SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass in Ivanti Endpoint Manager

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann über einen undokumentierten Login-Parameter die Anmeldung des Endpoint Managers umgehen und gespeicherte Zugangsdaten auslesen – bis hin zu Passwort-Hashes von Domänen-Administratoren und Dienstkonten aus dem EPM-Credential-Vault. Der technische Mechanismus ist seit Februar 2026 öffentlich, die Lücke steht seit dem 9. März 2026 im CISA-KEV-Katalog als aktiv ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2026-1603

CVSS

8,6

Schweregrad

Hoch

Hersteller

Ivanti

Produkt

Ivanti Endpoint Manager (EPM) 2024

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

Advisory als PDF herunterladen

Analyse

Warum die Lücke wirkt

Der Anmelde-Endpunkt des Endpoint Managers akzeptiert einen undokumentierten Parameter logintype mit dem Wert 64. Dieser aktiviert einen alternativen, fest verdrahteten Authentifizierungspfad, der die reguläre Prüfung von Anmeldedaten umgeht (CWE-288 · CWE-306). Wer den Parameter kennt, erhält ohne gültige Zugangsdaten privilegierten Zugriff und kann gespeicherte Credentials des EPM auslesen.

Angriffskette

  1. Server exponiert – EPM-Managementdienst über HTTP/HTTPS (Port 80/443) erreichbar
  2. Bypass auslösen – POST an den Auth-Endpunkt mit logintype=64
  3. Zugriff – privilegierter Zugang ohne gültige Anmeldedaten
  4. Credentials abgreifen – gespeicherte Zugangsdaten aus dem EPM-Vault, u. a. Domänen-Admin-Hashes

Betroffene Versionen und Fixes

EPM-VersionVerwundbarFixversion
EPM 2024< 2024 SU5 (inkl. SU1–SU4 &amp; Security Releases)2024 SU5
Ältere Zweige (EPM 2022 &amp; früher)End-of-Life – kein SicherheitsupdateMigration auf 2024 SU5

Fix ausschließlich in EPM 2024 SU5 (Ivanti-Update Februar 2026). Alle Stände davor sind verwundbar. Ältere, nicht mehr unterstützte Zweige erhalten kein Update – hier ist eine Migration erforderlich. Exakten Patch-Stand gegen das Ivanti-Advisory abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff auf gespeicherte Zugangsdaten kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 10.02.2026 – Ivanti veröffentlicht Advisory (EPM Februar 2026, Fix in 2024 SU5)
  • 13.02.2026 – WatchTowr legt den logintype=64-Bypass öffentlich offen
  • 09.03.2026 – CISA KEV: aktiv ausgenutzt · Behördenfrist 23.03.2026
  • Seither – Fortlaufende Ausnutzung exponierter, ungepatchter Server

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Erreichbarkeit einschränken vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: Zugriff einschränken
  • Kurzfristig: Auf 2024 SU5 patchen
  • Parallel: Credentials rotieren & Threat Hunting
  1. Betroffenheit feststellen
    EPM-Version ermitteln. Jeder Stand von EPM 2024 vor 2024 SU5 sowie ältere, nicht mehr unterstützte Zweige sind verwundbar. Prüfen, ob der Managementdienst aus nicht vertrauenswürdigen Netzen erreichbar ist.
  2. Sofort Erreichbarkeit einschränken (vor dem Patch)
    Externen Zugriff auf die EPM-Ports 80/443 blockieren und Zugriff per IP-Allowlist auf vertrauenswürdige Administrations-Hosts begrenzen – von CISA als Behelf bis zum Patch benannt.
  3. Patchen
    Auf EPM 2024 SU5 aktualisieren (Ivanti-Update Februar 2026) – die einzige Version, in der die Lücke geschlossen ist. Ältere Zweige erfordern eine Migration auf 2024 SU5.
  4. Kompromittierung ausschließen &amp; Credentials rotieren
    Da ein erfolgreicher Zugriff gespeicherte Zugangsdaten preisgibt: im EPM-Vault hinterlegte Konten – insbesondere Domänen-Admin- und Dienstkonten – als potenziell kompromittiert behandeln und Passwörter rotieren. Ein Patch schließt die Lücke, nicht einen bereits erfolgten Abfluss.
  5. Überwachen
    Web-/WAF-Logs des EPM auf Anfragen mit dem Parameter logintype=64 am Auth-Endpunkt durchsuchen sowie auf unerwartete Administrator-/Kontenanlagen und anomale ausgehende Verbindungen des EPM-Servers.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Angriffsmuster (POST): Auth-Endpunkt mit Parameter logintype=64
    z. B. /RemoteControlAuth/api/Auth
  • Auffällige Aktivität: unerwartete Administrator-/Kontenanlagen
    Zugriffe auf den EPM-Credential-Vault ohne gültige Anmeldung
  • Netz: unautorisierte Zugriffe auf EPM-Dienste
    anomale ausgehende Verbindungen des EPM-Servers

Zur Einordnung: Ivanti hat keine belastbaren Netz-IoCs (Angreifer-IPs) veröffentlicht. Ohne WAF-/Reverse-Proxy-Logs, die den Parameter logintype erfassen, ist eine Kompromittierung schwer nachzuweisen. Die genannten Marker sind Erkennungshinweise, kein abschließender IoC-Satz – maßgeblich ist die Analyse Ihrer eigenen Logs.

Wichtig: Ein erfolgreicher Bypass hinterlässt in Standardprotokollen kaum Spuren und liefert dem Angreifer sofort gespeicherte Zugangsdaten. Ohne Auswertung der Auth-/WAF-Logs und ohne Rotation der im Vault hinterlegten Konten bleibt ein bereits erfolgter Zugriff unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Externen Zugriff auf den EPM heute einschränken, Patch auf 2024 SU5 innerhalb der Behördenfrist (23.03.2026) einplanen.
  • Im EPM-Vault hinterlegte privilegierte Konten rotieren und prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung des Perimeters und der Management-Server entscheiden.

Primärquellen

Ivanti Security Advisory EPM February 2026 (Fix in 2024 SU5) · NIST NVD CVE-2026-1603 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (Aufnahme 09.03.2026, Frist 23.03.2026) · WatchTowr Labs / Beazley Security / Horizon3.ai (technische Analyse, logintype=64). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Patch-Stand und Versionsangaben gegen das Ivanti-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anfragen mit logintype=64 am Auth-Endpunkt und unerwartete privilegierte Aktionen im EPM. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Endpoint Protection →

    Auf verwalteten Endpunkten lässt sich eine Ausnutzung nachgelagert erkennen und eingrenzen, auch wenn der Patch noch nicht überall ausgerollt ist.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.