SECURITY ADVISORY

Heap-Overflow im CAPWAP-Dienst: FortiGate ohne Anmeldung übernehmbar

Der CAPWAP-Dienst, über den FortiGate-Firewalls ihre Access Points und Switches steuern, enthält einen Heap-Overflow: Wer ihn über UDP-Port 5246 erreicht, kann ohne Anmeldung eigenen Code auf der Firewall ausführen. Fortinet hat die Lücke im Januar 2026 geschlossen. Seit dem Sommer wird sie aktiv ausgenutzt, um den Node.js-Trojaner PivotC2 zu installieren, der Konfiguration und Zugangsdaten entschlüsselt und die Firewall zum Sprungbrett ins interne Netz macht. Seit dem 9. September 2026 steht die Schwachstelle im CISA-Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen – mit forensischer Triage-Pflicht.

CVE-ID

CVE-2025-25249

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiOS · FortiSwitchManager · FortiSASE

Veröffentlicht

14.09.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der Daemon cw_acd (CAPWAP Wireless Aggregate Controller) verarbeitet auf FortiGate und FortiSwitchManager die Steuerkommunikation mit FortiAPs und FortiSwitches. Beim Parsen speziell präparierter CAPWAP-Pakete schreibt er über das Ende eines Heap-Puffers hinaus (CWE-122). Ein Angreifer, der den Dienst erreicht, kann damit den Programmfluss übernehmen und Befehle mit den Rechten des Daemons ausführen – ohne Zugangsdaten, ohne Nutzerinteraktion. Erreichbar ist der Dienst überall dort, wo ein Interface CAPWAP bzw. „Fabric"-Zugriff erlaubt – auf falsch konfigurierten WAN-Ports also direkt aus dem Internet. Fortinet fand die Lücke intern; die beobachteten Angreifer nutzen laut SOCRadar CAPWAP-Discovery-Antworten, um die Adressverwürfelung (ASLR) auszuhebeln.

Angriffskette

  1. Dienst exponiert – CAPWAP (UDP 5246) auf einem aus dem Internet erreichbaren Interface
  2. Präpariertes Paket – Heap-Overflow in cw_acd, ASLR über Discovery-Antworten umgangen
  3. Codeausführung – Node.js-Reverse-Shell auf der Firewall, PivotC2 wird nachgeladen
  4. Ausbreitung – Konfiguration entschlüsselt, VPN-/Admin-Zugänge gestohlen, Tunnel ins LAN

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 7.67.6.0 – 7.6.37.6.4 oder höher
FortiOS 7.47.4.0 – 7.4.87.4.9 oder höher
FortiOS 7.27.2.0 – 7.2.117.2.12 oder höher
FortiOS 7.07.0.0 – 7.0.177.0.18 oder höher
FortiOS 6.4alle VersionenMigration auf gefixten Zweig
FortiSwitchManager 7.27.2.0 – 7.2.67.2.7 oder höher
FortiSwitchManager 7.07.0.0 – 7.0.57.0.6 oder höher
FortiSASE 25.1 / 25.225.1.a.2 · 25.2.bdurch Fortinet behoben (25.1.b / 25.2.c)

Für den Zweig 6.4 nennt Fortinet als CNA keinen eigenen Fix (Drittquellen führen 6.4.17 an) – hier ist der Wechsel auf einen unterstützten Zweig der belastbare Weg. FortiSASE wurde cloudseitig von Fortinet gepatcht, Kunden müssen dort nichts tun. Siemens RUGGEDCOM APE1808 mit Fortinet-NGFW ist ebenfalls betroffen (SSA-864900). Exakte Build-Stände gegen FG-IR-25-084 abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Eine übernommene Firewall mit entschlüsselten Zugangsdaten ist in der Regel eine meldepflichtige Verletzung – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung, Forensik und Dokumentation.

Chronologie

  • 13.01.2026 – Fortinet veröffentlicht FG-IR-25-084 samt Fixversionen (intern gefunden)
  • Juli 2026 – Beginn der aktiven Ausnutzung – PivotC2-Kampagne (SOCRadar)
  • 09.09.2026 – Aufnahme in den CISA-KEV-Katalog · Behördenfrist 12.09.2026
  • Seither – 178 kompromittierte FortiGates bekannt, >30.000 Ziele auf Angreiferliste

