SECURITY ADVISORY

Path Traversal in FortiMail-IBE: Mail-Gateway ohne Anmeldung übernehmbar

Die Funktion Identity-Based Encryption (IBE) von FortiMail prüft Dateipfade in HTTP-Anfragen unzureichend: Mit Verzeichniswechseln und eingeschleusten NULL-Bytes kann ein Angreifer ohne Anmeldung beliebige Dateien auf das Mail-Gateway schreiben – und damit eigenen Code ausführen. Fortinet hat die Lücke am 1. Oktober 2026 als bereits ausgenutzten Zero-Day gemeldet; am selben Tag hat CISA sie in den Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen – mit forensischer Triage-Pflicht. Seit dem 5. Oktober stehen die korrigierten Versionen 8.0.2, 7.6.7 und 7.4.9 bereit; bis zum Update schützt nur der Workaround.

CVE-ID

CVE-2026-104286

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiMail

Veröffentlicht

12.10.2026

CISA-KEV

Gelistet

Advisory als PDF herunterladen

Analyse

Warum die Lücke wirkt

FortiMail verarbeitet über die Webschnittstelle der Funktion Identity-Based Encryption (IBE) Anfragen, die Dateipfade enthalten. Die Prüfung, ob diese Pfade im vorgesehenen Verzeichnis bleiben, lässt sich mit Verzeichniswechseln (../, CWE-22) und eingeschleusten NULL-Bytes (CWE-158) aushebeln. Ein Angreifer kann so ohne Zugangsdaten und ohne Nutzerinteraktion beliebige Dateien auf das zugrunde liegende System schreiben – etwa Bibliotheken, Programme oder Konfigurationsdateien des Webservers – und erreicht damit Codeausführung auf dem Gateway. Erreichbar ist die Lücke überall dort, wo IBE aktiv und die Weboberfläche aus dem Internet zugänglich ist.

Angriffskette

  1. IBE erreichbar – Webschnittstelle mit aktivierter Identity-Based Encryption im Internet
  2. Präparierte Anfrage – Pfad mit ../ und NULL-Byte hebelt die Verzeichnisprüfung aus
  3. Datei geschrieben – Bibliotheken, Binaries oder Webserver-Konfiguration ersetzt
  4. Codeausführung – Kontrolle über das Gateway, Zugriff auf E-Mails und Zugänge

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
FortiMail 8.08.0.0 – 8.0.18.0.2
FortiMail 7.67.6.0 – 7.6.67.6.7
FortiMail 7.47.4.0 – 7.4.87.4.9
FortiMail 7.27.2.0 – 7.2.9Migration auf Zweig 7.4 oder höher

Fortinet hat die korrigierten Versionen 8.0.2 / 7.6.7 / 7.4.9 mit dem Advisory-Update vom 05.10.2026 („Solution update“) nachgereicht. Für Zweig 7.2 gibt es keinen eigenen Fix – Migration auf 7.4 oder höher. Der maschinenlesbare CVE-Record weicht bei Versionsgrenzen und Fixständen vom Advisory-Text ab – maßgeblich ist FG-IR-26-175. Bis zum Update bleibt der Workaround (IBE abschalten bzw. Weboberfläche abschotten) Pflicht.

Regulatorischer Hinweis: Ein übernommenes Mail-Gateway mit Zugriff auf Postfachinhalte ist in der Regel eine meldepflichtige Verletzung – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung, Forensik und Dokumentation.

Chronologie

  • vor 01.10.2026 – Ausnutzung als Zero-Day in freier Wildbahn
  • 01.10.2026 – Fortinet veröffentlicht FG-IR-26-175 mit Workaround
  • 01.10.2026 – Aufnahme in CISA-KEV · Frist 04.10.2026
  • 05.10.2026 – Fixversionen 8.0.2 / 7.6.7 / 7.4.9 erschienen

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Workaround sofort, Patch zügig, Prüfung vor Entwarnung.

