SECURITY ADVISORY

Remote-Code-Execution in Ivanti EPMM (EL-Injection)

Zwei verkettete Schwachstellen in Ivanti EPMM erlauben es einem nicht authentifizierten Angreifer aus dem Internet, beliebigen Code auf dem Server auszuführen. Der Authentifizierungs-Umgehung (CVE-2025-4427) öffnet den ungeschützten API-Endpunkt, die EL-Injection (CVE-2025-4428) führt darüber Java-Code aus. Öffentliche Exploits existieren; die Ausnutzung läuft seit Mai 2025.

CVE-ID

CVE-2025-4428

CVSS

8,8

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Endpoint Manager Mobile (EPMM)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der API-Endpunkt /api/v2/featureusage übergibt den vom Nutzer gelieferten format-Parameter ungeprüft an Springs AbstractMessageSource. Beim Aufbau von Fehlermeldungen wird der Wert als Spring-Expression-Language ausgewertet – dadurch kann ein Angreifer beliebigen Java-Code ausführen (CWE-94). Da CVE-2025-4427 diesen Endpunkt zusätzlich ohne Anmeldung erreichbar macht (fehlende Spring-Security-Regeln), ist die Kette komplett unauthentifiziert ausnutzbar.

Angriffskette

  1. Portal exponiert – EPMM ist aus dem Internet erreichbar
  2. Auth umgehen – ungeschützte Route /api/v2/featureusage via CVE-2025-4427 aufrufen
  3. Code einschleusen – EL-Payload im format-Parameter (CVE-2025-4428)
  4. Übernahme – Java-Code läuft, Nachladen von Sliver-Beacons beobachtet

Betroffene Versionen und Fixes

EPMM-ZweigVerwundbarFixversion
11.12.0.x≤ 11.12.0.411.12.0.5
12.3.0.x≤ 12.3.0.112.3.0.2
12.4.0.x≤ 12.4.0.112.4.0.2
12.5.0.x12.5.0.012.5.0.1

Betroffen ist ausschließlich das on-premises Ivanti EPMM (vormals MobileIron Core). Ivanti Neurons for MDM (Cloud), Sentry und andere Produkte sind nach Herstellerangabe nicht betroffen. Fixversionen gegen das Hersteller-Advisory des eigenen Zweigs abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff auf den MDM-Server kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 13.05.2025 – Ivanti veröffentlicht Advisory (4427 + 4428)
  • 16.05.2025 – Erste aktive Ausnutzung als Zero-Day beobachtet
  • 19.05.2025 – CISA KEV · Frist für Bundesbehörden 09.06.2025
  • Seither – Öffentliche PoCs (watchTowr, ProjectDiscovery); fortlaufende Ausnutzung

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Mitigation vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: API-Zugriff filtern
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob ein on-premises EPMM (MobileIron Core) betrieben wird und aus dem Internet erreichbar ist. Version gegen die verwundbaren Zweige abgleichen: ≤ 11.12.0.4 · ≤ 12.3.0.1 · ≤ 12.4.0.1 · 12.5.0.0. Cloud-basiertes Neurons for MDM ist nicht betroffen.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    Solange kein Patch möglich ist: Zugriff auf die verwundbaren API-Pfade über die eingebaute Portal-ACL bzw. eine vorgelagerte WAF einschränken – insbesondere /api/v2/featureusage. Ivanti verweist auf seinen ACL-Leitfaden.
    /api/v2/featureusage → Zugriff per ACL/WAF filtern
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren: 11.12.0.5 · 12.3.0.2 · 12.4.0.2 · 12.5.0.1. Der Patch schließt beide verketteten Lücken (4427 + 4428).
  4. Kompromittierung ausschließen
    Web-/API-Logs auf POST-Anfragen an /api/v2/featureusage bzw. /rs/api/v2/featureusage mit auffälligem format-Parameter (EL-Syntax) durchsuchen; Prozessliste und ausgehende Verbindungen auf Sliver-Beacons prüfen und die IoCs unten abgleichen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Nach Kompromittierung härten
    Bei Hinweisen auf Ausnutzung: Server als kompromittiert behandeln, Zugangsdaten und Zertifikate rotieren, Persistenz und angebundene Geräte prüfen. EPMM-Zugriff dauerhaft hinter VPN/Zugriffskontrolle legen statt offen ins Internet zu stellen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Angriffs-Endpunkt (POST): /api/v2/featureusage
    /rs/api/v2/featureusage

    EL-Syntax im format-Parameter
  • Sliver-C2: 77.221.158.154
    150.241.97.83
  • Beobachtete Angreifer-IPs: 82.132.235.212 · 37.219.84.22
    27.25.148.183 · 47.120.74.19

Zur Einordnung: Der Endpunkt /api/v2/featureusage ist eine reguläre EPMM-API – auffällig nur mit EL-Syntax im format-Parameter. IPs und Sliver-Infrastruktur sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagne (Mai 2025) und flüchtig – kein Ersatz für die Analyse Ihrer eigenen Logs.

Wichtig: Die Auth-Umgehung (CVE-2025-4427) macht den RCE-Endpunkt ohne Anmeldung erreichbar – erfolgreiche Angriffe erzeugen keinen fehlgeschlagenen Login und lösen keinen klassischen Alarm aus. Ohne Auswertung der API-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • API-Zugriff heute filtern, Patch innerhalb von 72 Stunden einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Entscheiden, ob der EPMM-Server dauerhaft hinter Zugriffskontrolle statt offen im Internet betrieben wird.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory EPMM (CVE-2025-4427 / CVE-2025-4428, 13.05.2025) · NVD (CVE-2025-4428, CVSS 3.1 8,8) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 19.05.2025) · Wiz Threat Research · ProjectDiscovery / watchTowr technische Analysen. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: POST-Anfragen an /api/v2/featureusage mit EL-Payload und ausgehende Sliver-Beacons. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Endpoint Protection →

    Auf verwalteten Endpunkten lässt sich eine Ausnutzung nachgelagert erkennen und eingrenzen, auch wenn der Patch noch nicht überall ausgerollt ist.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.