Threat Intelligence

Doommageddon

Ransomware mit doppelter Erpressung seit Frühjahr 2026: Dateien erhalten die Endung .doomag, Opfer landen mit Countdown auf einer Tor-Leak-Site – vor allem in der Türkei, Lateinamerika, Indien und den USA.

Kurz erklärt

Doommageddon ist eine Ransomware-Gruppe, die seit dem Frühjahr 2026 Opfer auf einer eigenen Tor-Leak-Site veröffentlicht – bislang 17 Einträge, zuletzt am 23. Oktober 2026. Die Gruppe verschlüsselt Dateien und hängt die Endung .doomag an; im Verzeichnis liegt die Erpressernotiz README_DECRYPT.txt. Verhandelt wird ausschließlich über den verschlüsselten Messenger Session.

Der Schwerpunkt liegt in der Türkei, dazu kommen Opfer in Brasilien, Paraguay, Indien und den USA – vom Chemie- und Maschinenbaubetrieb über Logistiker und Apotheken bis zu einer US-Polizeibehörde. Die Leak-Site zeigt je Opfer einen Status („upcoming“, „negotiating“, „DATA LEAKED“) und einen Countdown.

Hinweis zur Einordnung: Ein Fall im deutschsprachigen Raum ist nicht dokumentiert. Unter den Einträgen steht jedoch Mercedes-Benz Türk (behauptet, unbestätigt) – relevant für deutsche Unternehmen mit Standorten in der Türkei. Eine tiefgehende Malware-Analyse liegt nicht vor; die technischen Angaben stammen aus der Beschreibung einer Probe und der Erpressernotiz.

Aktiv

Modell

Geschlossene Ransomware-Gruppe mit eigener Tor-Leak-Site und Verhandlung über den Messenger Session; ein beworbenes Partnerprogramm (RaaS) ist nicht bekannt

Auch bekannt als

Doommageddon; nach der Datei-Endung teils als „Doomag“ bezeichnet

Gegründet

Frühjahr 2026; erster Leak-Site-Eintrag am 8. März 2026, erste öffentliche Malware-Beschreibung am 1. Juli 2026

Entstanden aus

Nicht zugeordnet – Verbindungen zu älteren Gruppen sind öffentlich nicht belegt

Herkunft

Nicht zugeordnet – eine geografische Herkunft ist öffentlich nicht dokumentiert

Zielsektoren

Industrie und Maschinenbau, Chemie, Logistik, Immobilien, Gesundheitswesen und Apotheken, Bildung, Finanzdienstleistungen, öffentliche Sicherheit

Zielregionen

Schwerpunkt Türkei, dazu Brasilien, Paraguay, Indien und USA. Kein dokumentierter Fall in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Typisches Lösegeld

Öffentlich nicht beziffert; die Erpressernotiz nennt weder Betrag noch Frist

Opferzahl

17 gelistete Einträge seit dem 8. März 2026, davon mehrere ältere Fälle gesammelt am 6. Juli 2026 veröffentlicht (Stand: 26. Oktober 2026)

File Extensions

.doomag (an den vollständigen Dateinamen angehängt, z. B. bericht.pdf.doomag)

Ransom Note

README_DECRYPT.txt – behauptet RSA-2048-Verschlüsselung, nennt eine Opfer-ID, eine Session-ID und eine Onion-Adresse, warnt vor eigenen Entschlüsselungsversuchen; kein Betrag, keine Frist

Akut betroffen?
+49 89 45 24 24 112
24/7 erreichbar · Ersteinschätzung im Erstgespräch

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Incident Response aktivieren und die Geschäftsführung einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz trennen, aber nicht ausschalten – Arbeitsspeicher und Spuren bleiben so erhalten.
  • Erpressernotiz und einige verschlüsselte Beispieldateien sichern – sie werden für Analyse und Verhandlung gebraucht.
  • Zugänge zu Firewalls, VPN und Fernwartung sperren, Administrator- und Dienstkonten zurücksetzen.
  • Prüfen, ob Offline- oder unveränderliche Backups intakt sind, bevor die Wiederherstellung beginnt.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); Polizei und BSI einbeziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Löschung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Nicht allein über Session mit den Erpressern kommunizieren – nur über erfahrene IR- und Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Dateien nicht umbenennen oder mit fremden Werkzeugen bearbeiten – das kann eine spätere Entschlüsselung unmöglich machen.
  • Nicht aus Backups wiederherstellen, bevor der Zugang der Angreifer geschlossen ist.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • iw steelTEC (Türkei, 8. März 2026) – Maschinenbauer; erster Eintrag der Leak-Site.
  • Sammelveröffentlichung (6. Juli 2026) – mehrere ältere Fälle mit geschätzten Angriffen zwischen Mai und Juli 2026, darunter der Chemiehersteller Kolorkim Kimya, der Lkw- und Bushersteller Mercedes-Benz Türk (beide Türkei) und das brasilianische Immobilienunternehmen Francisco Imóveis; Daten laut Leak-Site veröffentlicht.
  • Juli 2026 – die Ratingagentur Solventa & Riskmétrica (Paraguay), die Klinik Hospital Di Camp und der Apothekenverbund Reni Farmácias Associadas (Brasilien).
  • August bis Oktober 2026 – u. a. SITTNAK Lojistik und Akpera Gayrimenkul (Türkei), die Polizeibehörde von Charlottesville (USA), Chem Process Systems (Indien), Goodrich Logistics, Cam Group LLC und ENKA Schools.
  • Alle Nennungen stammen von der Leak-Site und sind nicht unabhängig bestätigt.

