SECURITY ADVISORY

Path Traversal in der FortiOS-CLI: vom Admin-Konto zu Root auf der Firewall

In der Kommandozeile von FortiOS, FortiProxy, FortiPAM und FortiSwitchManager prüft Fortinet Dateinamen in bestimmten Befehlen unzureichend: Wer bereits ein Admin-Konto mit Schreibrechten besitzt, kann per Verzeichniswechsel beliebige Dateien schreiben oder löschen – und so auf Root-Ebene ausbrechen. Fixes gibt es seit April 2026; im Oktober dokumentierte Unit 42 die Ausnutzung für ein verdecktes Implantat, CISA nahm die Lücke am 16. Oktober in den KEV-Katalog auf – mit forensischer Triage-Pflicht.

CVE-ID

CVE-2025-61624

CVSS

6,5

Schweregrad

Mittel

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiOS · FortiProxy · FortiPAM · FortiSwitchManager

Veröffentlicht

19.10.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

FortiOS-Administratoren – auch ein super_admin – arbeiten in einer eingeschränkten Kommandozeile ohne Shell; die Dienste darunter laufen als Root. In bestimmten CLI-Befehlen prüft FortiOS nicht, ob übergebene Namen im vorgesehenen Verzeichnis bleiben (CWE-22) – laut Unit 42 etwa beim Objektnamen in config system auto-script: Ein Name mit ../ legt den Inhalt an beliebiger Stelle ab. Mit Admin-Profil und Schreibrechten erreicht ein Angreifer so Codeausführung als Root. Ohne gültiges Admin-Konto ist die Lücke nicht ausnutzbar – sie verlängert einen bereits erfolgten Einbruch.

Angriffskette

  1. Admin-Zugang – gestohlene Zugangsdaten oder vorgelagerte Lücke, z. B. über FortiManager
  2. Präparierter CLI-Befehl – Auto-Script mit ../ im Namen verlässt das Zielverzeichnis
  3. Datei als Root geschrieben – Loader oder manipulierte Dienstkonfiguration abgelegt
  4. Verdecktes Implantat – Mitschnitt, VPN-Umgehung, dauerhafter Zugang

Betroffene Versionen und Fixes

Produkt / ZweigVerwundbarFixversion
FortiOS 7.6 / 7.47.6.0 – 7.6.4 · 7.4.0 – 7.4.97.6.5 · 7.4.10
FortiOS 7.2 / 7.0 / 6.4alle VersionenMigration auf gefixten Zweig
FortiProxy 7.6 / 7.47.6.0 – 7.6.4 · 7.4.0 – 7.4.117.6.5 · 7.4.12 (7.2/7.0: migrieren)
FortiPAM1.0 – 1.7.01.7.1 · 1.8 nicht betroffen
FortiSwitchManager7.2.0 – 7.2.7 · 7.0.0 – 7.0.67.2.8 · 7.0.7

Fixes seit FG-IR-26-122 vom 14.04.2026. Für FortiOS 7.2/7.0/6.4, FortiProxy 7.2/7.0 und FortiPAM 1.0–1.6 gibt es keinen Fix im eigenen Zweig – nur Migration. FortiSASE ist serverseitig behoben. Maßgeblich ist das Hersteller-Advisory.

Regulatorischer Hinweis: Ein Implantat auf der Firewall mit Zugriff auf Datenverkehr und VPN-Zugänge ist in der Regel meldepflichtig – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Forensik.

Chronologie

  • ab 09/2024 – Intrusion beginnt (Unit 42)
  • 14.04.2026 – FG-IR-26-122 mit Fixes
  • 14.10.2026 – Unit 42: Implantat PEERSTITCH
  • 16.10.2026 – CISA-KEV · Frist 19.10.2026

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Admin-Zugänge härten, zügig patchen, Prüfung vor Entwarnung.

