Threat Intelligence

Eclipse

Im August 2026 in Untergrundforen als Partnerprogramm beworben, seit Mitte August mit eigener Leak-Site – Opfer von Singapur über Japan bis in die USA.

Kurz erklärt

Eclipse ist eine Ransomware-Gruppe, die am 12. August 2026 in Cybercrime-Foren unter dem Kürzel „EclipseSupport“ ein Partnerprogramm (Ransomware-as-a-Service) bewarb. Laut Werbung richtet sich die Schadsoftware gegen Windows-Domänen, Linux, VMware ESXi, Hyper-V, NAS-Systeme und Nutanix und soll Veeam-Backups ausschalten. Seit dem 16. August 2026 betreibt eine Gruppe dieses Namens eine Leak-Site mit bislang 20 Einträgen – darunter die japanische Zeitung The Japan Times, Taiwan Otsuka Pharmaceutical und der Logistiker Global AirFreight International.

Die technischen Angaben stammen aus der Eigenwerbung der Täter; eine unabhängige Malware-Analyse ist nicht veröffentlicht. Dass Forenangebot und Leak-Site zum selben Betreiber gehören, legen Name und Zeitpunkt nahe, öffentlich bewiesen ist es nicht.

Hinweis zur Einordnung: Nicht zu verwechseln mit „Nightmare-Eclipse“ bzw. „Chaotic Eclipse“ – einer Einzelperson, die seit April 2026 Windows-Zero-Day-Exploits veröffentlicht, aber keine Ransomware betreibt. Ein Fall im deutschsprachigen Raum ist nicht dokumentiert; die Opfernennungen sind unbestätigt.

Aktiv

Modell

Ransomware-as-a-Service: Laut Werbung zahlen Partner eine Einstiegsgebühr und behalten zunächst 90, später 80 Prozent des Lösegelds; Admin-Panel mit Verhandlungschat und eigener Leak-Site

Auch bekannt als

Eclipse; im Forenangebot unter dem Kürzel „EclipseSupport“. Nicht identisch mit „Nightmare-Eclipse“ / „Chaotic Eclipse“ (Exploit-Veröffentlichungen, keine Ransomware)

Gegründet

August 2026; Forenwerbung am 12. August 2026, erster Eintrag auf der Leak-Site am 16. August 2026

Entstanden aus

Nicht zugeordnet – Verbindungen zu älteren Gruppen sind öffentlich nicht belegt

Herkunft

Nicht zugeordnet – eine geografische Herkunft ist öffentlich nicht dokumentiert

Zielsektoren

Logistik und Transport, Medien, Pharma und Auftragsforschung, Industrie und Maschinenbau, Hotellerie und Reise, Rechtsberatung, Bildung, Finanzsoftware

Zielregionen

Schwerpunkt Singapur, Indien und USA, dazu Japan, Taiwan, Brasilien, Frankreich und Italien. Kein dokumentierter Fall in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Typisches Lösegeld

Öffentlich nicht beziffert; laut Täterwerbung sollen Partner nur Ziele mit einer erwarteten Zahlung ab 70.000 US-Dollar angreifen

Opferzahl

20 gelistete Einträge seit dem 16. August 2026; da einzelne Opfer mehrfach in Teilen veröffentlicht wurden, rund 14 verschiedene Organisationen (Stand: 19. Oktober 2026)

File Extensions

keine belastbare öffentliche Angabe

Ransom Note

keine belastbare öffentliche Angabe; Leak-Site-Texte drohen mit Veröffentlichung, sofern sich das Unternehmen nicht über die angegebenen Kanäle meldet

Akut betroffen?
+49 89 45 24 24 112
24/7 erreichbar · Ersteinschätzung im Erstgespräch

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Incident Response aktivieren und die Geschäftsführung einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz trennen, aber nicht ausschalten – Arbeitsspeicher und Spuren bleiben so erhalten.
  • Verwaltungszugänge zu ESXi, Hyper-V, Nutanix, NAS und Backup-Systemen sperren; Administrator- und Dienstkonten zurücksetzen.
  • Prüfen, ob unveränderliche oder Offline-Backups intakt sind, bevor Sie mit der Wiederherstellung beginnen.
  • Umfang des Datenabflusses bestimmen; steht das Unternehmen auf der Leak-Site, Datenproben sichern und gegen eigene Bestände abgleichen.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); Polizei und BSI einbeziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Löschung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Nicht allein mit den Erpressern kommunizieren – nur über erfahrene IR- und Verhandlungsexperten.
  • Nicht aus Backups wiederherstellen, bevor der Zugang der Angreifer geschlossen ist – sonst wird erneut verschlüsselt.
  • Verschlüsselte Systeme nicht neu aufsetzen, bevor Beweise gesichert sind.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Moscord (Singapur, 16. August 2026) – Online-Marktplatz für die Schifffahrtsbranche; erster Eintrag der Leak-Site.
  • Simplex Engineering (Indien, ab 26. August 2026) – Maschinenbau- und Gießereibetrieb; Daten laut Leak-Site in mehreren Teilen bis Oktober veröffentlicht (behauptet).
  • Weitere Einträge (August/September 2026) – u. a. der Auftragsforscher Crystal Pharmatech, der Finanzsoftware-Anbieter ETNA Software, das Hotel Royal Plaza on Scotts (Singapur), der Fachverlag TTG Asia Media, eine Familienrechtskanzlei in Kalifornien, ein französischer Obst- und Gemüsegroßhändler und Dublin City Schools (USA).
  • The Japan Times (Japan, 30. September und 14. Oktober 2026) – behauptet: Personal-, Buchhaltungs- und Vertriebsdaten. Das Unternehmen meldete am 2. Oktober 2026 einen unbefugten Zugriff auf Server einer Gruppengesellschaft; Online-Ausgabe, Abonnentendaten und Zahlungssysteme seien nach eigenen Angaben nicht betroffen. Einen Bezug zu Eclipse bestätigte es nicht.
  • Oktober 2026 – u. a. Global AirFreight International (8. und 17. Oktober), der brasilianische Lkw-Teilehändler Dipecarr und Taiwan Otsuka Pharmaceutical (14. Oktober; unbestätigt).
  • Sofern nicht anders angegeben, stammen die Nennungen von der Leak-Site und sind nicht unabhängig bestätigt.

