SECURITY ADVISORY

Auth-Bypass in Ivanti Connect Secure: Befehlsausführung ohne Anmeldung am VPN-Gateway

Über einen gefälschten Header können Angreifer die Anmeldung an Ivanti Connect Secure umgehen und ohne Zugangsdaten Befehle auf dem VPN-Gateway ausführen. Ivanti hat die Lücke am 13. Oktober 2026 mit Fixversionen veröffentlicht und bestätigt begrenzte Ausnutzung; CISA hat sie am selben Tag in den KEV-Katalog aufgenommen – mit forensischer Triage-Pflicht. Eine in derselben Kette genutzte Rechteausweitung ist noch nicht behoben.

CVE-ID

CVE-2026-104935

CVSS

8,6

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Connect Secure (ICS)

Veröffentlicht

26.10.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Connect Secure vertraut beim Weiterleiten von Anfragen einem vom Client gesetzten Header: Über die öffentlich erreichbare Anmeldeseite lassen sich so auch geschützte interne Programme aufrufen, ohne dass eine Anmeldung geprüft wird (Authentication Bypass by Spoofing, CWE-290). Laut Volexity führt das über eine Upload-Funktion bis zur Befehlsausführung ohne Zugangsdaten. In der beobachteten Kette kombinierten die Angreifer das mit einer weiteren Lücke, die Root-Rechte verschafft – für sie gibt es noch keinen Fix.

Angriffskette

  1. Gateway erreichbar – ICS-Anmeldeseite aus dem Internet zugänglich
  2. Anmeldung umgangen – gefälschter Header leitet auf geschützte Programme um
  3. Code ausgeführt – hochgeladene Datei wird ohne Login ausgeführt
  4. Root & Ausbreitung – Rechteausweitung, Mitschnitt, Zugangsdaten, Pivot

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
ICS 25.1.2.x≤ 25.1.2.225.1.3.0 / 25.1.3.1
ICS 25.1.1.x≤ 25.1.1.125.1.1.2 bzw. 25.1.3.x
ICS 22.8R222.8R2 – 22.8R2.422.8R2.5
ICS 22.7R2nicht betroffen≤ 22.7R2.14 unkritisch

Fixstände laut CVE-Record von Ivanti als CNA (25.1.3.0 · 25.1.3.1 · 22.8R2.5 nicht betroffen); 25.1.1.2 als Fix für den 25.1.1-Zweig laut NVD-Auswertung. Die in der Angriffskette zusätzlich genutzte Root-Rechteausweitung behebt Ivanti erst in einem späteren Release – Stand bitte im Hersteller-Advisory prüfen.

Regulatorischer Hinweis: Ein kompromittiertes VPN-Gateway ist in der Regel ein meldepflichtiger Sicherheitsvorfall – NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen, DSGVO bei personenbezogenen Daten unverzüglich (i. d. R. 72 h). Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung, Forensik und Dokumentation.

Chronologie

  • 03.10.2026 – Erste Ausnutzung (UTA0576)
  • 05.10.2026 – Volexity untersucht Vorfall
  • 13.10.2026 – Advisory mit Fix · CISA-KEV
  • 16.10.2026 – CISA-Frist abgelaufen

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Version prüfen, sofort patchen, Kompromittierung forensisch ausschließen.

  • Sofort: Auf den Fixstand des eigenen Zweigs
  • Kurzfristig: Logs auf Header-Missbrauch prüfen
  • Parallel: Kompromittierung ausschließen
  1. Betroffenheit feststellen
    ICS-Version aller Gateways erheben (Admin-Oberfläche → Maintenance → System) und mit der Fixtabelle abgleichen. Internet-erreichbare Gateways haben höchste Priorität.
  2. Patchen
    Auf 25.1.3.0 / 25.1.3.1 bzw. 22.8R2.5 aktualisieren. Einen Workaround nennt der Hersteller nicht. Vorher Konfigurationssicherung ziehen.
  3. Logs prüfen
    Gehäufte Anfragen an welcome.cgi mit X-DSCGI-PATH-Header, der nicht zur URL passt, sind ein starkes Signal – idealerweise im Proxy/WAF davor mitschneiden und alarmieren.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Der Integrity Checker kann diese Angriffe übersehen – die Angreifer arbeiten im Arbeitsspeicher. Bei Verdacht Netzwerk- und Speicherforensik, CISA verlangt eine forensische Triage. Der Patch wirft niemanden hinaus, der schon drin ist.
  5. Zugangsdaten als offengelegt behandeln
    Bei Verdacht: Konten, die auf dem Gateway hinterlegt oder darüber genutzt wurden (LDAP-/AD-Dienstkonten, lokale Admins), erneuern und Querbewegungen vom Gateway ins Netz prüfen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Anfrage-Muster: /dana-na/auth/url_default/welcome.cgi
    mit X-DSCGI-PATH auf
    …/dana/fb/smb/wu.cgi oder /home/runtime/tmp/
  • Datei-Artefakte: /data/.icscap/ (Sniffer dsstatmond)
    /tmp/ml.py · /tmp/rq5.py · /tmp/sp_run.py
    /tmp/spray_hits.json
  • Netzwerk: 108.165.147[.]64
    Querbewegungen ausgehend
    vom ICS-Gateway

Zur Einordnung: Die Indikatoren stammen aus der Analyse von Volexity (13.10.2026), nicht aus dem Hersteller-Advisory. Die IP-Adresse ist eine flüchtige Momentaufnahme; belastbarer sind Header-Missbrauch im Log und Artefakte im Dateisystem. Das Integrity Checker Tool fand in den untersuchten Fällen nichts.

Wichtig: Der Integrity Checker hat diese Angriffe nicht erkannt – die Angreifer patchen Code im Arbeitsspeicher und stellen Konfigurationen wieder her. Ein grünes Prüfergebnis ist hier keine Entwarnung; und die Root-Rechteausweitung der Kette ist noch offen.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Heute anordnen: alle Ivanti-Connect-Secure-Gateways auf den Fixstand bringen und den Abschluss bestätigen lassen.
  • Für Gateways, die vor dem Patch erreichbar waren, eine forensische Prüfung beauftragen – das Prüftool des Herstellers reicht hier nicht.
  • Bei Verdacht die über das Gateway genutzten Dienstkonten und Zugangsdaten erneuern – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory CVE-2026-104935 (13.10.2026) · CVE-Record CVE-2026-104935 (Ivanti als CNA) · NVD CVE-2026-104935 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 13.10.2026) · Volexity, Analyse der Angriffskette (13.10.2026). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 26.10.2026 – gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anfragen an die ICS-Anmeldeseite mit untypischen X-DSCGI-PATH-Headern sowie ausgehende Verbindungen und Anmeldungen vom VPN-Gateway ins interne Netz. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.