Threat Intelligence

Redact

Die Hauptmarke des Erpresser-Clusters UNC6671: Telefonbetrug im Namen des IT-Helpdesks, Übernahme von Microsoft-365- und Okta-Konten, Datendiebstahl ohne Verschlüsselung.

Kurz erklärt

Redact ist die Nachfolgemarke der Erpressergruppe BlackFile. Im Mai 2026 kündigte BlackFile auf seiner Leak-Site den Wechsel an, am 27. Juni 2026 ging eine neue Leak-Site mit einer Erklärung online: Die alte Marke sei von einem ausgestoßenen Partner gekapert worden, künftig gelte nur noch eine einzige, verifizierte Tox-ID. Seither stehen dort 8 Einträge – sechs davon allein zwischen dem 1. und 19. Oktober 2026, darunter Parker-Hannifin, ONEOK, Eversource Energy, DexCom und die Kanzlei Baker Donelson.

Redact arbeitet ohne Verschlüsselung und ohne eigene Schadsoftware. Die Täter rufen Beschäftigte an – oft auf dem privaten Handy –, geben sich als IT-Helpdesk aus und verlangen eine angeblich dringende Passkey- oder MFA-Umstellung. Die Opfer landen auf täuschend echten Login-Seiten, die Passwort und Sitzung in Echtzeit abgreifen. Über das SSO-Portal erreichen die Angreifer dann alle verknüpften Cloud-Dienste und ziehen Daten automatisiert ab.

Hinweis zur Einordnung: Google Threat Intelligence ordnet Redact dem Cluster UNC6671 zu, zu dem auch die Marken Helix, Pink und Falcon gezählt werden; ein Großteil der technischen Angaben gilt für den gesamten Cluster. Ein Fall im deutschsprachigen Raum ist nicht dokumentiert. Wir führen Redact, weil die Methode jede Organisation mit Microsoft 365 oder Okta treffen kann.

Aktiv

Modell

Hauptmarke eines Erpresser-Clusters mit eigener Tor-Leak-Site; die Gruppe „Falcon“ bezeichnet sich als exklusiver Redact-Partner. Ein offenes Partnerprogramm (RaaS) mit eigener Schadsoftware ist nicht bekannt.

Auch bekannt als

Redact; Nachfolgemarke von „BlackFile“; von Google Threat Intelligence dem Cluster UNC6671 zugeordnet, zu dem auch die Marken „Helix“, „Pink“ und „Falcon“ gezählt werden

Gegründet

Juni 2026 als Marke; Ankündigung des Wechsels von BlackFile zu Redact im Mai 2026, eigene Leak-Site mit Erklärung am 27. Juni 2026, erste Opfereinträge am 28. Juni 2026

Entstanden aus

Direkter Nachfolger von „BlackFile“ (aktiv seit Februar 2025). Die Betreiber behaupten, die alte Marke sei von einem ausgestoßenen Partner gekapert worden; Google wertet das als unbestätigte Eigenangabe.

Herkunft

Nicht zugeordnet – eine geografische Herkunft ist öffentlich nicht dokumentiert

Zielsektoren

Energie und Versorgung, Industrie und Elektrogroßhandel, Medizintechnik, Versicherungen, Rechtsberatung, Finanzdienstleistungen und Private Equity

Zielregionen

Schwerpunkt USA. Kein dokumentierter Fall in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.

Typisches Lösegeld

Laut Google Threat Intelligence beim Vorgänger BlackFile Anfangsforderungen von 1 bis über 3 Millionen US-Dollar, nach Verhandlung häufig um 750.000 US-Dollar; insgesamt über 10,6 Millionen US-Dollar in Bitcoin zwischen Januar und Mai 2026

Opferzahl

8 gelistete Einträge seit dem 28. Juni 2026 (Stand: 26. Oktober 2026); Mandiant betreut nach eigenen Angaben mehrere Dutzend kompromittierte Organisationen des gesamten Clusters

File Extensions

keine – eine Verschlüsselung ist nicht belegt

Ransom Note

keine Erpressernotiz auf Systemen; Ansprache über die Leak-Site, Authentifizierung laut eigener Ankündigung über eine einzige Tox-ID und einen PGP-Schlüssel

