SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass im Ivanti vTM Admin-Panel

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann die fehlerhaft implementierte Authentifizierung des vTM-Admin-Panels umgehen und sich selbst ein Administrator-Konto anlegen – volle Kontrolle über den Load-Balancer, ohne Passwort, ohne Nutzerinteraktion. Die Schwachstelle steht seit September 2024 auf der CISA-KEV-Liste; ein Proof-of-Concept ist öffentlich.

CVE-ID

CVE-2024-7593

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Virtual Traffic Manager (vTM)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die Authentifizierung des vTM-Admin-Panels ist fehlerhaft implementiert (CWE-287 / CWE-303). Der Prüfmechanismus lässt sich umgehen, sodass ein nicht angemeldeter Angreifer eine Verwaltungsanfrage so stellt, als wäre er bereits authentifiziert – und darüber ein frei wählbares Administrator-Konto anlegt. Weder Passwort noch gültige Sitzung sind nötig; entscheidend ist allein die Erreichbarkeit der Verwaltungsoberfläche.

Angriffskette

  1. Admin-Panel exponiert – die vTM-Verwaltungsoberfläche ist aus dem Netz erreichbar
  2. Auth-Prüfung umgehen – die fehlerhafte Authentifizierung lässt eine Verwaltungsanfrage ungeprüft passieren
  3. Admin-Konto anlegen – der Angreifer erzeugt ein eigenes Administrator-Konto mit frei gewählten Zugangsdaten
  4. Volle Kontrolle – regulärer Admin-Login und Übernahme des Load-Balancers

Betroffene Versionen und Fixes

vTM-ReleaseVerwundbarFixversion
22.2< 22.2R122.2R1
22.322.3 · 22.3R2 (< 22.3R3)22.3R3
22.522.5R1 (< 22.5R2)22.5R2
22.622.6R1 (< 22.6R2)22.6R2
22.722.7R1 (< 22.7R2)22.7R2

Nicht betroffen sind bereits 22.2R1 und 22.7R2. Exakte Build-Ranges des eigenen Zweigs gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Ivanti hat die Fixes über die jeweiligen R2-/R3-Releases der Zweige ausgeliefert.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter administrativer Zugriff kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 13.08.2024 – NVD veröffentlicht CVE-2024-7593 · CVSS 9,8
  • 08/2024 – Ivanti Security Advisory · Proof-of-Concept öffentlich
  • 24.09.2024 – Aufnahme in CISA KEV (Frist 15.10.2024)
  • Seither – Aktiv ausgenutzt – exponierte Admin-Panels im Visier

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Erreichbarkeit einschränken vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Admin-Panel abschotten
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Konten- & Log-Prüfung
  1. Betroffenheit feststellen
    vTM-Version je Instanz ermitteln und gegen die Fix-Tabelle abgleichen. Prüfen, ob das Admin-Panel (Web-UI, standardmäßig Port 9090) über das interne Management-Netz hinaus erreichbar ist – besonders aus dem Internet oder aus Produktionsnetzen.
  2. Sofort abschotten (vor dem Patch)
    Den Zugriff auf die Verwaltungsoberfläche gemäß Ivanti-Empfehlung auf ein dediziertes, internes Management-Netz beschränken. Erreichbarkeit aus dem Internet oder untrusted-Netzen per Firewall/ACL unterbinden, bis der Patch eingespielt ist.
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren (22.2R1 · 22.3R3 · 22.5R2 · 22.6R2 · 22.7R2). Nach dem Upgrade die tatsächlich laufende Build-Version verifizieren.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Die vTM-Benutzerverwaltung auf unbekannte oder unerwartete Administrator-Konten prüfen und Audit-/Zugriffslogs auf Anlage neuer Konten sowie Admin-Anmeldungen aus fremden Quellen durchsuchen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Bereinigen & härten
    Unbefugt angelegte Konten entfernen, Zugangsdaten aller Admin-Konten rotieren und die Beschränkung des Admin-Panels auf das Management-Netz als Dauerzustand festschreiben.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Primärer Indikator: Neu angelegte oder unbekannte Administrator-Konten in der vTM-Benutzerverwaltung
  • Admin-Panel-Zugriff: Zugriffe auf die Web-UI (:9090) aus dem Internet oder außerhalb des Management-Netzes
  • Log-Auffälligkeit: Anlage von Nutzern / Admin-Anmeldungen aus unerwarteten Quell-IPs ohne vorausgehende gültige Sitzung

Zur Einordnung: Für diese Schwachstelle liegen keine belastbaren öffentlichen Netzwerk-IoCs (feste IPs/Hostnamen) vor. Die verlässlichste Erkennung ist der Abgleich der Konten-Liste und der Audit-Logs – ein selbst angelegtes Admin-Konto ist der aussagekräftigste Hinweis auf eine Ausnutzung.

Wichtig: Ein erfolgreicher Angriff hinterlässt ein gültiges, vom Angreifer angelegtes Administrator-Konto. Anmeldungen darüber erscheinen anschließend als reguläre Admin-Logins – ohne Alarm. Ohne Prüfung der Konten-Liste und der Audit-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Erreichbarkeit des Admin-Panels heute einschränken, Patch innerhalb der KEV-Logik zeitnah einplanen.
  • Prüfen lassen, ob unbefugte Admin-Konten angelegt wurden – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Beschränkung der Verwaltungsoberfläche auf ein Management-Netz dauerhaft festschreiben.

Primärquellen

NVD (nvd.nist.gov, CVE-2024-7593, CVSS 3.1 9,8) · Ivanti Security Advisory (Virtual Traffic Manager vTM, CVE-2024-7593) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 24.09.2024). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Neu angelegte Administrator-Konten und Admin-Panel-Zugriffe aus fremden Netzen. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • PROJEKT

    Penetration Testing →

    Management-Oberflächen sind wiederkehrend betroffen. Ein Test zeigt, welche davon bei Ihnen erreichbar sind, bevor es jemand anderes herausfindet.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.