Threat Intelligence

N0n

Seit September 2026 eine der schnellsten Neuerscheinungen: 34 Einträge in gut drei Wochen – von Online-Händlern über SaaS-Anbieter bis zu Arztpraxen.

Kurz erklärt

N0n – mit einer Null geschrieben – ist eine Erpressergruppe, die im September 2026 mit einer eigenen Leak-Site auftauchte und dort binnen gut drei Wochen 34 Einträge veröffentlicht hat. Zum Auftakt am 21. September 2026 nannte sie gleich mehrere bekannte Namen auf einmal, darunter den US-Sportartikelhändler Fanatics und den Pharmakonzern AstraZeneca; es folgten unter anderem der Marketing-Analytics-Anbieter TapClicks und der irische Cloud-Anbieter Dediserve.

Nach Analysen von Sicherheitsanbietern verschafft sich N0n den Zugang über Zugangsdaten aus Infostealer-Infektionen – also über Passwörter, die Schadsoftware zuvor auf privaten oder beruflichen Rechnern von Beschäftigten abgegriffen hat. Ob die Gruppe zusätzlich verschlüsselt, ist unter Fachleuten umstritten; belegt ist der Datendiebstahl mit Veröffentlichungsdrohung.

Hinweis zur Einordnung: Ein Fall im deutschsprachigen Raum ist nicht dokumentiert. Viele Behauptungen – etwa zu AstraZeneca – sind von den Unternehmen nicht bestätigt. Wir führen N0n wegen des hohen Tempos und weil der Einstiegsweg über gestohlene Zugangsdaten jedes Unternehmen treffen kann.

Aktiv

Modell

Eigenständige Erpressergruppe mit eigener Tor-Leak-Site; ein Partnerprogramm (RaaS) ist nicht bekannt

Auch bekannt als

N0n, n0n (mit einer Null geschrieben); auf Tracking-Portalen teils als „New N0n“ geführt

Gegründet

September 2026; erste Einträge auf der Leak-Site am 18. bzw. 21. September 2026

Entstanden aus

Nicht zugeordnet – Verbindungen zu älteren Gruppen sind öffentlich nicht belegt

Herkunft

Nicht zugeordnet – eine geografische Herkunft ist öffentlich nicht dokumentiert

Zielsektoren

Technologie und SaaS, Online-Handel, Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, Bildung, Telekommunikation, öffentliche Verwaltung

Zielregionen

Schwerpunkt USA, dazu Großbritannien, Irland, Luxemburg, Kanada, Argentinien, Venezuela, Vietnam und Usbekistan. Kein dokumentierter Fall in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Typisches Lösegeld

Öffentlich nicht beziffert

Opferzahl

34 gelistete Einträge seit dem 18. September 2026, davon rund 15 mit Namen; am 11. Oktober 2026 erschienen zwölf anonymisierte Einträge auf einmal (Stand: 12. Oktober 2026)

File Extensions

keine belastbare Angabe – eine Verschlüsselung ist nicht belegt

Ransom Note

keine belastbare öffentliche Angabe; Ansprache über die Leak-Site mit Fristsetzung

Akut betroffen?
+49 89 45 24 24 112
24/7 erreichbar · Ersteinschätzung im Erstgespräch

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Incident Response aktivieren und die Geschäftsführung einbinden.
  • Betroffene Konten sperren, Passwörter zurücksetzen, alle aktiven Sitzungen und Zugriffstoken widerrufen – ein Passwortwechsel allein reicht nicht.
  • Anmelde- und Zugriffsprotokolle von Identitätsanbieter, SaaS- und Cloud-Diensten sichern, bevor sie auslaufen.
  • Umfang des Datenabflusses bestimmen: welche Datenbanken, welche Mandanten, welcher Quellcode, welche Kundendaten.
  • Wenn das Unternehmen auf der Leak-Site steht: Datenproben sichern und gegen eigene Bestände abgleichen.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); Polizei und BSI einbeziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell zahlen – keine Garantie für Löschung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Nicht allein mit den Erpressern kommunizieren – nur über erfahrene IR- und Verhandlungsexperten.
  • Nicht nur das Passwort ändern und Sitzungen bestehen lassen – gestohlene Token funktionieren weiter.
  • Eine Nennung auf der Leak-Site weder ungeprüft übernehmen noch abtun.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Startwelle (21. September 2026) – u. a. Fanatics (USA; behauptet: zehntausende Bestelldateien mit Kundendaten), AstraZeneca (Großbritannien; unbestätigt), das argentinische Bildungsministerium, eine US-Lehrergewerkschaft und eine Finanzplattform in Luxemburg.
  • TapClicks (USA, 25. September 2026) – behauptet: Quellcode der Plattform mit über 97.000 Commits sowie Kundendatenbanken inklusive Zugangsdaten zu Werbeplattformen; Frist bis 28. September 2026.
  • Dediserve (Irland, 28. September 2026) – Cloud-Infrastrukturanbieter.
  • Gesundheitswesen (Oktober 2026) – u. a. eine endokrinologische Facharztpraxis in Houston (USA).
  • Anonymisierte Welle (11. Oktober 2026) – zwölf Einträge ohne Firmennamen.
  • Sämtliche Nennungen stammen von der Leak-Site und sind nicht unabhängig bestätigt.