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Erreichbarkeit vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: CAPWAP-Erreichbarkeit einschränken
  • Kurzfristig: Auf 7.6.4 / 7.4.9 / 7.2.12 / 7.0.18 aktualisieren
  • Parallel: Kompromittierung ausschließen
  1. Betroffenheit feststellen
    Firmware-Stand aller FortiGates und FortiSwitchManager-Instanzen erheben (betroffen: alles unterhalb 7.6.4 / 7.4.9 / 7.2.12 / 7.0.18 sowie ganz 6.4). Dann prüfen, auf welchen Interfaces CAPWAP bzw. fabric in den Zugriffsrechten steht – jedes WAN-Interface mit diesem Eintrag ist aus dem Internet angreifbar.
    show system interface | grep -B3 -A3 allowaccess
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Auf exponierten Interfaces den fabric-Zugriff entfernen, sodass nur die benötigten Dienste bleiben. Alternativ CAPWAP per Local-in-Policy auf die IP-Adressen der eigenen Access Points und Switches beschränken (Service UDP 5246-5249, alles andere verwerfen). Beides ist von Fortinet als Workaround dokumentiert.
    config system interface · edit "wan1" · set allowaccess ping https ssh · next · end
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren: 7.6.4 · 7.4.9 · 7.2.12 · 7.0.18 (FortiOS) bzw. 7.2.7 · 7.0.6 (FortiSwitchManager). Für 6.4 gibt es keinen Fix im eigenen Zweig – Migration einplanen. Vorher Konfigurationssicherung ziehen; HA-Cluster nach Fortinet-Upgrade-Pfad aktualisieren.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Der Patch schließt die Tür – er wirft niemanden hinaus, der schon drin ist. Auf jeder Firewall, deren CAPWAP-Dienst erreichbar war, nach Node.js-Prozessen und der Datei /tmp/.i.js suchen, ausgehende TLS-Verbindungen der Firewall selbst zu unbekannten Zielen prüfen und die IoCs unten abgleichen. CISA verlangt für Bundesbehörden hier ausdrücklich eine forensische Triage – das ist auch für Sie der richtige Maßstab.
  5. Bei Verdacht: Zugangsdaten als offengelegt behandeln
    PivotC2 entschlüsselt die Gerätekonfiguration inklusive VPN-Pre-Shared-Keys, SSL-VPN-Zugängen, WLAN-Passwörtern und Admin-Konten. Bei jedem Hinweis auf einen Zugriff: sämtliche lokal gespeicherten Geheimnisse erneuern, Zertifikate tauschen, Regelwerk auf fremde Einträge prüfen – und die Beweise für eine etwaige Meldung sichern, bevor das Gerät neu aufgesetzt wird.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Dateiartefakte auf der Firewall: /tmp/.i.js (PivotC2, Node.js)
    Exploit-Dropper fortirun.bin
  • Netzwerk: Eingehend: CAPWAP UDP 5246 aus fremden Quellen
    Ausgehend: TLS-Verbindungen der Firewall selbst, SOCKS5-/HTTP-Tunnel, Exfiltration in Wasabi-Cloud-Speicher
  • Verhalten: Unerwartete Node.js-Prozesse auf FortiGate,
    Anmeldungen mit aus der Konfiguration stammenden VPN-/Admin-Zugängen aus neuen Quellen

Zur Einordnung: Die Indikatoren stammen aus der Kampagnenanalyse der SOCRadar Threat Research Unit und sind von Fortinet nicht als offizielle IoCs bestätigt; Dateinamen und Infrastruktur sind trivial änderbar. Belastbarer als die Suche nach einem Dateinamen ist die Frage, ob der CAPWAP-Dienst des Geräts seit Januar 2026 aus dem Internet erreichbar war.

Wichtig: Ein Angriff über CAPWAP hinterlässt keinen Anmeldevorgang – kein fehlgeschlagener Login, keine VPN-Sitzung. Wer nur Authentifizierungs-Ereignisse überwacht, sieht die Übernahme der Firewall nicht. Sichtbar wird sie erst an dem, was danach passiert: ausgehende Verbindungen der Firewall selbst und die Nutzung gestohlener Zugänge.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Heute anordnen: CAPWAP auf allen extern erreichbaren Interfaces sperren, Patch innerhalb der Woche.
  • Für jede FortiGate mit exponiertem CAPWAP-Dienst eine forensische Prüfung beauftragen – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Geräte auf FortiOS 6.4 als Migrationsprojekt aufsetzen – dort gibt es keinen Fix mehr.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-25-084 · CVE-Record CVE-2025-25249 (Fortinet als CNA) · NVD CVE-2025-25249 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 09.09.2026) · Siemens ProductCERT SSA-864900 · SOCRadar Threat Research Unit, Analyse der PivotC2-Kampagne (September 2026). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.09.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Ausgehende Verbindungen der Firewall zu unbekannten Zielen und die Wiederverwendung ihrer VPN-Zugangsdaten aus fremden Quellen. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.