Angriffstechniken (TTPs)

  • Erstzugang: öffentlich nicht dokumentiert; nach ThreatMon kommen bei rund der Hälfte der Opfer gestohlene Zugangsdaten aus Infostealer-Infektionen in Betracht – T1078.
  • Laut Täterwerbung:
    • automatisierte Seitwärtsbewegung im Active Directory – T1021
    • Abschalten von Endpoint-Schutz – T1562.001
    • Beenden von Datenbank- und Backup-Diensten vor der Verschlüsselung – T1489
    • Verschlüsseln von Daten und virtuellen Maschinen (Hyper-V, ESXi, Nutanix) – T1486
    • Ausschalten von Veeam-Backups – T1490
  • Erpressung: Datendiebstahl und Veröffentlichungsdrohung über eine Tor-Leak-Site mit Countdown (T1567, T1657); Kontakt über Session und Tox.
  • Nicht belegt: eingesetzte Werkzeuge im Einzelfall, zugeordnete Schwachstellen (CVE).

Technologie & Malware

Nach der Forenwerbung ist die Windows-Variante in Rust geschrieben, die Varianten für Linux, NAS, ESXi und Nutanix in C++. Verschlüsselt werden soll mit ChaCha20, der Schlüssel wird über das quantenresistente Verfahren Kyber geschützt; Partner können zwischen schnellen und unauffälligen Modi wählen. Das Panel bietet nach eigenen Angaben Verhandlungschat, eigene Tor-Adressen und Krypto-Wallets je Opfer. Partnern ist untersagt, Proben bei VirusTotal hochzuladen.

Wichtig für die Einordnung: Alle diese Angaben stammen aus der Eigenwerbung. Bis heute ist keine unabhängige Malware-Analyse und kein Datei-Hash veröffentlicht. Nicht zu verwechseln ist Eclipse mit der eigenständigen Ransomware-Familie „Kyber“.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Leak-Site (Tor): eclipse4g5kxfwsvpu4qx5sdcnrji6gxl5gt67bucjlgt35g7akvjoid[.]onion
  • Weitere Leak-Site-Adresse (Tor, zeitweise nicht erreichbar): yecdjimqiaekprxza6wkqecma4bwt757qiyfjngsaxg7rkjv4xukpwad[.]onion
  • Kontakt (Session): 0501a73078e4aaca2663f38de0a2397c8e6d8189f30b42bbec7d4e894bd0377766
  • Kontakt (Tox): FDE578D55F8B692C4EB2CB5518C8B4FEE05F1620085F30302D782A2778FBEA12302B1B3EEAF5
  • Datei-Endung und Erpressernotiz: keine belastbare Angabe
  • Verhaltensindikatoren: abgeschalteter Endpoint-Schutz auf mehreren Systemen; gestoppte Veeam- und Datenbankdienste; Anmeldungen an ESXi-, Hyper-V- oder NAS-Verwaltung aus ungewöhnlichen Netzen
  • Es liegen keine veröffentlichten Datei-Hashes vor. Indikatoren vor dem Blocken gegen aktuelle Threat-Intelligence-Quellen prüfen.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Sind Verwaltungsoberflächen von ESXi, Hyper-V, Nutanix und NAS-Systemen vom normalen Netz getrennt und nur mit Mehr-Faktor-Anmeldung erreichbar?
  • Gibt es Backups, die ein Angreifer mit Domänen-Administratorrechten nicht löschen oder verschlüsseln kann (offline oder unveränderlich)?
  • Ist die Backup-Software (z. B. Veeam) aus der Windows-Domäne herausgelöst und eigenständig abgesichert?
  • Würde das Abschalten von Endpoint-Schutz oder Backup-Diensten auf mehreren Systemen sofort einen Alarm auslösen?
  • Werden Zugangsdaten Ihrer Domain in Infostealer-Daten überwacht und betroffene Konten sofort zurückgesetzt?
  • Ist die Wiederherstellung kompletter virtueller Umgebungen geübt – und sind Melde- und Kommunikationswege vorbereitet (DSGVO 72 h, NIS2 24 h)?

Wie Argos unterstützt

Eclipse zielt laut eigener Werbung auf das Herz der IT: Virtualisierung, Speicher und Backups. Das Cyber Defense Center von Argos Security überwacht Endgeräte, Server und Virtualisierungsumgebungen rund um die Uhr (24/7) und erkennt typische Vorboten – abgeschalteter Endpoint-Schutz, gestoppte Backup-Dienste, ungewöhnliche Administrator-Anmeldungen und Massenänderungen an Dateien. Die Threat Intelligence beobachtet Leak-Sites, Untergrundforen und Infostealer-Daten und meldet, wenn Ihre Organisation dort auftaucht.

Im Ernstfall übernimmt unser Incident-Response-Team: Ausbreitung stoppen, betroffene Systeme isolieren, Beweise sichern, die Wiederherstellung steuern und die Meldepflichten nach DSGVO und NIS2 fristgerecht erfüllen.