Threat Intelligence

Helix

Telefonbetrug statt Schadsoftware: Helix ruft Beschäftigte als angeblicher IT-Helpdesk an, übernimmt Microsoft-365-Konten und lädt SharePoint-Daten massenhaft herunter.

Kurz erklärt

Helix ist eine Erpressergruppe, die im Sommer 2026 auftauchte und seit dem 7. August 2026 eine eigene Leak-Site betreibt; dort stehen bislang 15 Einträge, sieben davon allein seit dem 17. Oktober 2026. Der bekannteste Fall ist Uber Freight: Die Logistiktochter von Uber bestätigte im August 2026 einen unbefugten Zugriff auf Teile ihrer Systeme, nachdem Helix den Diebstahl von fast einer Million Dateien behauptet hatte.

Helix kommt ohne klassische Schadsoftware. Die Angreifer rufen Beschäftigte an, geben sich als Vorgesetzte oder IT-Helpdesk aus und lotsen sie auf gefälschte Anmeldeseiten oder durch eine Geräte-Anmeldung („Device Code“). Mit dem erbeuteten Zugang registrieren sie eine eigene Authenticator-App und laden anschließend automatisiert Dateien aus SharePoint und Cloud-Speichern herunter.

Hinweis zur Einordnung: Google Threat Intelligence ordnet Helix dem Cluster UNC6671 zu, der zuvor unter dem Namen „BlackFile“ auftrat und inzwischen mehrere Erpressermarken nutzt. Ein Fall im deutschsprachigen Raum ist nicht dokumentiert. Wir führen Helix, weil die Methode – Anruf, Anmeldung, Datenabzug – jede Organisation mit Microsoft 365 treffen kann.

Aktiv

Modell

Eine von mehreren Erpressermarken desselben Clusters (neben „Redact“, „Pink“ und „Falcon“) mit eigener Tor-Leak-Site; ein Partnerprogramm (RaaS) ist nicht bekannt

Auch bekannt als

Helix; von Google Threat Intelligence dem Cluster UNC6671 zugeordnet (früher als „BlackFile“ aufgetreten); auf ransomware.live zusätzlich als „Unc7761“ geführt

Gegründet

Sommer 2026; erste Analyse durch ReliaQuest im Juli 2026, erste Einträge auf der Leak-Site am 7. August 2026

Entstanden aus

Nach Google Threat Intelligence eine Erpressermarke des Clusters UNC6671, der bis Mai 2026 als „BlackFile“ auftrat; ReliaQuest sieht Verbindungen zum Umfeld von „BlackFile“ und „ShinyHunters“, aber keine gesicherte Zuordnung

Herkunft

Nicht zugeordnet – eine geografische Herkunft ist öffentlich nicht dokumentiert

Zielsektoren

Transport und Logistik, Immobilien, Versicherungen, Industrie, Energie, Bauwesen und Ingenieurdienstleistungen, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen

Zielregionen

Schwerpunkt USA, dazu Kanada. Kein dokumentierter Fall in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Typisches Lösegeld

Für Helix nicht öffentlich beziffert. Für den Vorgänger „BlackFile“ nennt Google Threat Intelligence Anfangsforderungen von 1 bis über 3 Millionen US-Dollar und durchschnittlich rund 750.000 US-Dollar bei gezahlten Fällen (Januar bis Mai 2026)

Opferzahl

15 gelistete Einträge seit dem 7. August 2026; nach einer Pause zwischen Ende August und Mitte Oktober erschienen sieben neue Einträge zwischen dem 17. und 19. Oktober 2026 (Stand: 19. Oktober 2026)

File Extensions

keine belastbare Angabe – eine Verschlüsselung ist nicht belegt

Ransom Note

keine belastbare öffentliche Angabe; Ansprache über die Leak-Site, Datenfreigabe in Stufen mit Fristen von sechs bis 24 Stunden

Akut betroffen?
+49 89 45 24 24 112
24/7 erreichbar · Ersteinschätzung im Erstgespräch

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Incident Response aktivieren und die Geschäftsführung einbinden.
  • Betroffene Konten sperren, fremde MFA-Geräte entfernen und alle Sitzungen und Token widerrufen – ein Passwortwechsel allein reicht nicht.
  • Anmelde-, Audit- und SharePoint-Protokolle aus Microsoft 365 bzw. dem Identitätsanbieter sichern, bevor sie auslaufen.
  • Umfang des Abflusses bestimmen: welche SharePoint-Seiten, Postfächer und Cloud-Speicher betroffen sind.
  • Beschäftigte warnen, dass weitere Anrufe im Namen des IT-Helpdesks folgen können.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); Polizei und BSI einbeziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell zahlen – keine Garantie für Löschung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Nicht allein mit den Erpressern kommunizieren – nur über erfahrene IR- und Verhandlungsexperten.
  • Nicht nur das Passwort ändern – registrierte Fremdgeräte und gestohlene Sitzungen funktionieren weiter.
  • Auf Fristen von wenigen Stunden nicht unter Druck reagieren – sie sind Teil der Erpressung.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Uber Freight (USA, August 2026) – Helix behauptet den Diebstahl von fast einer Million Dateien, darunter Postfächer, Cloud-Laufwerke, Kreditorenunterlagen und Dispositionsdokumente. Uber Freight bestätigte einen unbefugten Zugriff auf Teile seiner Systeme, aber keine Auswirkungen auf den Betrieb; Umfang und Echtheit der Daten sind nicht bestätigt.
  • Startwelle (7. August 2026) – neben Uber u. a. das Logistikunternehmen Venture Logistics, der Immobilienkonzern Highwoods Properties (beide USA), der Immobilienkonzern Morguard und der Versicherungsmakler Westland Insurance (beide Kanada); behauptet sind gestohlene SharePoint-Bibliotheken.
  • August 2026 – u. a. das Ingenieurbüro Kennedy Jenks, der Energiekonzern Delek US und der Prüfdienstleister AmSpec (alle USA; behauptet).
  • Oktober 2026 – binnen drei Tagen u. a. Rheem, Smith Douglas Homes, Bay Alarm, Personify Health, Quikrete, Southwire und American Campus (alle USA; behauptet, unbestätigt).
  • Mit Ausnahme der Teilbestätigung durch Uber Freight stammen alle Nennungen von der Leak-Site und sind nicht unabhängig bestätigt.

