SECURITY ADVISORY

Vorhersagbare Dateinamen in Ivanti Connect Secure: kleiner Wert, wichtiger Baustein der Zero-Day-Kette

Weil Ivanti Connect Secure vorhersagbare Dateinamen verwendet, können angemeldete Angreifer Dateien mit eigenem Inhalt an einem bekannten Ort ablegen. Für sich genommen ist das nur ein mittleres Risiko – doch CISA führt die Lücke seit dem 30. Oktober 2026 als aktiv ausgenutzt und als verkettbar mit der Zero-Day-Kette um CVE-2026-104935. Der Fix ist seit dem 29. Oktober verfügbar, die CISA-Frist endet am 13. November.

CVE-ID

CVE-2026-118527

CVSS

4,3

Schweregrad

Mittel

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Connect Secure (ICS)

Veröffentlicht

05.11.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Ivanti Connect Secure verwendet beim Hochladen vorhersagbare Dateinamen (CWE-340). Ein angemeldeter Angreifer kann so Dateien mit eigenem Inhalt an einem bekannten Ort auf dem Datenträger ablegen. Das passt zu dem von Volexity beschriebenen Muster: Der Upload-Handler wu.cgi speichert unter dem MD5-Hash des Dateinamens. Volexity nennt diese CVE-Nummer jedoch nicht – die Zuordnung ist unsere Einordnung.

Angriffskette

  1. Anmeldung umgangen – CVE-2026-104935, die Voraussetzung entfällt
  2. Datei abgelegt – eigener Inhalt am vorhersagbaren Pfad
  3. Code ausgeführt – Aufruf der Datei über den bekannten Pfad
  4. Root erlangt – Rechteausweitung über CVE-2026-111357

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
ICS 25.1.x≤ 25.1.1.225.1.1.3
ICS 22.8R222.8R2 – 22.8R2.522.8R2.6
ICS 25.1.2.xim Record nicht einzeln genannts. Hersteller-Advisory

Fixstände 25.1.1.3 · 22.8R2.6 laut CVE-Record von Ivanti als CNA (03.11.2026); die NVD-Auswertung deckt sich damit. Den Zweig 25.1.2 nennt der Record nicht, Volexity führt ihn für die Kette als betroffen – Stand bitte direkt im Hersteller-Advisory prüfen.

Regulatorischer Hinweis: Ein kompromittiertes VPN-Gateway ist in der Regel ein meldepflichtiger Sicherheitsvorfall – NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen, DSGVO bei personenbezogenen Daten unverzüglich (i. d. R. 72 h). Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung, Forensik und Dokumentation.

Chronologie

  • 03.10.2026 – Erste Ausnutzung der Kette
  • 29.10.2026 – Ivanti-Fix 25.1.1.3 · 22.8R2.6
  • 30.10.2026 – CISA-KEV · Frist 13.11.2026
  • 03.11.2026 – CVE-Record · CVSS 4,3

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Version prüfen, patchen, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: Auf 25.1.1.3 bzw. 22.8R2.6
  • Kurzfristig: Logs und Dateisystem prüfen
  • Parallel: Kompromittierung ausschließen
  1. Betroffenheit feststellen
    ICS-Version aller Gateways erheben und mit der Fixtabelle abgleichen. Der Oktober-Patch für CVE-2026-104935 allein reicht nicht.
  2. Patchen
    Auf 25.1.1.3 bzw. 22.8R2.6 aktualisieren, vorher Konfiguration sichern. Den Wert 4,3 nicht als Grund zum Aufschub nehmen.
  3. Spuren suchen
    Webserver-Logs auf X-DSCGI-PATH-Header prüfen, die auf /home/runtime/tmp/ zeigen. Lücken in den Logs werten wie ein Treffer.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Das Prüfwerkzeug des Herstellers erkannte die Kette in den untersuchten Fällen nicht. Bei Verdacht Speicher- und Netzwerkforensik.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Anfrage-Muster: …/url_default/welcome.cgi
    mit X-DSCGI-PATH auf
    …/dana/fb/smb/wu.cgi
  • Upload-Pfad: /home/runtime/tmp/
    <MD5(filename)>
    viele parallele Aufrufe
  • Folgeartefakte: /data/.icscap/dsstatmond
    /tmp/spray_hits.json
    108.165.147[.]64

Zur Einordnung: Die Indikatoren stammen aus der Volexity-Analyse der Gesamtkette (13.10.2026), nicht aus dem Hersteller-Advisory, und sind dieser CVE nicht ausdrücklich zugeordnet. Die IP-Adresse ist eine flüchtige Momentaufnahme; belastbarer sind Header-Missbrauch im Log und Artefakte im Dateisystem.

Wichtig: Der niedrige CVSS-Wert beschreibt die Lücke isoliert, nicht das Risiko der Kette. Und ein grünes Ergebnis des Integrity Checkers ist hier keine Entwarnung – laut Volexity erkennt er diese Kompromittierung nicht.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Heute anordnen: alle Ivanti-Connect-Secure-Gateways auf 25.1.1.3 bzw. 22.8R2.6 bringen und den Abschluss bestätigen lassen.
  • Die Priorität nicht am CVSS-Wert 4,3 festmachen – entscheidend sind die aktive Ausnutzung und die Verkettung mit CVE-2026-104935 und CVE-2026-111357.
  • Für Gateways, die im Oktober erreichbar waren, eine forensische Prüfung beauftragen und das Ergebnis für eine etwaige Meldung dokumentieren.

Primärquellen

CVE-Record CVE-2026-118527 (Ivanti als CNA) · NVD · CISA KEV (aufgenommen 30.10.2026, Frist 13.11.2026) · Ivanti Security Advisory CVE-2026-104935 · Volexity (13.10.2026, Update 29.10.2026). Stand 05.11.2026 – gegen das Hersteller-Advisory abgleichen.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anfragen an die ICS-Anmeldeseite mit untypischen X-DSCGI-PATH-Headern sowie ausgehende Verbindungen vom VPN-Gateway ins interne Netz. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Vulnerability Management →

    Ein Fix steht bereit. Entscheidend ist, ob Sie alle betroffenen Systeme kennen und den Patchstand belegen können – auch gegenüber einer Aufsicht.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.