SECURITY ADVISORY

Pre-Auth-API-Bypass in Fortinet FortiClient EMS

Ein nicht authentifizierter Angreifer aus dem Netz kann die API-Zugriffskontrolle des zentralen FortiClient-EMS-Management-Servers vollständig umgehen und darüber Code bzw. Befehle ausführen. Über manipulierte Bereitstellungsprofile lassen sich Schadskripte an alle verwalteten Endpunkte ausspielen – aktuell genutzt, um den EKZ-Infostealer getarnt als Fortinet-Patch zu verteilen. Als Zero-Day seit Ende März 2026 ausgenutzt.

CVE-ID

CVE-2026-35616

CVSS

9,8

Schweregrad

Kritisch

Hersteller

Fortinet, Inc.

Produkt

FortiClient EMS

Veröffentlicht

14.07.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

FortiClient EMS prüft bei bestimmten API-Aufrufen die Authentifizierung und Autorisierung unzureichend (CWE-284, Improper Access Control). Speziell präparierte Anfragen umgehen die Zugriffskontrolle vollständig, sodass ein nicht authentifizierter Angreifer privilegierte Funktionen aufrufen und Code bzw. Befehle auf dem Management-Server ausführen kann. Da EMS die verwalteten Endpunkte steuert, wirkt eine Kompromittierung des Servers auf die gesamte Client-Flotte.

Angriffskette

  1. API-Bypass – präparierte Anfragen umgehen die Authentifizierung des EMS-Servers
  2. Profil manipulieren – das Remote-Access-/Bereitstellungsprofil wird um ein Schadskript ergänzt
  3. Ausspielen – verbundene FortiClient-Endpunkte führen das Skript automatisch aus und laden per PowerShell die Nutzlast
  4. Infostealer – EKZ stiehlt Browser-Zugangsdaten und Cookies und exfiltriert sie per HTTP-POST

Betroffene Versionen und Fixes

FortiClient-EMS-ZweigVerwundbarFixversion
7.47.4.5 – 7.4.67.4.7 / Hotfix
8.0nicht betroffen
7.2 und älternicht betroffen
Cloud · FortiSASEbereits gepatchtkeine Aktion nötig

Betroffen sind ausschließlich die On-Prem-Versionen 7.4.5 und 7.4.6. Fortinet hat Hotfixes für beide Zweige bereitgestellt; die finale Korrektur folgt mit dem angekündigten Release 7.4.7. Cloud- und FortiSASE-Instanzen sind bereits herstellerseitig gepatcht. Exakten Hotfix-Build gegen das Hersteller-Advisory abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Ein bestätigter unbefugter Zugriff oder Abfluss von Zugangsdaten kann eine meldepflichtige Verletzung darstellen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 31.03.2026 – Als Zero-Day ausgenutzt beobachtet und an Fortinet gemeldet
  • 04.04.2026 – Fortinet veröffentlicht Advisory FG-IR-26-099 + Hotfixes
  • 06.04.2026 – CISA KEV · Behörden-Frist 09.04.2026
  • Seither – Aktiv ausgenutzt – EKZ-Infostealer getarnt als Fortinet-Patch

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Exposition kappen vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: EMS-Verwaltung abschotten
  • Kurzfristig: Hotfix einspielen
  • Parallel: Endpunkte auf Kompromittierung prüfen
  1. Betroffenheit feststellen
    Installierte FortiClient-EMS-Version prüfen: Nur On-Prem 7.4.5 und 7.4.6 sind angreifbar; 7.2 und älter sowie 8.0 nicht. Zusätzlich klären, ob die EMS-Verwaltungsschnittstelle aus dem Internet erreichbar ist – das erhöht die Dringlichkeit erheblich.
  2. Sofort abschotten (vor dem Patch)
    Die EMS-Verwaltungs- und API-Schnittstelle vom Internet trennen bzw. nur über VPN/administratives Netz erreichbar machen, bis der Hotfix eingespielt ist. Damit entfällt der unauthentifizierte Zugriffspfad.
  3. Patchen
    Den Hotfix für den eigenen Zweig (7.4.5 bzw. 7.4.6) einspielen oder auf 7.4.7 aktualisieren, sobald verfügbar. Build-Nummer gegen FG-IR-26-099 abgleichen.
  4. Kompromittierung ausschließen
    Bereitstellungs- und Remote-Access-Profile in EMS auf unbekannte oder nachträglich eingefügte Skripte prüfen. Verwaltete Endpunkte auf die IoCs unten abgleichen – insbesondere FortiEndpoint_Patch.exe, das Skript-Verzeichnis und log.txt. Ein Patch schließt die Lücke – nicht einen bereits erfolgten Zugriff.
  5. Endpunkte bereinigen
    Bei Fund den EKZ-Infostealer entfernen, betroffene Browser-Zugangsdaten und Cookies als kompromittiert behandeln und Passwörter zurücksetzen. Für zentrale/privilegierte Konten priorisiert vorgehen.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Dateien: lokal FortiEndpoint_Patch.exe · Download p.exe
    SHA-256 0da123adf9251957a4b850a3f6bd6a753dd4892be176a84a18450e899534cc5e
  • Netz-Marker: 83.138.53.110 (Delivery + Exfil)
    Tor-Exit 185.220.101.15 · 192.42.116.14
    hxxp://83.138.53.110/dl/p.exe
    hxxp://83.138.53.110/service/save.php
  • Datei-Pfade: C:\Program Files\Fortinet\FortiClient\logs\Trace\scripts\
    C:\ProgramData\log.txt (Staging der Zugangsdaten)

Zur Einordnung: IPs, URLs und Dateinamen sind eine Momentaufnahme der beobachteten EKZ-Kampagne und flüchtig – kein Ersatz für die Prüfung Ihrer EMS-Bereitstellungsprofile und Endpunkt-Logs. Der zuverlässigste Frühindikator sind unerwartete Änderungen an Remote-Access-/Deployment-Profilen und daraus ausgelöste PowerShell-Downloads.

Wichtig: Weil EMS Code an die verwalteten Endpunkte ausspielt, breitet sich eine Server-Kompromittierung auf die gesamte Client-Flotte aus. Die Schadsoftware kommt getarnt als legitimer Fortinet-Patch (FortiEndpoint_Patch.exe) – Nutzer schöpfen keinen Verdacht.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • EMS-Verwaltung heute vom Internet abschotten, Hotfix innerhalb von 72 Stunden einplanen.
  • Prüfen lassen, ob Profile manipuliert und Endpunkte bereits kompromittiert wurden – dokumentiert für eine etwaige Meldung.
  • Über eine dauerhafte Überwachung der Management-Systeme und des Perimeters entscheiden.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-26-099 (CVE-2026-35616) · NVD · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog · Arctic Wolf Labs · BleepingComputer · watchTowr. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 14.07.2026; Hotfix-Builds und die finale Fixversion 7.4.7 gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • SOFORTMASSNAHME

    Kompromittierung prüfen →

    Zu dieser Schwachstelle sind Kompromittierungs-Indikatoren bekannt. Vor dem Patch gehört geprüft, ob sie bei Ihnen bereits gegriffen hat. Über den Notfallkontakt erreichen Sie uns rund um die Uhr; für Kunden mit IR-Vertrag mit Rückruf innerhalb von 30 Minuten.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Unerwartete Änderungen an Bereitstellungsprofilen und daraus ausgelöste PowerShell-Downloads auf Endpunkten. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Endpoint Protection →

    Auf verwalteten Endpunkten lässt sich eine Ausnutzung nachgelagert erkennen und eingrenzen, auch wenn der Patch noch nicht überall ausgerollt ist.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.