SECURITY ADVISORY

Unauthentifizierte Remote-Code-Ausführung in Ivanti Connect Secure

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann über einen Stack-Pufferüberlauf beliebigen Code auf einer Ivanti-Connect-Secure-Appliance ausführen – ohne Anmeldedaten und ohne Zutun eines Nutzers. Die Lücke wurde bereits vor der Veröffentlichung als Zero-Day gegen internetseitige VPN-Gateways ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2025-0282

CVSS

9,0

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Connect Secure / Policy Secure / Neurons for ZTA Gateways

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

Advisory als PDF herunterladen

Analyse

Warum die Lücke wirkt

In den betroffenen Versionen prüft der VPN-Dienst die Länge einer bestimmten, ohne Anmeldung erreichbaren Eingabe nicht ausreichend. Eine überlange Anfrage überschreibt den Stack-Speicher (CWE-121 / CWE-787) und lenkt den Programmablauf um. So kann ein Angreifer aus dem Internet eigenen Code ausführen – ohne gültiges Konto und ohne dass ein Nutzer aktiv werden muss.

Angriffskette

  1. Gateway exponiert – Connect Secure ist aus dem Internet erreichbar
  2. Überlange Anfrage – präparierter Request überläuft den Stack-Puffer
  3. Code-Ausführung – eigener Code läuft ohne Anmeldung auf der Appliance
  4. Festsetzen – Malware (SPAWN-Familie), Web-Shells, Diebstahl von Zugangsdaten

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
Connect Secure22.7R2 – 22.7R2.422.7R2.5
Policy Secure22.7R1 – 22.7R1.222.7R1.2 (ab 21.01.2025)
Neurons for ZTA Gateways22.7R2 – 22.7R2.322.7R2.5 (ab 21.01.2025)
Ausnutzung beobachtetnur Connect Secure

Aktiv ausgenutzt wurde bislang ausschließlich Connect Secure. Der Patch für Connect Secure (22.7R2.5) stand zur Veröffentlichung bereit; die Fixes für Policy Secure und ZTA Gateways folgten zum 21.01.2025. Version 22.2 und ältere Zweige sind nicht mehr im Support – Migration prüfen. Exakte Build-Ranges und Fixstände gegen das Hersteller-Advisory abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff über das VPN-Gateway kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • Dez. 2024 – Erste Ausnutzung als Zero-Day gegen Connect Secure (Mandiant)
  • 08.01.2025 – Ivanti veröffentlicht Advisory · Connect-Secure-Patch verfügbar
  • 08.01.2025 – CISA nimmt CVE in den KEV-Katalog auf (Frist 15.01.2025)
  • 21.01.2025 – Fixes für Policy Secure und ZTA Gateways verfügbar

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Integrität prüfen, patchen, erst dann Entwarnung.

  • Sofort: ICT-Scan + Betroffenheit
  • Kurzfristig: Patch einspielen (Factory Reset)
  • Parallel: Threat Hunting / Kompromittierung ausschließen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob Connect Secure, Policy Secure oder ein Neurons-for-ZTA-Gateway in einer betroffenen 22.7-Version im Einsatz ist und ob es aus dem Internet erreichbar ist. Priorität hat jede internetseitig exponierte Connect-Secure-Appliance – nur dort wurde bislang aktive Ausnutzung beobachtet.
  2. Integrität prüfen (vor allem anderen)
    Den Ivanti Integrity Checker Tool (ICT) ausführen – bevorzugt den externen Scan. Ein auffälliges ICT-Ergebnis deutet auf eine Kompromittierung hin und ändert das weitere Vorgehen: Dann ist ein Vorfall zu behandeln, nicht nur zu patchen.
  3. Patchen
    Connect Secure auf 22.7R2.5 aktualisieren. Policy Secure (22.7R1.2) und ZTA Gateways (22.7R2.5) auf die ab 21.01.2025 bereitgestellten Fixstände heben. Ivanti empfiehlt bei sauberem ICT ein Werks-Reset (Factory Reset) vor der Wiederinbetriebnahme, um Persistenz auszuschließen.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Bei auffälligem ICT-Ergebnis oder Anzeichen einer Ausnutzung: Appliance vom Netz nehmen, forensisch sichern, betroffene und über das VPN erreichbare Systeme untersuchen und alle über das Gateway nutzbaren Zugangsdaten und Zertifikate/Secrets rotieren. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Perimeter härten
    Zugriff auf das Management-Interface einschränken, Exposition des Portals minimieren und die Auswertung von Appliance- und VPN-Logs dauerhaft aufsetzen. Nicht mehr unterstützte Ivanti-Versionen (22.2 und älter) mit Migrationsplan ablösen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Primäres Prüfmittel: Ivanti Integrity Checker Tool (ICT)
    externer Scan bevorzugt
  • Malware (Mandiant): SPAWN-Ökosystem: SPAWNANT · SPAWNMOLE · SPAWNSNAIL
    zusätzlich PHASEJAM, DRYHOOK
  • Verhaltens-Marker: fehlgeschlagene/auffällige ICT-Läufe
    unerwartete Neustarts, Web-Shells, Log-Manipulation

Zur Einordnung: Ein sauberes ICT-Ergebnis ist kein vollständiger Freibrief – der Scan erfasst eine Momentaufnahme und kann von einem versierten Angreifer umgangen werden. Die genannten Malware-Familien stammen aus der Analyse von Mandiant (Google Threat Intelligence) und sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagne. Maßgeblich bleibt die Analyse Ihrer eigenen Appliance- und Netzwerk-Logs.

Wichtig: Aktiv ausgenutzt wurde die Lücke bereits vor Veröffentlichung des Patches (Zero-Day). Ein alleiniges Einspielen des Updates entfernt eine bereits eingerichtete Persistenz nicht – ohne Integritätsprüfung und ggf. Werks-Reset bleibt ein erfolgter Zugriff unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Sofort ICT-Scan aller exponierten Ivanti-Gateways anordnen und internetseitige Connect-Secure-Appliances priorisiert patchen.
  • Bei Auffälligkeiten Kompromittierung untersuchen lassen – dokumentiert für eine etwaige Meldung nach DSGVO / NIS-2.
  • Über eine dauerhafte Überwachung des Perimeters und die Ablösung nicht mehr unterstützter Versionen entscheiden.

Primärquellen

NVD (nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2025-0282) · Ivanti Security Advisory (Connect Secure / Policy Secure / ZTA Gateways, CVE-2025-0282 / CVE-2025-0283) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 08.01.2025, Ransomware-Nutzung „bekannt") · Mandiant / Google Threat Intelligence (Zero-Day-Ausnutzung ab Dez. 2024, SPAWN-Malware). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; das Hersteller-Advisory war zum Redaktionszeitpunkt nicht direkt abrufbar – Fixversionen, Build-Ranges und Verfügbarkeitstermine vor dem Patchen gegen das Ivanti-Advisory des jeweiligen Produkts verifizieren. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Auffällige ICT-Ergebnisse, anomale VPN-Sessions und ungewöhnliche Prozesse auf der Appliance. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • STRUKTURELL

    ZTNA – Zero Trust Network Access →

    Solange der Dienst aus dem Internet erreichbar ist, bleibt er Ziel. Mittelfristig kann ein ZTNA-Ansatz diese Exposition verringern. Kurzfristig zählt der Patch.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.