SECURITY ADVISORY

Root-Rechteausweitung in Ivanti Connect Secure: letztes Glied der Zero-Day-Kette geschlossen

Über einen Dienst, der Wartungsaufgaben als Root ausführt, können Angreifer auf Ivanti Connect Secure volle Root-Rechte erlangen. Die Lücke war das bisher ungepatchte Glied der im Oktober ausgenutzten Zero-Day-Kette um CVE-2026-104935; Ivanti hat am 29. Oktober 2026 Fixversionen veröffentlicht, CISA hat sie am 30. Oktober in den KEV-Katalog aufgenommen – mit Frist 2. November und forensischer Triage-Pflicht.

CVE-ID

CVE-2026-111357

CVSS

7,0

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Connect Secure (ICS)

Veröffentlicht

02.11.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der privilegierte Hintergrunddienst dsinvoked führt Wartungsaufgaben auf Anforderung als Root aus und liest dafür aus dem gemeinsamen Konfigurationsspeicher DSCache, welches Programm er starten soll – ohne diesen Daten ausreichend zu misstrauen (CWE-829). Laut Volexity veränderten die Angreifer im Arbeitsspeicher eine Programmbibliothek, bogen einen Eintrag auf ein eigenes Skript um und erhielten so Root-Rechte. Danach stellten sie Eintrag und Bibliothek wieder her – das Prüfwerkzeug des Herstellers fand nichts.

Angriffskette

  1. Anmeldung umgangen – CVE-2026-104935 über gefälschten Header
  2. Code ausgeführt – hochgeladene Datei läuft im Webprozess
  3. Root erlangt – DSCache-Eintrag lässt dsinvoked eigenes Skript starten
  4. Spuren verwischt – Eintrag zurückgesetzt, Mitschnitt, Zugangsdaten

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
ICS 25.1.x≤ 25.1.1.225.1.1.3
ICS 22.8R222.8R2 – 22.8R2.522.8R2.6
ICS 25.1.2.x / 25.1.3.xlaut Volexity betroffenneuestes Release, s. Advisory

Fixstände 25.1.1.3 · 22.8R2.6 laut Ivanti-Advisory (Ergänzung vom 29.10.2026, wiedergegeben in der Fachpresse); die NVD-Auswertung deckt sich damit. Für die Zweige 25.1.2 und 25.1.3 nennt Volexity ebenfalls Handlungsbedarf – Stand bitte direkt im Hersteller-Advisory prüfen. Ein Workaround existiert nicht.

Regulatorischer Hinweis: Ein kompromittiertes VPN-Gateway ist in der Regel ein meldepflichtiger Sicherheitsvorfall – NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen, DSGVO bei personenbezogenen Daten unverzüglich (i. d. R. 72 h). Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung, Forensik und Dokumentation.

Chronologie

  • 03.10.2026 – Erste Ausnutzung der Kette
  • 13.10.2026 – Volexity-Analyse · Fix für 104935
  • 29.10.2026 – Ivanti-Fix für die Root-Lücke
  • 30.10.2026 – CISA-KEV · Frist 02.11.2026

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Version prüfen, sofort patchen, Kompromittierung forensisch ausschließen.

  • Sofort: Auf 25.1.1.3 bzw. 22.8R2.6
  • Kurzfristig: Dateisystem und Logs prüfen
  • Parallel: Kompromittierung ausschließen
  1. Betroffenheit feststellen
    ICS-Version aller Gateways erheben und mit der Fixtabelle abgleichen. Auch wer im Oktober für CVE-2026-104935 gepatcht hat, ist hier noch verwundbar.
  2. Patchen
    Auf 25.1.1.3 bzw. 22.8R2.6 aktualisieren, vorher Konfiguration sichern. Einen Workaround gibt es nicht.
  3. Spuren suchen
    Nach Dateien wie ics-root-run-inband-*.pl und /data/.icscap/ suchen; Lücken in Debug- und Audit-Log werten wie ein Treffer.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Der Integrity Checker übersieht diese Angriffe. Bei Verdacht Speicher- und Netzwerkforensik, CISA verlangt eine forensische Triage.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Root-Artefakte: /home/runtime/tmp/
    ics-root-run-inband-*.pl
    ics-root-result-inband-*
  • Persistenz & Mitschnitt: /data/.icscap/h.py · cap*
    /data/.icscap/dsstatmond
    (umbenanntes tcpdump)
  • Netzwerk & Logs: 108.165.147[.]64
    Manipulation an debuglog
    und audit.log

Zur Einordnung: Die Indikatoren stammen aus der Analyse von Volexity (13.10.2026, ergänzt 29.10.2026), nicht aus dem Hersteller-Advisory. Die IP-Adresse ist eine flüchtige Momentaufnahme; belastbarer sind Artefakte im Dateisystem und Lücken in den Logs.

Wichtig: Der Integrity Checker hat diese Angriffe nicht erkannt – die Angreifer patchen Code im Arbeitsspeicher und setzen ihre Änderungen zurück. Ein grünes Prüfergebnis ist hier keine Entwarnung.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Heute anordnen: alle Ivanti-Connect-Secure-Gateways auf 25.1.1.3 bzw. 22.8R2.6 bringen und den Abschluss bestätigen lassen.
  • Für Gateways, die im Oktober erreichbar waren, eine forensische Prüfung beauftragen – das Prüftool des Herstellers reicht hier nicht.
  • Bei Verdacht die über das Gateway genutzten Dienstkonten und Zugangsdaten erneuern – dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory CVE-2026-104935 (ergänzt 29.10.2026) · CVE-Record CVE-2026-111357 (MITRE als CNA) · NVD CVE-2026-111357 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 30.10.2026) · Volexity, Analyse der Angriffskette (13.10.2026, Update 29.10.2026). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 02.11.2026 – gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anfragen an die ICS-Anmeldeseite mit untypischen X-DSCGI-PATH-Headern, unerwartete Skripte unter /home/runtime/tmp sowie ausgehende Verbindungen vom VPN-Gateway ins interne Netz. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.