SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass in Fortinet FortiOS & FortiProxy

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über gefälschte CSF-Proxy-Anfragen Super-Admin-Rechte auf einer FortiGate/FortiProxy erlangen – wenn die Security Fabric aktiv ist. Die Schwachstelle ist eine zweite Angriffsvariante zur bereits ausgenutzten CVE-2024-55591 und wird u. a. für die SuperBlack-Ransomware aktiv missbraucht.

CVE-ID

CVE-2025-24472

CVSS

8,1

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiOS / FortiProxy

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Verwundbare FortiOS-/FortiProxy-Versionen prüfen bei aktivierter Security Fabric (CSF) nicht ausreichend, ob eine über den Cluster-Synchronisations-Framework weitergeleitete Proxy-Anfrage legitim ist. Kennt der Angreifer die Seriennummer eines Up- oder Downstream-Geräts, kann er über speziell präparierte CSF-Proxy-Anfragen die Authentifizierung umgehen und sich Super-Admin-Rechte verschaffen – ein alternativer Pfad zur selben Wirkung wie die zuvor gemeldete Node.js-WebSocket-Variante (CVE-2024-55591).

Angriffskette

  1. Management exponiert – HTTP/HTTPS-Admin-Oberfläche aus dem Netz erreichbar, Security Fabric aktiv
  2. Seriennummer beschaffen – Kenntnis der Up-/Downstream-Geräteseriennummer
  3. CSF-Proxy missbrauchen – gefälschte Proxy-Anfrage umgeht die Authentifizierung
  4. Super-Admin – Schatten-Admins anlegen, SSL-VPN konfigurieren, Zugangsdaten abziehen

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 7.07.0.0 – 7.0.167.0.17
FortiOS 7.2 / 7.4 / 7.6nicht betroffen
FortiOS 6.4nicht betroffen
FortiProxy 7.07.0.0 – 7.0.197.0.20
FortiProxy 7.27.2.0 – 7.2.127.2.13

Angreifbar nur bei aktivierter Security Fabric (CSF) und aus dem Netz erreichbarer Management-Oberfläche. Exakte Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory FG-IR-24-535 des eigenen Zweigs abgleichen; die Fixe decken zugleich CVE-2024-55591 ab.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Admin-Zugriff auf die Perimeter-Firewall kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 14.01.2025 – Fortinet veröffentlicht FG-IR-24-535 (CVE-2024-55591)
  • 11.02.2025 – CVE-2025-24472 (CSF-Proxy-Variante) ins Advisory aufgenommen
  • 12.03.2025 – Forescout: SuperBlack-Ransomware (Mora_001) nutzt die Lücke
  • 18.03.2025 – CISA KEV · Frist für Bundesbehörden bis 08.04.2025

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Mitigation vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Management absichern / mitigieren
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Version prüfen (FortiOS 7.0.0–7.0.16, FortiProxy 7.0.0–7.0.19 oder 7.2.0–7.2.12). Ist die Security Fabric (CSF) aktiv? Ist die HTTP/HTTPS-Admin-Oberfläche aus nicht vertrauenswürdigen Netzen erreichbar? Nur diese Kombination ist angreifbar.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Admin-Zugriff auf vertrauenswürdige Quell-IPs beschränken (trusthosts/local-in-policy) und die HTTP/HTTPS-Admin-Oberfläche aus dem Internet nehmen. Wenn nicht benötigt, Security Fabric deaktivieren:
    config system csf set status disable end
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Produkts/Zweigs aktualisieren (FortiOS 7.0.17 · FortiProxy 7.0.20 · FortiProxy 7.2.13). Dieselben Builds schließen auch die verwandte CVE-2024-55591.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Admin-Logs auf verdächtige Anmeldungen und neu angelegte Admin-/Lokal-Konten prüfen und die IoCs unten abgleichen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff. Bei Verdacht: Zugangsdaten rotieren, VPN-/Firewall-Konfiguration auf unbefugte Änderungen prüfen.
  5. Perimeter härten
    Management-Interfaces grundsätzlich nicht aus dem Internet exponieren, Zugriff über VPN/Jump-Host und Quell-IP-Filter. Herstellerseitige Empfehlungen aus FG-IR-24-535 vollständig umsetzen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Auffällige Admin-Login-Logs: Anmeldungen mit gefälschter srcip 1.1.1.1
    Konten-Anlage mit srcip 127.0.0.1
  • Beobachtete (gefälschte) Quell-IPs: 1.1.1.1 · 127.0.0.1 · 2.2.2.2
    8.8.8.8 · 8.8.4.4 · 13.37.13.37
  • Aktivitätsmuster: jsconsole-Sitzungen · zufällig benannte Super-Admins
    SSL-VPN-Änderungen · Abzug von Zugangsdaten

Zur Einordnung: Die genannten Quell-IPs sind vom Angreifer frei gesetzte Log-Werte (Spoofing), keine echten Herkunftsadressen – auffällig ist gerade ihr Auftauchen in erfolgreichen Admin-Anmeldungen. IoCs sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagnen und flüchtig; kein Ersatz für die Analyse Ihrer Authentifizierungs-Logs.

Wichtig: Erfolgreiche Angriffe erscheinen als reguläre, erfolgreiche Admin-Anmeldungen und Konten-Anlagen – mit gefälschten Quell-IPs, aber ohne Alarm. Ohne kontinuierliche Auswertung der Admin-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Management-Zugriff heute absichern, Patch innerhalb von 72 Stunden einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Grundsatz durchsetzen: keine Firewall-Management-Oberfläche im Internet.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-24-535 · NIST NVD CVE-2025-24472 (CVSS 3.1 8,1) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (hinzugefügt 18.03.2025) · Forescout Vedere Labs (SuperBlack / Mora_001). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Admin-Anmeldungen mit gefälschten Quell-IPs und die Anlage unerwarteter Super-Admin-Konten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • PROJEKT

    Penetration Testing →

    Management-Oberflächen sind wiederkehrend betroffen. Ein Test zeigt, welche davon bei Ihnen erreichbar sind, bevor es jemand anderes herausfindet.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.