SECURITY ADVISORY

Unauthentifizierte Remote-Code-Ausführung in Ivanti Connect Secure

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann über einen Stack-Buffer-Overflow eigenen Code auf dem Gerät ausführen – ohne Zugangsdaten, ohne Nutzerinteraktion. Die China-nahe Gruppe UNC5221 hat den ursprünglich als harmlos eingestuften Fehler durch Reverse-Engineering des Patches waffenfähig gemacht und nutzt ihn seit Mitte März 2025 aktiv aus.

CVE-ID

CVE-2025-22457

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Connect Secure / Policy Secure / ZTA Gateways

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Ein Handler in Connect Secure prüft die Länge einer eingehenden Eingabe nicht ausreichend und schreibt über die Grenzen eines Stack-Puffers hinaus (Stack-Based Buffer Overflow, CWE-121 / CWE-787). Ivanti hielt den Fehler zunächst für einen nicht ausnutzbaren Denial-of-Service und schloss ihn still in 22.7R2.6. UNC5221 verglich den Patch mit der Vorversion, rekonstruierte die Schwachstelle und entwickelte einen zuverlässigen Weg zur Code-Ausführung – gegen ungepatchte Systeme.

Angriffskette

  1. Gateway exponiert – Connect Secure ist aus dem Internet erreichbar
  2. Overflow auslösen – überlange Eingabe sprengt den Stack-Puffer
  3. Code ausführen – In-Memory-Dropper TRAILBLAZE injiziert die Backdoor BRUSHFIRE
  4. Persistenz & Tarnung – SPAWN-Malware klinkt sich ein, Logs werden manipuliert

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
Connect Secure≤ 22.7R2.5 (inkl. EOL 9.x)22.7R2.6
Policy Secure< 22.7R1.422.7R1.4
ZTA Gateways< 22.8R2.222.8R2.2
Neurons for Secure Accessbetroffen – Rollout über IvantiPatch-Status mit Ivanti abstimmen

Der Patch für Connect Secure (22.7R2.6) wurde bereits am 11.02.2025 veröffentlicht; die Fixes für Policy Secure und ZTA Gateways folgten Mitte/Ende April 2025. End-of-Life-Versionen der Zscaler-9.x-Reihe erhalten keine Fixes und müssen migriert werden. Exakte Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff auf ein Perimeter-Gateway kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 11.02.2025 – Ivanti veröffentlicht 22.7R2.6 – Fehler als DoS eingestuft, still gepatcht
  • Mitte März 2025 – UNC5221 beginnt aktive Ausnutzung ungepatchter Systeme
  • 03.04.2025 – Ivanti-Advisory & Mandiant-Analyse zur RCE-Ausnutzung
  • 04.04.2025 – Aufnahme in CISA KEV · Ransomware-Bezug bekannt
  • April 2025 – Fixes für Policy Secure (22.7R1.4) und ZTA Gateways (22.8R2.2)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Patch vor Entwarnung, Kompromittierung immer ausschließen.

  • Sofort: Fixversion einspielen
  • Sofort: Integrity Checker Tool (ICT) laufen lassen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Version und Produkt aller Ivanti-Gateways erfassen: Connect Secure ≤ 22.7R2.5, Policy Secure < 22.7R1.4, ZTA Gateways < 22.8R2.2 sowie sämtliche EOL-9.x-Systeme sind angreifbar. Aus dem Internet erreichbare Instanzen zuerst behandeln.
  2. Patchen
    Auf die Fixversion des jeweiligen Produkts aktualisieren (Connect Secure 22.7R2.6 · Policy Secure 22.7R1.4 · ZTA 22.8R2.2). EOL-9.x-Systeme erhalten keinen Fix und müssen auf eine unterstützte Linie migriert werden.
  3. Kompromittierung ausschließen
    Das Ivanti Integrity Checker Tool (ICT) ausführen und auf Statedump-Dateien sowie Core-Dumps des web-Prozesses prüfen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Einbruch. Bei Verdacht Factory-Reset auf sauberer Firmware, nicht nur Upgrade.
  4. IoCs & Malware abgleichen
    Auf die Post-Exploitation-Familien TRAILBLAZE (In-Memory-Dropper), BRUSHFIRE (Backdoor) und das SPAWN-Ökosystem (SPAWNSLOTH/SPAWNSNARE/SPAWNWAVE) prüfen. Die IoCs unten und die Hashes aus dem Mandiant-Bericht heranziehen.
  5. Perimeter dauerhaft überwachen
    UNC5221 zielt gezielt auf Edge-Geräte. Kontinuierliche Auswertung der Gateway-Logs, Anomalie-Erkennung auf ungewöhnliche TLS-Client-Zertifikate und Alarmierung bei Integritätsabweichungen etablieren.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • TRAILBLAZE (Dropper): /tmp/.i
    MD5 4628a501088c31f53b5c9ddf6788e835
  • BRUSHFIRE (Backdoor): /tmp/.r
    MD5 e5192258c27e712c7acf80303e68980b
  • SPAWN-Familie: /bin/dsmain · /lib/libdsupgrade.so
    /tmp/.liblogblock.so

Zur Einordnung: Die Hashes und Dateipfade stammen aus der von Mandiant analysierten Kampagne und sind flüchtig – kein Ersatz für den Lauf des Integrity Checker Tools und die Analyse Ihrer Gateway-Logs. SPAWNSLOTH manipuliert lokales Logging und Syslog-Weiterleitung; fehlende Logs sind selbst ein Warnzeichen.

Wichtig: Der Fehler wurde als DoS unterschätzt und still gepatcht – Angreifer haben genau diesen Patch analysiert, um die RCE zu entwickeln. Wer 22.7R2.6 nicht eingespielt hat, ist gegen eine bereits waffenfähige, aktiv genutzte Schwachstelle exponiert. Die eingesetzte Malware deaktiviert zudem Logs; ein Einbruch bleibt ohne Integritätsprüfung unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Patch der Perimeter-Gateways sofort anordnen, EOL-9.x-Systeme umgehend migrieren.
  • Kompromittierung per Integrity Checker Tool ausschließen lassen – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung der Edge-Geräte entscheiden – UNC5221 zielt wiederholt darauf.

Primärquellen

Ivanti April Security Advisory CVE-2025-22457 · NVD (CVSS 3.1 9,8) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 04.04.2025, Ransomware-Bezug bekannt) · Google/Mandiant Threat Intelligence (UNC5221, TRAILBLAZE/BRUSHFIRE/SPAWN). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Produkts abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Integritätsabweichungen am Gateway, Core-Dumps des web-Prozesses und anomale TLS-Client-Zertifikate. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • STRUKTURELL

    ZTNA – Zero Trust Network Access →

    Solange der Dienst aus dem Internet erreichbar ist, bleibt er Ziel. Mittelfristig kann ein ZTNA-Ansatz diese Exposition verringern. Kurzfristig zählt der Patch.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.