Akut betroffen?
+49 89 45 24 24 112
24/7 erreichbar · Ersteinschätzung im Erstgespräch

Handlungsempfehlungen im Ernstfall

✅ Sofort tun
  • Incident Response aktivieren und die Geschäftsführung einbinden.
  • Betroffene Konten sperren, fremde MFA-Geräte entfernen und alle Sitzungen und Token widerrufen – ein Passwortwechsel allein reicht nicht.
  • Prüfen, auf welche Anwendungen hinter dem SSO-Portal das Konto zugegriffen hat, und dort ebenfalls Sitzungen beenden.
  • Anmelde-, Audit- und Zugriffsprotokolle aus Microsoft 365, Okta und den SaaS-Diensten sichern, bevor sie auslaufen.
  • Beschäftigte warnen, dass weitere Anrufe im Namen des IT-Helpdesks folgen können.
  • Meldepflichten prüfen: DSGVO (72 h), ggf. NIS2 (24 h); Polizei und BSI einbeziehen.
⛔ Unbedingt vermeiden
  • Nicht vorschnell zahlen – keine Garantie für Löschung; Zahlungen können sanktions- und strafrechtlich relevant sein.
  • Nicht allein mit den Erpressern kommunizieren – nur über erfahrene IR- und Verhandlungsexperten.
  • Nicht nur das Passwort ändern – registrierte Fremdgeräte und gestohlene Sitzungen funktionieren weiter.
  • Gelöschte Sicherheitsmails nicht übersehen – sie sind ein Hinweis darauf, welche Konten betroffen sind.
  • Den Vorfall nicht verschweigen oder verzögern – Meldefristen laufen ab Kenntnisnahme.

Bekannte Angriffe

  • Startwelle (28. Juni 2026) – der Medizintechnikhersteller Hologic und die FCCI Insurance Group (beide USA; behauptet).
  • Oktober 2026 – Graybar Electric (1. Oktober), DexCom (10. Oktober), Eversource Energy (12. Oktober), ONEOK und Parker-Hannifin (16. Oktober) sowie die Großkanzlei Baker Donelson (19. Oktober); alle USA, alle Angaben der Leak-Site und nicht unabhängig bestätigt.
  • Finanzbranche (Juli/August 2026, Cluster UNC6671): Laut Reuters und Bloomberg wurden Point72, Millennium, Two Sigma, Citadel und mehrere Private-Equity-Häuser angegriffen. Point72 fand nach eigenen Angaben keine Hinweise auf gestohlene Kundendaten, Two Sigma wehrte den Versuch ab. Eine Zuordnung dieser Fälle zur Marke Redact selbst ist nicht belegt.

Angriffstechniken (TTPs)

  • Erstzugang:
    • Anrufe unter falscher Identität als IT-Helpdesk, oft auf private Mobiltelefone und teils mit gefälschter Helpdesk-Rufnummer – T1566.004
    • Täuschend echte Login-Seiten mit Abgreifen von Zugangsdaten und Sitzungscookies in Echtzeit (Adversary-in-the-Middle) – T1557, T1539
    • Anmeldung mit den übernommenen Cloud-Konten – T1078.004
  • Ausweitung: Zugriff über das SSO-Portal (Microsoft 365, Okta) auf alle verknüpften Cloud-Anwendungen; Passwort-Resets für Anwendungen außerhalb des SSO über das übernommene Postfach.
  • Tarnung: Löschen von Passwort-Reset-Bestätigungen, Sicherheitswarnungen und unternehmensweiten Alarmmeldungen – T1070.008.
  • Datenabzug: automatisierter Abzug aus Cloud-Diensten per Skript – T1213, T1567.
  • Erpressung: Veröffentlichungsdrohung über eine Tor-Leak-Site – T1657.
  • Nicht belegt: Verschlüsselung (T1486), eigene Schadsoftware, zugeordnete Schwachstellen (CVE).

