SECURITY ADVISORY

Authentifizierungs-Bypass über Fortinet FortiCloud-SSO

Ein Angreifer mit einem beliebigen FortiCloud-Konto und einem eigenen registrierten Gerät kann sich an fremden Fortinet-Geräten anmelden, sofern dort die FortiCloud-SSO-Anmeldung aktiviert ist – ohne Rechte auf dem Zielgerät. Die Lücke wurde als Zero-Day aktiv ausgenutzt; Fortinet sperrte zwei missbräuchliche Konten und schaltete FortiCloud-SSO Ende Januar 2026 zeitweise plattformweit ab.

CVE-ID

CVE-2026-24858

CVSS

9,4

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiOS u. a. (FortiCloud-SSO)

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Verwundbare Fortinet-Versionen prüfen bei der FortiCloud-SSO-Anmeldung nicht ausreichend, ob das anmeldende FortiCloud-Konto auch tatsächlich zum Zielgerät gehört (Authentication Bypass Using an Alternate Path or Channel, CWE-288). Wer irgendein FortiCloud-Konto mit einem selbst registrierten Gerät besitzt, kann sich dadurch an fremden Geräten anmelden, auf denen FortiCloud-SSO eingeschaltet ist – der Cloud-Vertrauenspfad wird zur Umgehung der lokalen Authentifizierung.

Angriffskette

  1. FortiCloud-Konto – Angreifer legt ein (frei verfügbares) FortiCloud-Konto an und registriert ein eigenes Gerät
  2. Ziel mit SSO – ein fremdes Gerät mit aktivierter FortiCloud-SSO-Anmeldung wird adressiert
  3. SSO-Bypass – über den Cloud-Kanal erfolgt die Anmeldung ohne lokale Berechtigung am Zielgerät
  4. Persistenz – lokale Admin-Konten anlegen, VPN-Zugänge einrichten, Konfiguration abziehen

Betroffene Versionen und Fixes

Fortinet-ProduktVerwundbarFixversion
FortiOS7.0.0–7.0.18 · 7.2.0–7.2.12 · 7.4.0–7.4.10 · 7.6.0–7.6.57.0.19 · 7.2.13 · 7.4.11 · 7.6.6
FortiProxy7.0.0–7.0.22 · 7.2.0–7.2.15 · 7.4.0–7.4.12 · 7.6.0–7.6.47.0.23 · 7.2.16 · 7.4.13 · 7.6.5
FortiManager7.0.0–7.0.15 · 7.2.0–7.2.11 · 7.4.0–7.4.9 · 7.6.0–7.6.57.0.16 · 7.2.12 · 7.4.10 · 7.6.6
FortiAnalyzer7.0.0–7.0.15 · 7.2.0–7.2.11 · 7.4.0–7.4.9 · 7.6.0–7.6.57.0.16 · 7.2.12 · 7.4.10 · 7.6.6
FortiWeb7.4.0–7.4.11 · 7.6.0–7.6.6 · 8.0.0–8.0.37.4.12 · 7.6.7 · 8.0.4
FortiNAC-F7.6.3–7.6.57.6.6
FortiSwitchManager7.0.0–7.0.7 · 7.2.0–7.2.87.0.8 · 7.2.9

Angreifbar nur, wenn FortiCloud-SSO-Anmeldung aktiviert ist (kein Werksstandard). Exakte Build-Ranges und Fixversionen des eigenen Zweigs gegen das Hersteller-Advisory FG-IR-26-060 abgleichen; FortiCloud-SSO lässt vorübergehend keine Anmeldung von verwundbaren Versionen mehr zu.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter administrativer Zugriff kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • vor 22.01.2026 – Aktive Ausnutzung als Zero-Day durch zwei FortiCloud-Konten
  • 23.01.2026 – Fortinet sperrt die missbräuchlichen FortiCloud-Konten
  • 26.01.2026 – FortiCloud-SSO plattformweit vorübergehend deaktiviert
  • 27.01.2026 – Advisory FG-IR-26-060 · CISA KEV · SSO mit Einschränkungen zurück

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Betroffenheit klären, patchen, Kompromittierung ausschließen.

  • Sofort: FortiCloud-SSO prüfen / einschränken
  • Kurzfristig: Patch einspielen
  • Parallel: Threat Hunting / IoC-Abgleich
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, welche Fortinet-Geräte FortiCloud-SSO-Anmeldung aktiviert haben – nur diese sind angreifbar. Inventar über alle betroffenen Produktlinien (FortiOS, FortiProxy, FortiManager, FortiAnalyzer, FortiWeb, FortiNAC-F, FortiSwitchManager) erstellen.
  2. SSO-Anmeldung einschränken (vor dem Patch)
    FortiCloud-SSO-Login deaktivieren, bis gepatcht ist. FortiOS/FortiProxy:
    config system global set admin-forticloud-sso-login disable end
  3. Patchen
    Auf die Fixversion des eigenen Zweigs aktualisieren (z. B. FortiOS 7.6.6 · 7.4.11 · 7.2.13 · 7.0.19). Fixversionen je Produkt aus der Tabelle bzw. FG-IR-26-060 übernehmen.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Admin-Konten auf unbekannte Namen prüfen (beobachtet: audit · backup · itadmin · secadmin · support), SSO-Logins fremder FortiCloud-Konten, neue/geänderte VPN-Zugänge und Konfigurationsänderungen. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Härten & wiederherstellen
    Administrativen Zugriff per Local-in-Policy auf definierte Subnetze begrenzen. Bei IoC-Treffern Konfiguration aus einem sauberen Backup wiederherstellen und alle Admin-Zugangsdaten rotieren.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Missbräuchliche FortiCloud-Konten: cloud-noc@mail.io
    cloud-init@mail.io
  • Angelegte Admin-Konten (Persistenz): audit · backup · itadmin
    secadmin · support
  • Beobachtete Quell-IPs: 104.28.244.115 · 104.28.212.114
    Dritte: 37.1.209.19 · 217.119.139.50

Zur Einordnung: Die Angreifer wechselten auf Cloudflare-geschützte Adressen – die IPs sind eine flüchtige Momentaufnahme. Verlässlicher ist die Suche nach fremden FortiCloud-SSO-Anmeldungen und unerwartet angelegten Admin-/VPN-Konten in den Geräte-Logs.

Wichtig: Erfolgreiche Anmeldungen erscheinen als reguläre FortiCloud-SSO-Logins – ohne Alarm. Ohne Auswertung der Admin- und SSO-Logs bleibt ein bereits erfolgter Zugriff, angelegte Admin-Konten und neu eingerichtete VPN-Zugänge unsichtbar.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • FortiCloud-SSO heute prüfen und bis zum Patch einschränken; Patch innerhalb von 72 Stunden einplanen.
  • Prüfen lassen, ob bereits ein Zugriff erfolgt ist – angelegte Admin-Konten und VPN-Änderungen dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung administrativer Anmeldungen entscheiden.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-26-060 · Fortinet PSIRT-Blog „Analysis of SSO abuse on FortiOS" · NIST NVD CVE-2026-24858 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (Aufnahme 27.01.2026). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Fremde FortiCloud-SSO-Anmeldungen und das Anlegen unerwarteter Admin-Konten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Managed XDR – Extended Detection and Response →

    Wenn eine Ausnutzung erst nach dem Einstieg sichtbar wird, entscheidet die Korrelation über Endpunkt, Netzwerk und Identität.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.