Angriffstechniken (TTPs)

  • Erstzugang (nach Analysen von Sicherheitsanbietern):
    • Anmeldung mit gültigen, zuvor durch Infostealer abgegriffenen Zugangsdaten – T1078
    • bevorzugt an Fernzugängen, Cloud- und SaaS-Konsolen – T1133
  • Datenabzug: Ausleitung von Kundendatenbanken, Quellcode und Geschäftsunterlagen (T1567); im Fall TapClicks behauptet die Gruppe zudem Zugriff auf das mandantenübergreifende Instanzmanagement.
  • Erpressung: Veröffentlichungsdrohung über eine Tor-Leak-Site mit Fristen von wenigen Tagen – T1657.
  • Nicht belegt: Verschlüsselung (T1486), eingesetzte Werkzeuge, zugeordnete Schwachstellen (CVE).

Technologie & Malware

Zu N0n liegt keine veröffentlichte Malware-Analyse vor. Sicherheitsanbieter beschreiben die Gruppe als neue Erpresserbande, deren Einordnung als „Ransomware“ in der Fachwelt umstritten ist: Belegt ist der Datendiebstahl, nicht die Verschlüsselung.

Der entscheidende technische Punkt liegt vor dem Angriff: Die Zugangsdaten stammen nach den vorliegenden Analysen aus Infostealer-Infektionen – oft auf privaten Geräten, auf denen Beschäftigte auch berufliche Konten nutzen. Wer solche Datensätze früh erkennt und die Konten zurücksetzt, nimmt der Gruppe den Einstieg.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Leak-Site (Tor): nongzecboljwv3yfndkggsybsglfrkffw7bvk2zemuteoxe6etpusnad[.]onion
  • Datei-Endung: keine – eine Verschlüsselung ist nicht belegt
  • Erpressernotiz: keine belastbare Angabe
  • Frühindikator: Zugangsdaten der eigenen Domain in Infostealer-Daten
  • Verhaltensindikatoren: Anmeldungen an SaaS-, Cloud- oder VPN-Konten aus ungewöhnlichen Netzen; Massenexporte aus Kundendatenbanken oder Code-Repositorys; neue Zugriffstoken
  • Es liegen keine veröffentlichten Datei-Hashes vor. Indikatoren vor dem Blocken gegen aktuelle Threat-Intelligence-Quellen prüfen.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Werden Zugangsdaten Ihrer Domain in Infostealer-Daten überwacht – und werden betroffene Konten sofort zurückgesetzt, inklusive aktiver Sitzungen und Token?
  • Sind SaaS-, Cloud- und Entwicklerkonten (z. B. Code-Repositorys, CRM, Werbeplattformen) mit phishing-resistenter Mehr-Faktor-Anmeldung geschützt?
  • Dürfen Beschäftigte berufliche Konten auf privaten Geräten nutzen – und wenn ja, mit welchen Schutzvorgaben?
  • Würde ein Massenexport aus Kundendatenbank oder Code-Repository einen Alarm auslösen?
  • Sind Dienstkonten und API-Schlüssel inventarisiert, befristet und auf das Nötige beschränkt?
  • Sind Melde- und Kommunikationswege für einen Datenabfluss vorbereitet (DSGVO 72 h, NIS2 24 h)?

Wie Argos unterstützt

N0n kommt nicht mit Schadsoftware, sondern mit echten Zugangsdaten – und sieht deshalb zunächst aus wie ein normaler Benutzer. Die Threat Intelligence von Argos Security beobachtet Infostealer-Daten und Leak-Sites und meldet, wenn Zugangsdaten Ihrer Organisation dort auftauchen, oft lange vor einem Angriff. Das Cyber Defense Center überwacht Anmeldungen und Datenbewegungen in Cloud- und SaaS-Umgebungen rund um die Uhr (24/7) und erkennt ungewöhnliche Zugriffe und Massenexporte.

Im Ernstfall übernimmt unser Incident-Response-Team: Konten und Token sperren, Umfang des Abflusses klären, Beweise sichern und die Meldepflichten nach DSGVO und NIS2 fristgerecht erfüllen.