SECURITY ADVISORY

Path-Traversal & Admin-Bypass in Ivanti Cloud Services Appliance

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann über eine Path-Traversal-Lücke die Authentifizierung des CSA-Web-Brokers umgehen und auf geschützte Verwaltungsfunktionen zugreifen. In Verkettung mit der Command-Injection CVE-2024-8190 führt das zu vollständiger Fernübernahme (RCE) – seit September 2024 aktiv ausgenutzt, um Webshells und C2-Implantate abzulegen.

CVE-ID

CVE-2024-8963

CVSS

9,4

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Cloud Services Appliance (CSA)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der CSA-Web-Broker verarbeitet URLs, bevor er prozentkodierte Zeichen dekodiert. Über ein eingeschobenes %3F.php (kodiertes „?") lässt sich ein zulässiger, ungeschützter Pfad voranstellen und dahinter ein eigentlich authentifizierungspflichtiger PHP-Endpunkt anhängen. Der Broker prüft die Zugriffsrechte am sichtbaren Vorderteil, führt aber den geschützten Endpunkt aus – die Authentifizierung wird umgangen. Behoben wurde die Lücke beiläufig mit CSA 4.6 Patch 519.

Angriffskette

  1. Broker exponiert – die CSA ist aus dem Internet erreichbar
  2. Path Traversal – via /client/index.php%3F.php/gsb/users.php geschützte Endpunkte ohne Login erreichen (CVE-2024-8963)
  3. Command Injection – über den freigelegten Endpunkt CVE-2024-8190 auslösen und OS-Befehle als root ausführen
  4. Persistenz – Webshells ablegen, Zugangsdaten abgreifen, reverse_ssh-C2 nachladen

Betroffene Versionen und Fixes

CSA-VersionVerwundbarFixversion
CSA 4.6< 4.6 Patch 5194.6 Patch 519
CSA 4.6.x (EoL)alle Builds vor Patch 519Migration auf CSA 5.0
CSA 5.0nicht betroffen

CSA 4.6 hat den End-of-Life-Status erreicht: Patch 519 (10.09.2024) ist der letzte Backport für den 4.6-Zweig. Ivanti empfiehlt die Migration auf CSA 5.0. Build-Stand gegen das Hersteller-Advisory abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff oder RCE kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 10.09.2024 – CSA 4.6 Patch 519 veröffentlicht (behebt CVE-2024-8963 beiläufig)
  • 13.09.2024 – Ivanti-Advisory zu CVE-2024-8190 – bereits aktiv ausgenutzt
  • 19.09.2024 – Ivanti-Advisory zu CVE-2024-8963 · Aufnahme in CISA KEV
  • Sep–Okt 2024 – Verkettete Ausnutzung, Webshells und reverse_ssh-C2 beobachtet
  • 22.01.2025 – Gemeinsames CISA/FBI-Advisory AA25-022A zu den Exploit-Ketten

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Isolation vor Migration, Migration vor Entwarnung.

  • Sofort: Exposition prüfen & isolieren
  • Kurzfristig: Patch 519 / Migration auf 5.0
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob eine Ivanti CSA 4.6 im Einsatz und aus dem Internet erreichbar ist. Version und Patch-Stand ermitteln – alles vor 4.6 Patch 519 ist verwundbar. CSA-Broker möglichst vom Internet trennen, bis der Patch- bzw. Migrationsstatus geklärt ist.
  2. Patchen bzw. migrieren
    Falls noch nicht geschehen, 4.6 Patch 519 einspielen. Da 4.6 End-of-Life ist, ist die Migration auf CSA 5.0 (oder höher) die nachhaltige Lösung – Patch 519 ist der letzte 4.6-Backport.
  3. Kompromittierung ausschließen
    Aktiv ausgenutzte Systeme gelten bis zum Beweis des Gegenteils als kompromittiert. Auf neu angelegte oder veränderte Admin-Konten, unbekannte Webshells und die IoCs unten prüfen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  4. Bei Verdacht neu aufsetzen
    CISA empfiehlt bei Anzeichen einer Kompromittierung, die Appliance vom Netz zu nehmen, forensisch zu sichern und aus vertrauenswürdigem Stand neu aufzusetzen sowie alle darauf genutzten Zugangsdaten zu rotieren.
  5. Verkettete CVEs mitbehandeln
    Die beobachteten Ketten nutzen CVE-2024-8963 zusammen mit CVE-2024-8190 (Command Injection), CVE-2024-9379 (SQLi) bzw. CVE-2024-9380 (Command Injection). Sicherstellen, dass alle über Patch 519 / 5.0 abgedeckt sind.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Traversal-Muster (URL): /client/index.php%3F.php/gsb/users.php
    Muster: <Pfad>%3F.php<geschützter Pfad>
  • Webshell-Pfade: /gsb/help.php · /gsb/hsh.php
    /client/RCClient.php · /client/LDSupport.php
    /rc/config.php · /gsb/config.php
  • C2-Infrastruktur: 195.133.52.87 · 8.218.239.22
    156.251.172.80
    www.vip8025.mom · vip8806.mom

Zur Einordnung: Die Traversal-URLs erscheinen in den Broker-/Webserver-Logs als reguläre PHP-Aufrufe – auffällig durch das eingeschobene %3F.php und Zugriffe auf /gsb/-Endpunkte ohne vorausgehende Anmeldung. IPs, Domains und Webshell-Namen sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagnen (Quelle: HarfangLab, CISA/FBI AA25-022A) und flüchtig – kein Ersatz für die Analyse Ihrer Logs.

Wichtig: Der Zugriff über die Path-Traversal-Lücke erscheint in den Logs als regulärer PHP-Aufruf – ohne Alarm. Da 4.6 End-of-Life ist, schützt nur die Migration auf 5.0 dauerhaft; ein bloßer Patch auf einer bereits kompromittierten Appliance beseitigt weder Webshells noch abgeflossene Zugangsdaten.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Exposition heute prüfen, Patch 519 einspielen bzw. Migration auf CSA 5.0 anstoßen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung; bei Verdacht Appliance neu aufsetzen und Zugangsdaten rotieren.
  • Über den weiteren Betrieb einer End-of-Life-Appliance im Perimeter entscheiden.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory CSA 4.6 (CVE-2024-8963) · NVD NVD-Detail CVE-2024-8963 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog · CISA/FBI Joint Advisory AA25-022A · HarfangLab & Censys Threat Reports. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Stände gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Traversal-Aufrufe mit %3F.php und Zugriffe auf /gsb/-Endpunkte ohne vorherige Anmeldung. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.