SECURITY ADVISORY

Ungepatchte PAN-OS-Firewalls: Root-Übernahme über das User-ID Captive Portal

Eine Buffer-Overflow-Schwachstelle (CWE-787) im User-ID Authentication Portal – dem Captive Portal – von PAN-OS erlaubt es einem nicht authentifizierten Angreifer, per präparierter Pakete beliebigen Code mit Root-Rechten auf der Firewall auszuführen. Palo Alto bestätigt aktive Ausnutzung gegen Portale, die aus dem Internet oder untrusted Netzen erreichbar sind. Fixes liegen für alle betroffenen Branches vor; exponierte, ungepatchte Systeme müssen sofort behandelt werden.

CVE-ID

CVE-2026-0300

CVSS

9,3

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Palo Alto Networks

Produkt

PAN-OS (PA-Series & VM-Series Firewalls)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der Dienst des User-ID Authentication Portals (Captive Portal) validiert die Länge eingehender Daten unzureichend, wodurch ein Out-of-bounds Write (CWE-787) entsteht. Speziell präparierte Pakete überschreiben Speicher im Portal-Prozess und erlauben die Ausführung von Angreifer-Code mit Root-Rechten. Voraussetzung ist ein erreichbares, aktiviertes Portal – besonders kritisch bei Exposition gegenüber Internet oder untrusted Zonen.

Angriffskette

  1. Präparierte Pakete an das exponierte User-ID Authentication Portal (Captive Portal) senden.
  2. Buffer Overflow im Portal-Dienst: Out-of-bounds Write (CWE-787) überschreibt Speicher.
  3. Root-Codeausführung ohne jede Authentifizierung direkt auf der Firewall.
  4. Perimeter-Übernahme: Traffic-Manipulation, Persistenz und Pivot ins interne Netz.

Betroffene Versionen und Fixes

Feste VersionVerwundbarFixversion
PAN-OS 12.1< 12.1.712.1.7
PAN-OS 11.2< 11.2.1211.2.12
PAN-OS 11.1< 11.1.1511.1.15
PAN-OS 10.2< 10.2.18-h610.2.18-h6

Palo Alto liefert je Wartungszweig eigene Hotfixes; wer auf einem älteren Maintenance-Train bleibt, nutzt die passende Fix-Version dieses Trains (z. B. 12.1.4-h5, 11.2.7-h13, 11.2.10-h6, 11.1.4-h33, 11.1.6-h32, 11.1.10-h25, 11.1.13-h5, 10.2.10-h36, 10.2.13-h21, 10.2.16-h7). Auch Siemens RUGGEDCOM APE1808 (mit PAN-OS) ist betroffen (Siemens SSA-967325). Genaue Zuordnung stets im Hersteller-Advisory prüfen.

Regulatorischer Hinweis: NIS-2: aktiv ausgenutzte, kritische Schwachstelle am Perimeter – meldepflichtige Sicherheitsvorfälle sind ohne zeitnahes Patchen wahrscheinlich, die Frühwarn-/Meldefristen (24/72 h) greifen. DSGVO: Bei Kompromittierung droht Zugriff auf personenbezogene Daten – Art. 33/34 (Meldung binnen 72 h, ggf. Betroffenenbenachrichtigung) beachten.

Chronologie

  • 06.05.2026 – Palo Alto veröffentlicht Advisory; aktive Ausnutzung bestätigt
  • 06.05.2026 – Aufnahme in CISA KEV (Known Exploited Vulnerabilities)
  • 14.07.2026 – Heute: Fixes verfügbar – ungepatchte, exponierte Systeme bleiben akut gefährdet

Maßnahmenplan

Vom Exposure-Check über Sofort-Mitigation bis zum verifizierten Patch – priorisiert nach Internet-Exposition des Captive Portals.

  • Sofort: Exposition prüfen; Captive Portal aus dem Internet/untrusted Zonen nehmen bzw. mitigieren
  • 24-48 h: Patch auf die feste Version des jeweiligen Branches einspielen
  • 7 Tage: Kompromittierungs-Check und dauerhaftes Perimeter-Hardening abschließen
  1. Betroffenheit prüfen
    Feststellen, ob das User-ID Authentication Portal (Captive Portal) aktiv und aus untrusted Zonen bzw. dem Internet erreichbar ist. Betroffen sind nur PA-/VM-Series mit aktivem Portal.
    show running security-policy | match auth-portal
  2. Sofort mitigieren
    Portal-Zugriff auf trusted Zonen beschränken und Response Pages im Interface Management Profile aller L3-Interfaces mit untrusted Ingress deaktivieren. Threat-Prevention-Kunden aktivieren Threat ID 510019 (PAN-OS 11.1+).
  3. Patchen
    Auf die feste Version des jeweiligen Branches aktualisieren (12.1.7 / 11.2.12 / 11.1.15 / 10.2.18-h6 bzw. den passenden Maintenance-Hotfix).
  4. Kompromittierung ausschließen
    System- und Portal-Logs, Prozessliste und Konfiguration auf unbekannte Admins, Config-Änderungen oder Dienst-Abstürze prüfen (siehe Unit 42 Threat Brief).
  5. Exposition dauerhaft senken
    Management- und Portal-Dienste nicht ins Internet exponieren; Monitoring/Alarme auf den Firewall-Dienst schärfen.

Kompromittierungs-Indikatoren

Wichtig: Aktiv ausgenutzt und im CISA-KEV: Eine erfolgreiche Ausnutzung liefert Root ohne Authentifizierung. Exponierte, ungepatchte Portale sind mit höchster Dringlichkeit zu behandeln – Mitigation sofort, Patch binnen 24-48 h.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Sofortige Priorisierung: alle PA-/VM-Series mit aktivem Captive Portal identifizieren und internet-exponierte Portale unverzüglich schließen oder mitigieren.
  • Patch-Deployment auf die festen Versionen innerhalb von 24-48 h; Fortschritt und Restrisiko wöchentlich berichten.
  • Kompromittierungs-Check für exponierte Geräte beauftragen; NIS-2-/DSGVO-Meldepflichten vorsorglich vorbereiten.

Primärquellen

NVD (nvd.nist.gov/vuln/detail/CVE-2026-0300); Palo Alto Networks Advisory (security.paloaltonetworks.com/CVE-2026-0300); CISA KEV; Unit 42 Threat Brief; Siemens SSA-967325

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Auffällig im SOC: wiederholte Abstürze/Neustarts des Captive-Portal-Dienstes, ungewöhnliche oder überlange Pakete an den Portal-Port, unerwartete Root-Prozesse oder Konfigurationsänderungen auf der Firewall sowie ausgehende Verbindungen vom Firewall-Management. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Vulnerability Management →

    Ein Fix steht bereit. Entscheidend ist, ob Sie alle betroffenen Systeme kennen und den Patchstand belegen können – auch gegenüber einer Aufsicht.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed Firewall →

    Regelwerk, Firmwarestand und Ausnahmen bleiben im Blick, damit Sicherheitsupdates nicht im Change-Prozess liegen bleiben.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.