SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass per Pfad-Traversal in Fortinet FortiWeb

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann über eine manipulierte URL an der Authentifizierung des FortiWeb-Managements vorbei administrative Befehle absetzen – und sich damit ein eigenes Administrator-Konto auf der Appliance anlegen. Die Ausnutzung ist trivial, erfolgt mit einer einzigen HTTP-Anfrage und läuft nachweislich seit Anfang Oktober 2025.

CVE-ID

CVE-2025-64446

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiWeb (Web Application Firewall)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Die GUI des FortiWeb-Managements normalisiert eingehende URLs unzureichend. Über eine relative Pfad-Traversal (?/../../../../../cgi-bin/fwbcgi) lässt sich eine Anfrage an den internen CGI-Handler fwbcgi umleiten. In Verbindung mit einem selbstgesetzten, base64-kodierten CGIINFO-Header wird die Anfrage so verarbeitet, als käme sie mit interner Administrator-Autorisierung – die äußere Authentifizierung entfällt vollständig (CWE-23).

Angriffskette

  1. Management exponiert – FortiWeb-GUI ist per HTTP/HTTPS aus dem Internet erreichbar
  2. Pfad-Traversal – URL /api/v2.0/cmdb/system/admin?/../../../../../cgi-bin/fwbcgi leitet auf den internen Handler um
  3. Auth umgehen – manipulierter CGIINFO-Header erzwingt interne Admin-Autorisierung
  4. Übernahme – ein einziger POST legt ein neues Administrator-Konto an; Angreifer meldet sich regulär an

Betroffene Versionen und Fixes

FortiWeb-ZweigVerwundbarFixversion
8.08.0.0 – 8.0.18.0.2
7.67.6.0 – 7.6.47.6.5
7.47.4.0 – 7.4.97.4.10
7.27.2.0 – 7.2.117.2.12
7.07.0.0 – 7.0.117.0.12
6.4 · FortiAppSec Cloudnicht betroffen

Betroffen sind alle Appliances der Zweige 7.0 bis 8.0 mit erreichbarer Management-GUI. Fortinet nennt die Fixversionen je Zweig verbindlich; exakte Build-Stände gegen das Hersteller-Advisory FG-IR-25-910 des eigenen Zweigs abgleichen. FortiWeb 6.4 und FortiAppSec-Cloud-Umgebungen sind laut Fortinet nicht angreifbar.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Admin-Zugriff auf die WAF kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 06.10.2025 – Defused veröffentlicht Proof-of-Concept – erste Ausnutzung auf noch unbenannter Lücke
  • 12.11.2025 – Sicherheitsforscher melden aktive Ausnutzung in der Breite
  • 14.11.2025 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-25-910 · CISA nimmt CVE in KEV auf
  • 21.11.2025 – CISA-Frist zum Handeln für Bundesbehörden (BOD 22-01)

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Perimeter schließen vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Management vom Netz nehmen
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Exposition sofort beenden
    Prüfen, ob die FortiWeb-Management-GUI aus dem Internet erreichbar ist. Fortinet empfiehlt als Sofortmaßnahme, HTTP/HTTPS auf allen internetseitigen Schnittstellen zu deaktivieren und den Zugriff auf das Management auf interne, vertrauenswürdige Netze zu beschränken.
  2. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren: 8.0.2 · 7.6.5 · 7.4.10 · 7.2.12 · 7.0.12 (oder neuer). Ab Version 8.0.2 werden Ausnutzungsversuche mit HTTP 403 abgewiesen; der Fix beschränkt den Zugriff auf den internen Handler fwbcgi.
  3. Kompromittierung ausschließen
    Konfiguration und Audit-Logs auf unbekannte, seit Anfang Oktober 2025 angelegte Administrator-/lokale Konten mit prof_admin-Profil prüfen. Bekannte Angreifer-Kontennamen unten abgleichen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  4. Kompromittierte Appliance bereinigen
    Bei Fund unbekannter Admin-Konten: Konten entfernen, Zugangsdaten und Zertifikate rotieren, Konfiguration auf manipulierte Regeln/Änderungen prüfen. Im Zweifel Neuaufsetzen aus einem sauberen Stand erwägen und Incident Response einbinden.
  5. Dauerhaft absichern
    Management-Interfaces grundsätzlich nicht ins Internet exponieren, sondern über VPN/Jump-Host erreichbar machen. Herstellerseitige Updates zeitnah einspielen und die Auth-Logs des Perimeters kontinuierlich auswerten.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Exploit-Muster (URL): /api/v2.0/cmdb/system/admin?/../../../../../cgi-bin/fwbcgi
    POST mit base64-kodiertem CGIINFO-Header
  • Neu angelegte Admin-Konten: Kontennamen Testpoint, trader, trader1
    (illustrativ auch hax0r) mit prof_admin-Profil
  • Angreifer-Herkunft: Anfragen aus den USA, Europa und Asien
    Zeitraum ab Anfang Oktober 2025

Zur Einordnung: Die genutzten Kontennamen und Passwörter sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagne und flüchtig – kein Ersatz für eine vollständige Prüfung aller Administrator-Konten und Audit-Logs. Der Erfolg zeigt sich vor allem an neuen, nicht autorisierten Admin-Konten seit Anfang Oktober 2025.

Wichtig: Ein erfolgreicher Angriff hinterlässt vor allem ein zusätzliches, regulär nutzbares Administrator-Konto – ohne Alarm. Ohne Prüfung der Konten- und Audit-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar, selbst nach dem Patch.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Management-Zugang heute vom Internet trennen, Patch innerhalb von 72 Stunden einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein unbefugtes Admin-Konto angelegt wurde – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung des Perimeters und der Management-Interfaces entscheiden.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-25-910 · NIST NVD CVE-2025-64446 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 14.11.2025) · Rapid7 Emergent Threat Report · Bishop Fox / Qualys / Arctic Wolf Analysen. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Die Anlage eines neuen Admin-Kontos und Pfad-Traversal-Anfragen an die Management-GUI. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed Firewall →

    Regelwerk, Firmwarestand und Ausnahmen bleiben im Blick, damit Sicherheitsupdates nicht im Change-Prozess liegen bleiben.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.