Angriffstechniken (TTPs)

  • Erstzugang (laut Sicherheitsanbietern, nicht durch Fallanalysen belegt):
    • Phishing – T1566
    • Ausnutzung von Schwachstellen in Netzwerk- und Fernzugangsgeräten – T1190
  • Auswirkung: Verschlüsselung von Dateien auf Windows-Systemen mit der Endung .doomag – T1486.
  • Erpressung: Datendiebstahl und Veröffentlichungsdrohung über eine Tor-Leak-Site mit Countdown – T1567, T1657; Verhandlung über Session.
  • Nicht belegt: Werkzeuge für Ausbreitung und Rechteausweitung im Einzelfall, konkret ausgenutzte Schwachstellen (CVE).

Technologie & Malware

Die bislang einzige öffentliche Beschreibung einer Probe (PCrisk, 1. Juli 2026) zeigt einen Windows-Verschlüsseler, der die Dateinamen behält und nur die Endung .doomag anhängt. Die Erpressernotiz README_DECRYPT.txt spricht von RSA-2048, nennt eine Opfer-ID, eine Session-ID und eine Onion-Adresse und warnt davor, Dateien zu verändern oder Wiederherstellungswerkzeuge zu nutzen. Ein kostenloser Entschlüsseler ist nicht bekannt.

Antivirenhersteller erkennen die Probe bislang nur generisch (z. B. Microsoft Trojan:Win32/Wacatac.B!ml, Kaspersky Trojan.Win32.Agent.xcemuf). Eine tiefgehende Analyse von Verschlüsselungsverfahren, Ausbreitung und Werkzeugen ist nicht veröffentlicht – die Erkennung muss sich daher vor allem auf Verhalten stützen.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Datei-Endung: .doomag
  • Erpressernotiz: README_DECRYPT.txt
  • SHA-256 (Probe laut PCrisk): e5c19b3a0461eb7e66cb638b2624c464b96223bab0d036c70f902ff6a9241fd0
  • Erkennungsnamen: Trojan:Win32/Wacatac.B!ml (Microsoft), Trojan.Win32.Agent.xcemuf (Kaspersky), Mal/Generic-S (Sophos)
  • Kontakt: Messenger Session; Tor-Leak-Site mit Countdown
  • Verhaltensindikatoren: massenhaftes Umbenennen von Dateien auf .doomag; gelöschte Schattenkopien; ungewöhnliche Anmeldungen an Firewall-, VPN- oder Fernwartungsoberflächen
  • Indikatoren vor dem Blocken gegen aktuelle Threat-Intelligence-Quellen prüfen.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Sind Firewalls, VPN-Gateways und Fernwartungswerkzeuge (z. B. ScreenConnect) vollständig gepatcht und nur mit Mehr-Faktor-Anmeldung erreichbar?
  • Sind Standorte und Tochtergesellschaften im Ausland – etwa in der Türkei – in Ihre Sicherheitsüberwachung und Ihr Patch-Management einbezogen?
  • Gibt es Backups, die ein Angreifer mit Administratorrechten nicht löschen oder verschlüsseln kann (offline oder unveränderlich)?
  • Würde das Löschen von Schattenkopien oder ein massenhaftes Umbenennen von Dateien sofort einen Alarm auslösen?
  • Werden Phishing-Mails mit Anhängen und Links zuverlässig gefiltert, und wissen Beschäftigte, wie sie Verdächtiges melden?
  • Ist die Wiederherstellung kritischer Systeme geübt – und sind Melde- und Kommunikationswege vorbereitet (DSGVO 72 h, NIS2 24 h)?

Wie Argos unterstützt

Bei einer kleinen Gruppe mit generisch erkannter Schadsoftware entscheidet die Verhaltenserkennung. Das Cyber Defense Center von Argos Security überwacht Endgeräte, Server und Netzwerkgeräte rund um die Uhr (24/7) und schlägt bei den typischen Vorboten an: ungewöhnliche Anmeldungen an Firewalls und Fernzugängen, gelöschte Schattenkopien, massenhafte Dateiänderungen. Das gilt ausdrücklich auch für Auslandsstandorte, die bei vielen Mittelständlern außerhalb der zentralen Überwachung liegen.

Im Ernstfall übernimmt unser Incident-Response-Team: Ausbreitung stoppen, betroffene Systeme isolieren, Beweise sichern, die Wiederherstellung steuern und die Meldepflichten nach DSGVO und NIS2 fristgerecht erfüllen.