  • Sofort: IBE abschalten oder Webzugriff sperren
  • Kurzfristig: Auf 8.0.2 / 7.6.7 / 7.4.9 aktualisieren
  • Parallel: Kompromittierung ausschließen
  1. Betroffenheit feststellen
    Firmware-Stand aller FortiMail-Instanzen erheben (betroffen: 7.2.0 bis 8.0.1) und prüfen, ob IBE aktiv und die Weboberfläche aus dem Internet erreichbar ist. Trifft beides zu, ist die Instanz unmittelbar angreifbar.
  2. Sofort mitigieren (vor dem Patch)
    IBE deaktivieren – das ist der von Fortinet dokumentierte Workaround. Wird IBE fachlich benötigt, den Webzugriff aus dem Internet sperren bzw. auf vertrauenswürdige Netze beschränken und vorgeschaltet per WAF POST-Anfragen an /ibe mit Verzeichniswechseln blockieren.
    config system encryption ibe · set status disable · end
  3. Patchen
    Auf die korrigierten Versionen 8.0.2 · 7.6.7 · 7.4.9 aktualisieren; für Zweig 7.2 gibt es keinen eigenen Fix – Migration auf 7.4 oder höher einplanen. Vorher Konfigurationssicherung ziehen.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Der Patch schließt die Tür – er wirft niemanden hinaus, der schon drin ist. Nach unbekannten Dateien unter /data/bin/ und /data/lib/, veränderter httpd.conf und einer ld.so.preload suchen, Logs auf die IoCs prüfen, neue Archivkonten kontrollieren. CISA verlangt hier eine forensische Triage.
  5. Bei Verdacht: Zugänge und Postfächer als offengelegt behandeln
    Admin-, Dienst- und LDAP-Zugänge erneuern, Zertifikate tauschen, Archiv- und Weiterleitungsregeln prüfen – und Beweise sichern, bevor das Gerät neu aufgesetzt wird.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Angreifer-IP-Adressen: 79.141.169.187
    45.129.0.192
  • Dateiartefakte: Fremde Dateien in /data/bin/ und /data/lib/
    Veränderte httpd.conf, neue ld.so.preload
  • Log-Hinweise: POST-Anfragen an /ibe mit ../
    Archivkonten mit Remote-IP 79.141.169.187,
    Base64-Dekodierfehler in IBE-Logs

Zur Einordnung: Die IP-Adressen und Log-Hinweise stammen aus dem Fortinet-Advisory, die Dateipfade aus Analysen von Sicherheitsdienstleistern (u. a. Truesec). Infrastruktur und Dateinamen sind trivial änderbar – belastbarer als die Suche nach einzelnen Indikatoren ist die Frage, ob IBE auf dem Gerät aus dem Internet erreichbar war.

Wichtig: Ein Angriff über IBE hinterlässt keinen Anmeldevorgang. Wer nur Authentifizierungs-Ereignisse überwacht, sieht die Übernahme nicht – ein Patch allein beweist nicht, dass niemand drin ist.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Heute anordnen: IBE abschalten oder den Webzugriff auf FortiMail aus dem Internet sperren, bis das Update eingespielt ist.
  • Für jede FortiMail-Instanz mit erreichbarem IBE eine forensische Prüfung beauftragen – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Fixversion zügig einspielen; Geräte auf Zweig 7.2 als Migrationsprojekt aufsetzen.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-26-175 · CVE-Record CVE-2026-104286 (Fortinet als CNA) · NVD CVE-2026-104286 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 01.10.2026) · Truesec, Analyse zu CVE-2026-104286 · watchTowr, FAQ zu CVE-2026-104286. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 12.10.2026 (FG-IR-26-175, letzte Revision 07.10.2026) – gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Unerwartete Dateiänderungen und Prozesse auf dem Mail-Gateway sowie neue Archiv- oder Weiterleitungsregeln ohne Change. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.