Angriffstechniken (TTPs)

  • Erstzugang:
    • Anrufe unter falscher Identität als Vorgesetzte oder IT-Helpdesk, teils mit gefälschter Rufnummer – T1566.004
    • Device-Code-Phishing und gefälschte Anmeldeseiten mit Abfangen von Sitzungstoken (Adversary-in-the-Middle) – T1528, T1557
    • Anmeldung mit den übernommenen Cloud-Konten – T1078.004
  • Persistenz: Registrierung einer eigenen Authenticator-App am übernommenen Konto, meist binnen Minuten – T1098.005.
  • Tarnung: Wechselnde Privatkunden-IP-Adressen aus der Stadt des Opfers (T1090.002); Löschen von Warn- und Bestätigungsmails (T1070.008).
  • Datenabzug: Automatisierte Suche und Massendownload aus SharePoint und Cloud-Speichern per Skript (T1213.002, T1567).
  • Erpressung: Veröffentlichungsdrohung über eine Tor-Leak-Site mit stufenweiser Freigabe – T1657.
  • Nicht belegt: Verschlüsselung (T1486), eigene Schadsoftware, zugeordnete Schwachstellen (CVE).

Technologie & Malware

Zu Helix ist keine eigene Schadsoftware bekannt. Die Analysen von ReliaQuest und Google Threat Intelligence beschreiben reine Identitätsangriffe: Die Angreifer brauchen nur ein Telefon, eine täuschend echte Anmeldeseite und ein einfaches Python-Skript, das SharePoint durchsucht und Dateien herunterlädt. ReliaQuest nennt dieses automatisierte Muster den deutlichsten technischen Fingerabdruck der Gruppe.

Der entscheidende Hebel liegt deshalb in der Identitätsabsicherung: Wer die Device-Code-Anmeldung abschaltet, SharePoint auf verwaltete Geräte beschränkt und neue MFA-Registrierungen überwacht, nimmt der Gruppe die wichtigsten Wege.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Leak-Site (Tor): helixr2sncrd3ndsz5oho6mzqw3x5u7mvox5zcsngc5wm7v4l5k7oryd[.]onion
  • Phishing-Domains (laut Google Threat Intelligence bzw. ReliaQuest mit Helix verknüpft): oskeysync[.]com, keysyncos[.]com, passkeyhelpdesk[.]com, passkeyportal[.]com – jeweils mit opferbezogenen Subdomains
  • IP-Adressen des Datenabzugs (laut ReliaQuest): 179.43.185[.]230, 179.43.171[.]42
  • User-Agent beim Massendownload: python-requests/2.28.1
  • Datei-Endung: keine – eine Verschlüsselung ist nicht belegt
  • Verhaltensindikatoren: neue Authenticator-App kurz nach einer Anmeldung; Device-Code-Anmeldungen; SharePoint-Suchen nach „contentclass:STS_Site“ oder mit Platzhaltern; wechselnde Privatkunden-IP-Adressen an einem Postfach
  • Indikatoren vor dem Blocken gegen aktuelle Threat-Intelligence-Quellen prüfen.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Ist die Device-Code-Anmeldung in Microsoft Entra ID abgeschaltet oder auf die wenigen Fälle beschränkt, die sie wirklich brauchen?
  • Wissen Beschäftigte – gerade Führungskräfte und Assistenzen –, dass der IT-Helpdesk niemals telefonisch zur Eingabe von Codes oder zur MFA-Umstellung auffordert?
  • Prüft Ihr Helpdesk die Identität von Anrufern, bevor er Passwörter zurücksetzt oder MFA-Geräte ändert?
  • Löst die Registrierung einer neuen Authenticator-App oder eines neuen MFA-Geräts einen Alarm aus?
  • Ist der Zugriff auf SharePoint und OneDrive auf verwaltete Geräte beschränkt?
  • Würde ein Massendownload aus SharePoint – etwa per Skript von einer unbekannten IP-Adresse – erkannt?
  • Sind Melde- und Kommunikationswege für einen Datenabfluss vorbereitet (DSGVO 72 h, NIS2 24 h)?

Wie Argos unterstützt

Helix kommt nicht mit Schadsoftware, sondern mit einem Telefonanruf und einer echten Anmeldung – und sieht deshalb zunächst aus wie ein normaler Benutzer. Das Cyber Defense Center von Argos Security überwacht Anmeldungen, neu registrierte MFA-Geräte und Datenbewegungen in Microsoft 365 und anderen Cloud-Diensten rund um die Uhr (24/7) und erkennt ungewöhnliche Zugriffe und Massendownloads aus SharePoint. Unsere Threat Intelligence beobachtet Leak-Sites und die bekannte Phishing-Infrastruktur dieses Clusters.

Im Ernstfall übernimmt unser Incident-Response-Team: Konten sperren, Sitzungen und fremde MFA-Geräte entfernen, Umfang des Abflusses klären, Beweise sichern und die Meldepflichten nach DSGVO und NIS2 fristgerecht erfüllen.