SECURITY ADVISORY

„PHP2Shell“: Code-Ausführung im PHP-Kern ohne Anmeldung

Zwei Speicherfehler im Kern von PHP erlauben es einem Angreifer aus dem Internet, ohne Anmeldung Code auf dem Webserver auszuführen – teils bevor die eigentliche Anwendung überhaupt startet. Betroffen ist praktisch jede PHP-Installation, die Webanfragen bedient: WordPress, Drupal, Joomla, Magento, Shops und Eigenentwicklungen. Ein CMS-Update hilft nicht, nur ein neues PHP. Erste Ausnutzungsversuche gab es vier Tage vor dem Patch, am Patchtag waren bereits mehrere Angreifer aktiv.

CVE-ID

CVE-2026-109618

CVSS

9,2

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

The PHP Group

Produkt

PHP (alle Web-SAPIs)

Veröffentlicht

22.10.2026

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

109618: Gerät PHP beim Einlesen einer Anfrage in einen Speicherengpass, bleiben halb initialisierte Daten zurück, die beim Aufräumen als gültig gelten. 109619: Zustand einer Anfrage überlebt die Freigabe seines Speichers (Use-after-free) und wird von der nächsten Anfrage am selben Worker genutzt. Folge: Code-Ausführung, bei 109619 auch Auslesen von Prozessspeicher.

Angriffskette

  1. PHP erreichbar – beliebige Website oder Anwendung im Internet
  2. Präparierte Anfrage – z. B. Multipart-Upload, der beim Einlesen einen Fehler auslöst
  3. Speicher verdorben – PHP arbeitet mit ungültigem Zustand weiter
  4. Code-Ausführung – Webshell, Datenzugriff, Auslesen von Geheimnissen

Betroffene Versionen und Fixes

PHP-ZweigVerwundbarFixversion
8.5< 8.5.128.5.12
8.4< 8.4.278.4.27
8.3< 8.3.368.3.36
8.2 (EoL 31.12.2026)< 8.2.358.2.35
7.4 · 8.0 · 8.1alle (EoL)Backport-Quellcode / LTS-Anbieter
5.4 bis 7.3alle (EoL)kein Fix – Upgrade

Betroffen sind alle Installationen, die Webanfragen bedienen; höchstes Risiko laut PHP bei mod_php. Distributionen und LTS-Anbieter haben Pakete – Stand beim Anbieter bzw. Hoster prüfen, Appliances mit eingebautem PHP nicht vergessen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter Zugriff auf eine Anwendung mit personenbezogenen Daten kann meldepflichtig sein – DSGVO i. d. R. 72 h, NIS-2 nach Ihren Fristen. Wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • Aug./Sep. 2026 – Entdeckung, Meldung an PHP
  • 17.10.2026 – Erster Ausnutzungsversuch
  • 20.10.2026 – CVE-Nummern geleakt
  • 21.10.2026 – Patches veröffentlicht

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Inventar vor Patch, Patch vor Entwarnung, Prüfung ab dem 17. Oktober.

  • Sofort: Inventar + Patch (Stunden, nicht Tage)
  • Wenn Patch nicht geht: Härten, isolieren, filtern
  • Parallel: Kompromittierung prüfen ab 17.10.
  1. Alle PHP-Systeme finden
    Websites, Shops, Portale, Intranet, aber auch Container-Images, Appliances und Control Panels mit eingebautem PHP. Je System Version und Betriebsart (FPM, mod_php, CGI) erfassen – bei gehosteten Seiten beim Hoster nachfragen.
  2. Patchen und Worker neu starten
    Auf 8.5.12 · 8.4.27 · 8.3.36 · 8.2.35 bzw. das Distributionspaket mit Fix. Danach alle PHP-Worker neu starten. 7.4 bis 8.1: auf eine unterstützte Version wechseln oder LTS-Backport einspielen.
  3. Übergangsweise härten
    Nur wenn der Patch nicht sofort geht – kein vollständiger Schutz: Upload-Fortschritt abschalten, memory_limit per php_admin_value festsetzen, Anfragegrößen und Multipart-Uploads am Webserver/WAF begrenzen, exponierte Altsysteme vom Netz nehmen.
    session.upload_progress.enabled = 0
  4. Kompromittierung prüfen
    Webserver- und PHP-Logs sichern und mindestens ab dem 17. Oktober auswerten – Sophos empfiehlt vorsorglich ab dem 1. August. Webroot auf neue Dateien (Webshells), Cronjobs, Konten und Prozesse prüfen, die PHP-Worker gestartet haben.
  5. Bei Verdacht: Geheimnisse wechseln
    CVE-2026-109619 erlaubt das Auslesen von Prozessspeicher. Bei Hinweisen auf Ausnutzung Datenbank-Passwörter, API-Schlüssel, Tokens und Zertifikate der betroffenen Anwendung erneuern – ein Patch macht abgeflossene Zugangsdaten nicht wieder geheim.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Anfragemuster: POST-Multipart mit
    PHP_SESSION_UPLOAD_PROGRESS
    danach Memory-Limit-Fehler / HTTP 500
  • Host-Auffälligkeiten: php-fpm · httpd · php-cgi startet
    sh · bash · curl · wget · nc
    neue .php-Dateien im Webroot
  • Quell-IPs (Amazon, 17.–21.10.): 103.216.220.92 · 31.223.184.166
    37.19.200.5 · 134.209.159.64
    103.114.163.188 · 95.217.98.37

Zur Einordnung: Die IPs gehören zu Anonymisierungsdiensten, die auch legitime Nutzer verwenden – Amazon empfiehlt, Treffer zu untersuchen statt pauschal zu blockieren. Upload-Fortschritt und HTTP-500-Fehler kommen auch im Normalbetrieb vor; auffällig ist die Häufung. Fehlende Logeinträge sind kein Beweis für Sicherheit: Manche Fehler treten auf, bevor PHP etwas protokolliert.

Wichtig: Die Lücke liegt im PHP-Interpreter, nicht in WordPress, Drupal oder Ihrer Anwendung – ein CMS- oder Plugin-Update schließt sie nicht. Und ein Patch entfernt keine Webshell, die schon vorher abgelegt wurde. Weil es Versuche bereits vor der Veröffentlichung gab, gilt der 17. Oktober als spätester Startpunkt jeder Prüfung.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Heute anordnen: alle PHP-Systeme inventarisieren und innerhalb von Stunden patchen – auch bei Hoster und Dienstleistern nachfragen.
  • Prüfen lassen, ob seit dem 17. Oktober ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Für Systeme, die sich nicht sofort patchen lassen (u. a. PHP 8.1 und älter), eine Web Application Firewall vorschalten und einen Ablösetermin festlegen.

Primärquellen

PHP Security Advisory 21.10.2026 · GHSA-w8hw-w9fx-j79w, GHSA-6wmf-4rv5-p3rp (CVSS 4.0 9,2) · BSI-IT-Sicherheitshinweis BITS-H 2026-297981-1132 v1.1 (21.10.2026, Kritikalität 3/Orange) · Sophos Security Advisory sophos-sa-20261021-php2shell · Google Cloud „Responding to core PHP vulnerabilities“ (21.10.2026) · Amazon Threat Intelligence (MadPot) · OGO Security, Herstellerangabe zum virtuellen Patch (22.10.2026). Stand 22.10.2026: nicht im CISA-KEV-Katalog. Fixversionen gegen das Paket Ihrer Distribution abgleichen.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

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