SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass über FortiCloud-SSO in Fortinet-Produkten

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann mit einer gefälschten SAML-Nachricht die FortiCloud-SSO-Anmeldung umgehen und sich als Administrator anmelden – ohne Zugangsdaten. Beobachtete Angreifer laden unmittelbar die System-Konfiguration herunter, die gehashte Zugangsdaten enthält. Voraussetzung ist der aktivierte FortiCloud-SSO-Login; er wird bei der FortiCare-Registrierung eines Geräts stillschweigend eingeschaltet, sofern der Administrator ihn nicht ausdrücklich abschaltet.

CVE-ID

CVE-2025-59718

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiOS · FortiProxy · FortiSwitchManager

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die betroffenen Geräte prüfen die kryptografische Signatur der SAML-Antwort des FortiCloud-Identity-Providers nicht ordnungsgemäß (CWE-347). Dadurch akzeptiert der SSO-Login-Dienst eine gefälschte SAML-Nachricht ohne gültige Signatur und meldet den Angreifer als vorhandenes Konto an – in der Praxis als admin. Angreifbar ist nur, wer den FortiCloud-SSO-Login aktiv hat; dieser wird bei der Geräte-Registrierung an FortiCare eingeschaltet, wenn der Schalter „Allow administrative login using FortiCloud SSO" nicht ausdrücklich deaktiviert wird.

Angriffskette

  1. Gerät exponiert – FortiGate-/FortiProxy-Verwaltung ist aus dem Internet erreichbar, FortiCloud-SSO ist aktiv
  2. SAML fälschen – manipulierte SAML-Antwort ohne gültige Signatur an den SSO-Login senden
  3. SSO-Bypass – Anmeldung als bestehendes Konto (typisch admin) ohne Zugangsdaten
  4. Konfig-Diebstahl – System-Konfiguration über die GUI exportiert – inklusive gehashter Zugangsdaten

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt · ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 7.67.6.0 – 7.6.37.6.4
FortiOS 7.47.4.0 – 7.4.87.4.9
FortiOS 7.27.2.0 – 7.2.117.2.12
FortiOS 7.07.0.0 – 7.0.177.0.18
FortiProxy 7.67.6.0 – 7.6.37.6.4
FortiProxy 7.47.4.0 – 7.4.107.4.11
FortiProxy 7.27.2.0 – 7.2.147.2.15
FortiProxy 7.07.0.0 – 7.0.217.0.22
FortiSwitchManager 7.27.2.0 – 7.2.67.2.7
FortiSwitchManager 7.07.0.0 – 7.0.57.0.6
FortiWebeigene CVE-2025-59719siehe Hinweis

FortiWeb ist von derselben Schwachstellenklasse betroffen, wird aber unter der Schwester-CVE CVE-2025-59719 geführt (Fix ab 7.6.5 / 7.4.10 / 8.0.1). NVD listet zusätzlich Siemens RUGGEDCOM APE1808 (bettet FortiOS ein) als betroffen. Exakte Build-Ranges gegen das Fortinet-Advisory FG-IR-25-647 des eigenen Zweigs abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Administrator-Zugriff – insbesondere mit Konfig-Export und dadurch offengelegten Zugangsdaten – kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen: DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 09.12.2025 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-25-647
  • 16.12.2025 – Aufnahme in den CISA-KEV-Katalog
  • 17.12.2025 – Rapid7 beobachtet erste Exploit-Versuche
  • 16.01.2026 – Breite Ausnutzung exponierter FortiGate-Geräte bestätigt

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Mitigation vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: FortiCloud-SSO deaktivieren
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Konfig-Export prüfen · Secrets rotieren
  1. Betroffenheit feststellen
    Produkt und Version gegen die Tabelle prüfen und feststellen, ob der FortiCloud-SSO-Login aktiv ist: GUI unter System → Settings bzw. per CLI. Nur ein aktivierter SSO-Login ist angreifbar.
    get system global | grep admin-forticloud-sso-login
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    FortiCloud-SSO-Login deaktivieren, solange er nicht zwingend benötigt wird. Von Fortinet als Behelf benannt:
    config system global set admin-forticloud-sso-login disable end
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren – FortiOS 7.0.18 · 7.2.12 · 7.4.9 · 7.6.4, FortiProxy 7.0.22 · 7.2.15 · 7.4.11 · 7.6.4, FortiSwitchManager 7.0.6 · 7.2.7.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Auth-Logs auf erfolgreiche FortiCloud-SSO-Anmeldungen am admin-Konto aus unerwarteten Quell-IPs und auf anschließende Konfig-Downloads durchsuchen. Wurde eine Konfiguration exportiert, alle darin enthaltenen Geheimnisse (Passwörter, VPN-PSKs, API-Schlüssel, Zertifikate) als kompromittiert behandeln und rotieren. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. FortiWeb gesondert bewerten
    Wird FortiWeb eingesetzt, die Schwester-CVE CVE-2025-59719 separat einspielen (Fix ab 7.6.5 / 7.4.10 / 8.0.1). Management-Interfaces grundsätzlich nicht offen ins Internet stellen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Auth-Ereignis: Erfolgreiche FortiCloud SSO-Anmeldung am admin-Konto aus unerwarteten Quell-IPs, ohne vorherige legitime SSO-Nutzung
  • Folgeaktivität: Unmittelbarer Export der System-Konfiguration über die GUI – enthält gehashte Zugangsdaten
  • Konfig-Marker: Neu angelegte Admin-Konten, geänderte Admin-Profile, unbekannte Trust-Host-/VPN-Einträge nach dem Login

Zur Einordnung: Fortinet und die Analysten haben keine stabilen Netz-IoCs (IPs/Hashes) veröffentlicht. Die Erkennung läuft über die Authentifizierungs-Logs und einen Abgleich der Gerätekonfiguration – kein Ersatz für die eigene Log-Analyse.

Wichtig: Erfolgreiche Angriffe erscheinen als reguläre FortiCloud-SSO-Anmeldung an einem gültigen admin-Konto – ohne Alarm. Wurde die Konfiguration exportiert, müssen sämtliche darin enthaltenen Zugangsdaten als offengelegt gelten und rotiert werden. Ohne kontinuierliche Auswertung der Auth-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • FortiCloud-SSO-Login heute deaktivieren oder patchen – Management-Interface vom Internet trennen.
  • Prüfen lassen, ob eine Konfiguration exportiert wurde; falls ja, alle Secrets rotieren und den Vorfall für eine etwaige Meldung dokumentieren.
  • Über eine dauerhafte Überwachung des Perimeters entscheiden.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-25-647 · NIST NVD CVE-2025-59718 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (Aufnahme 16.12.2025) · Rapid7 Emergent Threat Report. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Die FortiCloud-SSO-Admin-Anmeldung aus fremden Quellen und der unmittelbare Konfig-Export. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.