  • Sofort: Admin-Zugänge prüfen und einschränken
  • Kurzfristig: Auf FortiOS 7.6.5 / 7.4.10 aktualisieren
  • Parallel: Auto-Scripts und Dateisystem prüfen
  1. Betroffenheit feststellen
    Firmware-Stand aller FortiGate-, FortiProxy-, FortiPAM- und FortiSwitchManager-Instanzen erheben. Geräte auf FortiOS 7.2, 7.0 oder 6.4 sind ohne Migration nicht zu beheben.
  2. Admin-Zugänge härten (vor dem Patch)
    Die Lücke braucht ein Admin-Konto mit Schreibrechten. Admin-Konten und Profile auf das Nötige reduzieren, MFA erzwingen, Verwaltungszugriff per Trusted Hosts auf Admin-Netze begrenzen und Zugangsdaten rotieren, falls Konfigurationen oder ein FortiManager kompromittiert waren.
  3. Patchen
    Auf FortiOS 7.6.5 · 7.4.10 bzw. die Fixstände für FortiProxy, FortiPAM und FortiSwitchManager aktualisieren; Zweige ohne Fix als Migration einplanen. Fortinet bietet zusätzlich einen virtuellen Patch (FG-VD-59270.0day, FMWP 25.120).
  4. Kompromittierung ausschließen
    Der Patch entfernt kein bereits gesetztes Implantat. Konfiguration auf Auto-Script-Objekte mit ../ im Namen prüfen, Admin-Logs auf deren Anlage sichten, nach fremden Dateien unter /data2/template/ suchen. CISA verlangt eine forensische Triage.
  5. Bei Verdacht: Gerät als kompromittiert behandeln
    Beweise sichern, Gerät aus vertrauenswürdiger Firmware neu aufsetzen, alle Admin-, VPN- und Dienstzugänge sowie Zertifikate erneuern.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Angreifer-IP-Adressen: 23.240.77.233
    47.18.167.159
  • Dateiartefakte: In /data2/template/: lldprx, ipssem.js,
    index.js, index.wasm; fremde md-acme.conf
  • Log-/Konfig-Hinweise: Auto-Script-Objekte mit ../ im Namen,
    z. B. ../../../../setup; SSL-VPN-Logins
    von unbekannter Infrastruktur

Zur Einordnung: Die Indikatoren stammen aus einer einzelnen Incident-Analyse von Unit 42 (Cluster CL-STA-0954); Fortinet selbst veröffentlicht keine IoCs. Das Implantat arbeitet im Arbeitsspeicher und ist leicht anpassbar – belastbarer als die Suche nach einzelnen Indikatoren ist die Prüfung der Auto-Script-Objekte und der Frage, wer wann mit Schreibrechten angemeldet war.

Wichtig: Diese Lücke öffnet keine Tür – sie macht aus einem bereits erbeuteten Admin-Zugang eine dauerhafte, kaum sichtbare Kontrolle über die Firewall. Wer nur patcht, ohne Admin-Zugänge und Auto-Scripts zu prüfen, übersieht genau diesen Fall.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Diese Woche anordnen: Admin-Zugänge zu Fortinet-Geräten auf das Nötige reduzieren, MFA erzwingen und die Verwaltung auf Admin-Netze beschränken.
  • Fixversion zügig einspielen; Geräte auf FortiOS 7.2 und älter als Migrationsprojekt mit Termin aufsetzen.
  • Für Geräte mit Verdacht auf frühere Kompromittierung – etwa über FortiManager – eine forensische Prüfung beauftragen, dokumentiert für eine etwaige Meldung.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-26-122 · CVE-Record CVE-2025-61624 (Fortinet als CNA) · NVD CVE-2025-61624 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 16.10.2026) · Unit 42, „Unit 42 Uncovers PEERSTITCH, a Stealthy FortiGate Implant“ (14.10.2026). Angaben nach bestem Wissen zum Stand 19.10.2026 (FG-IR-26-122, Erstveröffentlichung 14.04.2026) – gegen das Hersteller-Advisory abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Neue Auto-Script-Objekte und Admin-Anmeldungen mit Schreibrechten ohne Change sowie unerwartete Prozesse oder Dateien auf der Firewall. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • PROJEKT

    CTEM – Continuous Threat Exposure Management →

    Ältere Versionszweige haben hier keinen eigenen Fix, es bleibt nur die Migration. CTEM macht solche End-of-Life-Expositionen sichtbar und priorisiert die Upgrades.

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