Threat Intelligence

Medusa

Medusa erpresst mit öffentlichem Countdown: Wer nicht zahlt, dessen Daten erscheinen auf dem Leak-Blog – bevorzugte Opfer sind Bildung, Gesundheitswesen und KMU.

Kurz erklärt

Medusa ist eine Ransomware-as-a-Service-Gruppe, die seit 2023 stark gewachsen ist und ihre Opfer über einen öffentlichen Leak-Blog mit Countdown unter Druck setzt. CISA und FBI warnten explizit vor der Gruppe. Einstieg meist über ungepatchte Schwachstellen und gestohlene Zugangsdaten; getroffen wurden überproportional Bildungseinrichtungen, Gesundheitswesen und KMU.

Seit Mitte Februar 2026 hat Medusa kein neues Opfer mehr veröffentlicht – inzwischen rund fünf Monate. Die Operation wird daher als historisch geführt. Die Leak-Infrastruktur besteht allerdings weiter, und die Gruppe pausierte bereits einmal zwischen Oktober 2024 und April 2025, bevor sie zurückkehrte. Ein Wiederaufflammen oder ein Rebranding unter neuem Namen ist deshalb nicht ausgeschlossen.

Historisch

Modell

RaaS

Auch bekannt als

Medusa (nicht verwandt mit MedusaLocker)

Gegründet

2021 (Leak-Blog seit 2023)

Entstanden aus

Keine bekannte Verbindung

Herkunft

Russland oder osteuropäisches Land (vermutet)

Zielsektoren

Bildung, Gesundheitswesen, Behörden, kritische Infrastruktur

Zielregionen

USA, DACH, UK, Indien, Frankreich, Italien

Typisches Lösegeld

100.000 – 15 Mio. USD; öffentliche Auktionen auf der Leak-Seite

Opferzahl

Rund 518 gelistete Opfer; letztes neues Opfer am 14. Februar 2026 (Stand: Juli 2026)

File Extensions

.medusa

Ransom Note

!!!READ_ME_MEDUSA!!!.txt

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Ruhe bewahren und den Vorfall als Krise behandeln – Geschäftsführung und einen Incident-Response-Dienstleister sofort einbinden.
  • Betroffene Systeme vom Netz isolieren, aber nicht ausschalten – flüchtige Spuren im Arbeitsspeicher bleiben so erhalten.
  • Backups sofort prüfen und offline/schreibgeschützt sichern.
  • Vorfall dokumentieren: Zeitpunkte, betroffene Systeme, Ransom-Note – wichtig für Forensik und Meldepflichten.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); BSI und Polizei einbeziehen. Krisenkommunikation vorbereiten – Medusa setzt auf öffentlichen Druck.
  • 24/7-Incident-Response kontaktieren – je früher, desto begrenzbarer der Schaden.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell Lösegeld zahlen – keine Garantie für Entschlüsselung oder Nicht-Veröffentlichung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Systeme nicht neu aufsetzen oder „sauber wischen“, bevor die Forensik gesichert ist.
  • Nicht allein mit den Angreifern verhandeln – nur über erfahrene IR-/Verhandlungsexperten.
  • Verschlüsselte Daten nicht löschen – teils später entschlüsselbar.
  • Keine dubiosen „Entschlüsselungs-Tools“ aus dem Netz einsetzen.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Minneapolis Public Schools (Feb. 2023, 92 GB Schülerdaten geleakt)
  • Fairfax County Public Schools (2023)
  • Toyota Financial Services Deutschland (Nov. 2023, DACH-Bezug)

Angriffstechniken (TTPs)

  • Initial Access: Exploits gegen exponierte Anwendungen (Hauptvektor), Phishing, gestohlene Zugänge.
    • CVE-2024-1709 (ConnectWise ScreenConnect), CVE-2023-48788 (Fortinet EMS), ProxyShell (CVE-2021-34473), SimpleHelp (CVE-2024-57726/57727/57728), CVE-2025-10035 (GoAnywhere), SAP NetWeaver (CVE-2025-31324)
    • Affiliate „Storm-1175“ hat 16+ Schwachstellen bewaffnet
  • Vorgehen: Double Extortion mit öffentlicher Auktion; Living-off-the-Land.

Technologie & Malware

Sprache/Plattform: C++ (64-bit Windows-PE), primär Windows.

Verschlüsselung: AES-256 je Datei, der AES-Schlüssel wird mit RSA-2048 verschlüsselt (Angreifer hält den privaten Schlüssel). Endung .medusa; übersprungen werden u. a. .dll, .exe, .lnk.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • File Extension: .medusa
  • Ransom Note: !!!READ_ME_MEDUSA!!!.txt
  • Ausgenutzte CVEs: CVE-2024-1709, CVE-2023-48788, CVE-2021-34473, CVE-2024-57726/57727/57728, CVE-2025-31324
  • Affiliate: Storm-1175

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Patch-Priorisierung nach tatsächlich ausgenutzten Schwachstellen (KEV-Liste)
  • MFA auf allen Konten – auch für Webmail und Verwaltungsportale
  • Monitoring auf verdächtige PowerShell-/Admin-Tool-Nutzung
  • Krisenkommunikation vorbereiten – Medusa setzt gezielt auf öffentlichen Druck

Wie Argos unterstützt

Vulnerability Management priorisiert die wirklich ausgenutzten Lücken, das Cyber Defense Center erkennt Angriffe früh – und im Ernstfall übernimmt Argos auch Krisenkommunikation und Behördenmeldungen.