTowr, fortinet-support
  • Angreifer-Quell-IPs: 45.55.158.47 (häufigste) · 87.249.138.47
    155.133.4.175 · 37.19.196.65
    149.22.94.37 · 158.255.215.126

Zur Einordnung: Die genutzten Kontennamen und Quell-IPs sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagne und flüchtig – kein Ersatz für eine vollständige Prüfung aller Administrator-Konten und Audit-Logs. Der Erfolg zeigt sich vor allem an neuen, nicht autorisierten Admin-Konten und jsconsole-Logins seit Mitte November 2024.

Wichtig: Erfolgreiche Angriffe erscheinen als reguläre Admin-Logins über die jsconsole an gültigen Diensten – ohne Alarm. Ohne Prüfung der Konten- und Audit-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar, selbst nach dem Patch.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Management-Zugang heute vom Internet trennen, Patch innerhalb von 72 Stunden einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein unbefugtes Admin-Konto angelegt wurde – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung des Perimeters und der Management-Interfaces entscheiden.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-24-535 · NIST NVD CVE-2024-55591 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 14.01.2025, Frist 21.01.2025) · Arctic Wolf Labs „Console Chaos“ Threat Report. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Die Anlage eines neuen Admin-Kontos und jsconsole-Admin-Logins aus fremden Quellen. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • PROJEKT

    Penetration Testing →

    Management-Oberflächen sind wiederkehrend betroffen. Ein Test zeigt, welche davon bei Ihnen erreichbar sind, bevor es jemand anderes herausfindet.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.