SECURITY ADVISORY

Unauthentifizierte Codeausführung in Ivanti Endpoint Manager Mobile

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Internet kann über eine präparierte HTTP-Anfrage an das EPMM-Portal beliebige Betriebssystem-Befehle ausführen – ohne Anmeldung, ohne Nutzerinteraktion. Ivanti bestätigt eine Ausnutzung als Zero-Day bereits vor der Veröffentlichung; seit dem 30.01.2026 ist ein funktionierender Exploit öffentlich.

CVE-ID

CVE-2026-1281

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Endpoint Manager Mobile (EPMM)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Ältere Bash-Skripte, die der Apache-Webserver von EPMM zum URL-Rewriting nutzt, werten Teile der URL ungeprüft in einer Bash-Umgebung aus. Über die Arithmetik-Expansion von Bash lässt sich in den Hash-Parameter einer Download-URL Code einschleusen (z. B. gPath[`<befehl>`]). Der eingebettete Befehl wird bei der Auswertung des Ausdrucks mit den Rechten des Webdienstes ausgeführt – ohne jede Authentifizierung.

Angriffskette

  1. Portal exponiert – EPMM ist aus dem Internet erreichbar
  2. Server prüfen – Testbefehl (z. B. sleep) verrät die Verwundbarkeit an der Antwortzeit
  3. Befehl einschleusen – Bash-Code im Hash-Parameter der /mifs/c/appstore/fob/-URL
  4. Übernahme – Codeausführung, Web-Shell abgelegt, Zugriff auf Gerätedaten

Betroffene Versionen und Fixes

EPMM-ZweigVerwundbarFixversion
12.x.0.x≤ 12.7.0.0RPM 12.x.0.x
12.x.1.x≤ 12.6.1.0RPM 12.x.1.x
12.8.0.0geplant Q1 2026permanenter Fix

Ivanti liefert versionsspezifische RPM-Patches (kein Downtime) – je nach installiertem Zweig 12.x.0.x oder 12.x.1.x. Wichtig: Die RPMs überleben ein Versions-Upgrade nicht und müssen danach erneut eingespielt werden. Erst die für Q1 2026 geplante Version 12.8.0.0 enthält den dauerhaften Fix. Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff auf gerätebezogene personenbezogene Daten kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 29.01.2026 – Ivanti veröffentlicht Advisory · CISA KEV (Frist 01.02.2026)
  • vor 29.01.2026 – Ausnutzung als Zero-Day (begrenzte Kundenzahl) bestätigt
  • 30.01.2026 – Öffentlicher, funktionierender PoC für RCE verfügbar
  • Q1 2026 – Version 12.8.0.0 mit permanentem Fix erwartet

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Exposition prüfen, patchen, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: RPM-Patch einspielen
  • Kurzfristig: Exponierung reduzieren
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Installierte EPMM-Version prüfen: Alle Zweige bis einschließlich 12.7.0.0 (bzw. 12.6.1.0 im .1.x-Zweig) sind angreifbar. Prüfen, ob die EPMM-Verwaltungsoberfläche aus dem Internet erreichbar ist – das ist die Voraussetzung für die beobachtete Ausnutzung.
  2. Sofort patchen
    Den passenden RPM-Patch je nach Zweig einspielen (RPM 12.x.0.x bzw. RPM 12.x.1.x). Der Patch erfordert keine Ausfallzeit. Nach einem späteren Versions-Upgrade muss das RPM erneut aufgespielt werden, bis 12.8.0.0 (Q1 2026) den dauerhaften Fix bringt.
  3. Exponierung reduzieren
    Wenn kein sofortiges Patchen möglich ist: EPMM-Portal vom offenen Internet trennen bzw. hinter VPN/Access-Broker/WAF legen. CISA empfiehlt bei fehlender Mitigation, das Produkt vorübergehend außer Betrieb zu nehmen.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Zugriffs- und Webserver-Logs auf verdächtige Anfragen an /mifs/c/appstore/fob/ und /mifs/c/aftstore/fob/ mit Bash-Mustern im Hash-Parameter durchsuchen. Auf abgelegte Web-Shells unter /mi/tomcat/webapps/mifs/ prüfen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Auf Vorfall vorbereiten
    Bei Anzeichen einer Kompromittierung Incident-Response einleiten, Zugangsdaten/Zertifikate rotieren und den Bestand exponierter Gerätedaten für eine etwaige Meldung dokumentieren. Herstellerseitige Erkennungssignaturen einspielen, sofern verfügbar.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Verwundbare Endpunkte (GET): /mifs/c/appstore/fob/  (CVE-2026-1281)
    /mifs/c/aftstore/fob/  (CVE-2026-1340)
  • Injektions-Muster: Bash-Arithmetik im Hash-Parameter,
    z. B. gPath[`<befehl>`]  ·  sleep-Testaufrufe
  • Web-Shells / Marker: 401.jsp · 403.jsp · 1.jsp
    unter /mi/tomcat/webapps/mifs/
  • Beobachtete Quell-IPs: 23.227.199.80 · 64.7.199.177

Zur Einordnung: Die Endpunkte sind reguläre EPMM-Aufrufe – auffällig erst durch Bash-Muster im Hash-Parameter oder ungewöhnlich lange Antwortzeiten (sleep-Tests). IPs und Dateinamen sind eine Momentaufnahme der beobachteten Kampagne und flüchtig – kein Ersatz für die Analyse Ihrer Webserver- und Zugriffslogs.

Wichtig: Ivanti bestätigt die Ausnutzung als Zero-Day vor der Veröffentlichung; ein öffentlicher PoC treibt seit dem 30.01.2026 Massen-Scans. Erfolgreiche Angriffe hinterlassen zunächst nur unauffällige Web-Requests – ohne Log-Auswertung bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • RPM-Patch heute anordnen; falls nicht möglich, Portal vom Internet trennen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Upgrade-Pfad auf 12.8.0.0 (Q1 2026) einplanen, da RPMs Upgrades nicht überleben.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory CVE-2026-1281 / CVE-2026-1340 · NVD (CVSS 3.1: 9,8) · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (hinzugefügt 29.01.2026, Frist 01.02.2026) · Rapid7 Emergent Threat Report · Palo Alto Unit 42 · watchTowr Labs · Tenable. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Bash-Muster in fob-Anfragen und neu abgelegte JSP-Dateien im mifs-Webroot. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Endpoint Protection →

    Auf verwalteten Endpunkten lässt sich eine Ausnutzung nachgelagert erkennen und eingrenzen, auch wenn der Patch noch nicht überall ausgerollt ist.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.