SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass in Ivanti EPMM (API-Komponente)

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann die API-Authentifizierung von Ivanti EPMM umgehen. Für sich genommen ist das ein Zugriff auf geschützte Ressourcen – in Kombination mit CVE-2025-4428 (Ausdrucks-Injektion) wird daraus die Ausführung von Schadcode ohne Anmeldung. Beide Lücken werden seit dem Tag der Veröffentlichung aktiv ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2025-4427

CVSS

7,5

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Endpoint Manager Mobile (EPMM)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die API-Komponente von EPMM prüft für einen bestimmten Endpunkt die Authentifizierung nicht korrekt: durch die Reihenfolge der internen Routen erreicht eine präparierte Anfrage die Anwendungslogik, bevor die Sicherheitsfilter greifen (CWE-288, Authentifizierungs-Bypass über einen alternativen Pfad). Dahinter liegt CVE-2025-4428 – über einen nutzergesteuerten format-Parameter lässt sich ein Ausdruck (Expression Language) einschleusen, den der Server auswertet. Erst zusammen ergeben Bypass und Ausdrucks-Injektion die unauthentifizierte Codeausführung.

Angriffskette

  1. Server exponiert – EPMM-Verwaltungsschnittstelle ist aus dem Internet erreichbar
  2. Auth-Bypass – geschützten API-Endpunkt ohne gültige Anmeldung ansprechen (CVE-2025-4427)
  3. Ausdruck einschleusen – über den format-Parameter einen EL-Ausdruck übergeben (CVE-2025-4428)
  4. Codeausführung – Befehle im Kontext des EPMM-Dienstes, ohne jede Authentifizierung

Betroffene Versionen und Fixes

EPMM-ZweigVerwundbarFixversion
11.12≤ 11.12.0.411.12.0.5
12.3≤ 12.3.0.112.3.0.2
12.4≤ 12.4.0.112.4.0.2
12.5≤ 12.5.0.012.5.0.1
Neurons for MDM (Cloud)nicht betroffen

Betroffen ist ausschließlich das On-Premises-Produkt EPMM (vormals MobileIron Core). Die Cloud-Variante Ivanti Neurons for MDM ist nach Herstellerangabe nicht betroffen. Exakte Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des eigenen Zweigs abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff auf den MDM-Server kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 13.05.2025 – Ivanti veröffentlicht Advisory + Patches; erste Ausnutzung bereits bekannt
  • 16.05.2025 – Rapid7 bestätigt die Exploit-Kette in freier Wildbahn
  • 19.05.2025 – CISA nimmt beide CVEs in den KEV-Katalog auf; PoC öffentlich
  • Sept. 2025 – CISA meldet Schadsoftware / „Malicious Listeners" auf kompromittierten Systemen (AR25-261A)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – exponierte Systeme zuerst, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Patch einspielen
  • Falls nötig: API-Zugriff einschränken
  • Parallel: Threat Hunting / Kompromittierung prüfen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob ein On-Premises-EPMM (vormals MobileIron Core) betrieben wird und welche Version läuft. Angreifbar sind alle Builds ≤ 11.12.0.4, ≤ 12.3.0.1, ≤ 12.4.0.1 und ≤ 12.5.0.0. Cloud-Umgebungen (Neurons for MDM) sind nicht betroffen.
  2. Patchen (vorrangig)
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren (11.12.0.5 · 12.3.0.2 · 12.4.0.2 · 12.5.0.1). Der Patch schließt sowohl den Auth-Bypass als auch die Ausdrucks-Injektion.
  3. Behelfsmaßnahme, falls kein Sofort-Patch
    Bis zum Einspielen des Patches den Zugriff auf die API-Endpunkte über eine vorgelagerte WAF bzw. den integrierten Portal-ACL-Filter einschränken. Das ist ein Behelf, kein vollwertiger Ersatz für den Patch.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Zugriffs- und Anwendungs-Logs auf Anfragen an den verwundbaren Endpunkt und auf auffällige format-Parameter durchsuchen. Auf eingeschleuste „Malicious Listeners" und unbekannte Prozesse/Dateien prüfen (CISA-Bericht AR25-261A). Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Perimeter härten
    Nach Möglichkeit die EPMM-Verwaltungsschnittstelle nicht ungefiltert aus dem Internet erreichbar halten und Anmelde-/Zugriffs-Anomalien dauerhaft überwachen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Verwundbarer Endpunkt (POST): /mifs/rs/api/v2/featureusage
  • Auffällige Marker: EL-Ausdrücke im format-Parameter (z. B. ${...})
    ungewöhnliche Abfolge geschützter API-Aufrufe ohne gültige Session
  • Post-Exploit: eingeschleuste „Malicious Listeners" (Java-Klassen, die Requests abfangen)
    unbekannte Prozesse / Dateien – vgl. CISA AR25-261A

Zur Einordnung: Der Endpunkt ist ein regulärer EPMM-API-Aufruf – auffällig nur in Verbindung mit einem eingeschleusten Ausdruck oder Zugriffen ohne gültige Anmeldung. Die Marker stammen aus veröffentlichten Analysen und sind kein Ersatz für die Auswertung Ihrer eigenen Anwendungs- und Zugriffs-Logs.

Wichtig: Für sich genommen ist CVE-2025-4427 „nur" ein Auth-Bypass – die eigentliche Gefahr entsteht durch die Verkettung mit CVE-2025-4428 zur unauthentifizierten Codeausführung. Beide Lücken werden seit dem Tag der Veröffentlichung aktiv ausgenutzt; ein Patch allein sagt nichts darüber aus, ob ein System zuvor bereits kompromittiert wurde.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Patch für On-Prem-EPMM sofort anordnen – die Lücken werden aktiv ausgenutzt.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung und Abschottung der MDM-Verwaltungsschnittstelle entscheiden.

Primärquellen

NVD CVE-2025-4427 · Ivanti Security Advisory EPMM (13.05.2025) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (Aufnahme 19.05.2025) · CISA Analysis Report AR25-261A · Rapid7 Emergent Threat Report · ProjectDiscovery Technical Analysis. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Zugriffe auf den verwundbaren API-Endpunkt ohne gültige Session sowie eingeschleuste Listener. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Endpoint Protection →

    Auf verwalteten Endpunkten lässt sich eine Ausnutzung nachgelagert erkennen und eingrenzen, auch wenn der Patch noch nicht überall ausgerollt ist.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.