SECURITY ADVISORY

Pre-Auth-SQL-Injection in Fortinet FortiWeb

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann über den Fabric Connector von FortiWeb SQL-Befehle einschleusen und diese bis zur Codeausführung mit Root-Rechten eskalieren – ohne gültige Anmeldedaten. Betroffen ist jedes Gerät mit erreichbarem HTTP/HTTPS-Management-Interface; öffentliche Exploits kursieren, die Ausnutzung läuft seit Juli 2025.

CVE-ID

CVE-2025-25257

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiWeb (Fabric Connector)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die Authentifizierungsfunktion des Fabric Connectors übernimmt den Token aus dem Authorization-Header ungeprüft in eine SQL-Abfrage – ein klassischer, unauthentifizierter SQL-Injection-Punkt. Über INTO OUTFILE lässt sich damit eine Python-Datei in das site-packages-Verzeichnis schreiben, die beim nächsten CGI-Aufruf ausgeführt wird. So wird aus der Datenbank-Injektion eine Codeausführung mit Root-Rechten.

Angriffskette

  1. GUI exponiert – FortiWeb-Management-Interface (HTTP/HTTPS) ist aus dem Internet erreichbar
  2. SQL einschleusen – gefälschter Authorization-Header an /api/fabric/*, Token landet ungefiltert in der DB-Abfrage
  3. Datei schreiben – per SELECT … INTO OUTFILE eine Python-Datei ins site-packages-Verzeichnis schreiben
  4. Root-Code – die untergeschobene Datei wird über CGI ausgeführt → Codeausführung als root

Betroffene Versionen und Fixes

FortiWeb-ZweigVerwundbarFixversion
7.67.6.0 – 7.6.37.6.4
7.47.4.0 – 7.4.77.4.8
7.27.2.0 – 7.2.107.2.11
7.07.0.0 – 7.0.107.0.11
6.4 · älternicht betroffen

Praktisch angreifbar sind nur Geräte mit erreichbarem HTTP/HTTPS-Management-Interface. FortiWeb 6.4 und ältere Zweige sind laut Hersteller nicht betroffen. Exakte Build-Ranges gegen das Advisory FG-IR-25-151 abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff bzw. eine Codeausführung auf der WAF kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 08.07.2025 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-25-151 (CVSS 9,6)
  • 18.07.2025 – Fortinet meldet Ausnutzung in der Breite; CISA nimmt in KEV auf
  • 08.08.2025 – CISA-Frist für US-Bundesbehörden (BOD 22-01)
  • Seither – Öffentliche PoCs; fortlaufende Ausnutzung exponierter Interfaces

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Interface abschotten vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Management-Interface vom Internet trennen
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    FortiWeb-Version prüfen (Zweige 7.0 bis 7.6). Ist das HTTP/HTTPS-Management-Interface aus dem Internet oder aus nicht vertrauenswürdigen Netzen erreichbar? Nur exponierte Interfaces sind praktisch angreifbar.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Herstellerbehelf: den HTTP/HTTPS-Administrationszugang deaktivieren bzw. am exponierten Interface aus allowaccess entfernen und auf vertrauenswürdige Hosts / VPN beschränken:
    config system interface edit <port> set allowaccess ping ssh next end
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren (7.6.4 · 7.4.8 · 7.2.11 · 7.0.11 oder höher). Fortinet hat für alle betroffenen Zweige feste Builds veröffentlicht.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Logs auf Fabric-API-Aufrufe mit SQL-Fragmenten sowie das Dateisystem auf neu angelegte .pth/.py-Dateien prüfen und die IoCs unten abgleichen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Root-Zugriff.
  5. Perimeter härten
    Grundsatz durchsetzen: Administrations-Interfaces nie direkt exponieren. Vorgelagerte WAF-/IPS-Signaturen für diese Schwachstelle einspielen, sofern verfügbar.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Verdächtige Aufrufe: POST auf /api/fabric/device/status und weitere /api/fabric/*-Endpunkte mit gefälschtem Authorization-Header
  • SQL-Marker in Logs: SQL-Fragmente wie UNION SELECT, INTO OUTFILE · Datenbank-Fehlermeldungen
  • Untergeschobene Dateien: neue .pth / .py-Dateien im Python-site-packages-Verzeichnis · Ausführung via CGI (ml-draw.py)

Zur Einordnung: Die genannten Endpunkte sind reguläre Fabric-Connector-Aufrufe – auffällig erst mit SQL-Payload im Authorization-Header. Datei- und Log-Marker sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagne und kein Ersatz für die Analyse Ihrer Zugriffs- und Systemlogs.

Wichtig: Eine erfolgreiche Ausnutzung hinterlässt schreibenden Root-Zugriff auf dem Gerät. Ein reiner Patch entfernt bereits untergeschobene Dateien, Konten oder Persistenz nicht – ohne Prüfung des Systems bleibt eine erfolgte Kompromittierung unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Management-Interface heute vom Internet trennen, Patch innerhalb der CISA-Frist (08.08.2025) einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Grundsatz durchsetzen: Administrations-Interfaces nie direkt exponieren.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-25-151 (CVE-2025-25257) · NVD (nvd.nist.gov, CVSS 3.1 Basiswert 9,8) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (Aufnahme 18.07.2025, Frist 08.08.2025). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: SQL-Injection-Muster in Fabric-API-Aufrufen und neu angelegte Dateien im Python-Verzeichnis. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • PROJEKT

    Penetration Testing →

    Management-Oberflächen sind wiederkehrend betroffen. Ein Test zeigt, welche davon bei Ihnen erreichbar sind, bevor es jemand anderes herausfindet.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.