Technologie & Malware

Zu Redact ist keine eigene Schadsoftware bekannt. Google Threat Intelligence beschreibt für den gesamten Cluster UNC6671 reine Identitätsangriffe: einen Telefonanruf, eine Phishing-Seite mit Echtzeit-Weiterleitung an die echte Anmeldung und Skripte, die Cloud-Dienste durchsuchen und Daten herunterladen. Als Skript-Kennungen tauchen in den Protokollen unter anderem python-requests/2.28.1, WindowsPowerShell/5.1 und Go-http-client auf.

Die Phishing-Domains folgen einem Muster: Begriffe wie „passkey“, „sso“ oder „helpdesk“, davor der Firmenname als Subdomain. Mandiant betont, dass Infrastruktur und Erpressernetz sich von Scattered Spider unterscheiden, auch wenn die Helpdesk-Masche ähnlich ist. Der wirksamste Schutz liegt deshalb in der Identitätsabsicherung, nicht im Virenscanner.

Indicators of Compromise (IOCs)

  • Phishing-Domains des Clusters (laut Google Threat Intelligence, Beispiele früherer Namensmuster): passkeyhelpdesk[.]com, addssopasskey[.]com, passkeydeploy[.]com sowie Subdomains nach dem Muster [firma].createssopasskey[.]com
  • IP-Adressen des Clusters (laut Google Threat Intelligence): 31.7.56[.]61, 23.234.75[.]84, 107.128.45[.]122
  • Skript-Kennungen beim Datenabzug: python-requests/2.28.1, WindowsPowerShell/5.1, Go-http-client
  • Datei-Endung und Erpressernotiz: keine – eine Verschlüsselung ist nicht belegt
  • Verhaltensindikatoren: neues MFA-Gerät kurz nach einem Helpdesk-Anruf; Anmeldung über das SSO-Portal mit anschließendem Zugriff auf viele Anwendungen in kurzer Zeit; gelöschte Sicherheits- und Passwort-Reset-Mails
  • Die Indikatoren gelten für den gesamten Cluster UNC6671, nicht nur für Redact. Vor dem Blocken gegen aktuelle Threat-Intelligence-Quellen prüfen.

Was Unternehmen jetzt prüfen sollten

  • Wissen Beschäftigte – gerade Führungskräfte und Assistenzen –, dass der IT-Helpdesk niemals telefonisch zur Passkey- oder MFA-Umstellung über einen Link auffordert?
  • Prüft Ihr Helpdesk die Identität von Anrufern, bevor er Passwörter zurücksetzt oder MFA-Geräte ändert?
  • Setzen Sie phishing-resistente Anmeldung (FIDO2/Passkeys, an das Gerät gebunden) ein, die auf gefälschten Login-Seiten nicht funktioniert?
  • Löst die Registrierung eines neuen MFA-Geräts oder eine Anmeldung von einer unbekannten IP-Adresse einen Alarm aus?
  • Ist der Zugriff auf Cloud-Dienste hinter dem SSO-Portal auf verwaltete Geräte beschränkt?
  • Würde ein automatisierter Massendownload aus SharePoint, Salesforce oder anderen SaaS-Diensten erkannt?
  • Werden gelöschte Sicherheitswarnungen und Passwort-Reset-Mails in Postfächern überwacht?
  • Sind Melde- und Kommunikationswege für einen reinen Datenabfluss vorbereitet (DSGVO 72 h, NIS2 24 h)?

Wie Argos unterstützt

Redact kommt nicht mit Schadsoftware, sondern mit einem Telefonanruf und einer echten Anmeldung – und sieht deshalb zunächst aus wie ein normaler Benutzer. Das Cyber Defense Center von Argos Security überwacht Anmeldungen, neu registrierte MFA-Geräte, SSO-Zugriffe und Datenbewegungen in Microsoft 365, Okta und anderen Cloud-Diensten rund um die Uhr (24/7) und erkennt ungewöhnliche Zugriffe und Massendownloads. Unsere Threat Intelligence beobachtet Leak-Sites und die bekannten Namensmuster der Phishing-Infrastruktur dieses Clusters.

Im Ernstfall übernimmt unser Incident-Response-Team: Konten sperren, Sitzungen und fremde MFA-Geräte entfernen, Umfang des Abflusses klären, Beweise sichern und die Meldepflichten nach DSGVO und NIS2 fristgerecht erfüllen.