SECURITY ADVISORY

Patch-Bypass in FortiOS: Symlink-Persistenz lebt weiter

Fortinet hatte 2025 einen Angreifer-Trick entschärft, mit dem sich Zugriff auf FortiGate-Firewalls über einen versteckten Symlink dauerhaft halten ließ. Dieser Patch prüfte den Anfragepfad nur als Zeichenkette – ein zusätzlicher Schrägstrich genügt, um ihn zu umgehen. Wer irgendwann über eine ältere SSL-VPN-Lücke kompromittiert wurde, kann trotz aller Updates weiter unbemerkt ausgelesen werden. Die Schwachstelle steht seit dem 27. Juli 2026 im CISA-Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen.

CVE-ID

CVE-2025-68686

CVSS

5,9

Schweregrad

Mittel

Hersteller

Fortinet

Produkt

FortiOS SSL-VPN

Veröffentlicht

03.08.2026

CISA-KEV

Gelistet

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Analyse

Warum die Lücke wirkt

Im April 2025 machte Fortinet öffentlich, dass Angreifer nach einer Erstkompromittierung im Ordner für die SSL-VPN-Sprachdateien einen symbolischen Link auf das Root-Dateisystem hinterlegten. Der Link überlebte jedes Firmware-Update und lieferte weiterhin lesenden Zugriff auf Gerätedateien. Der damalige Patch filterte Anfragen, indem er im Pfad nach der Zeichenkette /lang/custom suchte – eine reine Textprüfung ohne Pfad-Normalisierung. Ein zusätzlicher Schrägstrich (/lang//custom) läuft an dieser Prüfung vorbei, während der Webserver den Pfad identisch auflöst. Ergebnis: Der alte Persistenz-Weg ist wieder offen.

Angriffskette

  1. Altlast – Gerät wurde früher über eine SSL-VPN-Lücke auf Dateisystemebene übernommen
  2. Symlink – Angreifer verlinkt den Sprachdatei-Ordner auf das Root-Dateisystem
  3. Bypass – Anfrage mit doppeltem Schrägstrich umgeht die Zeichenketten-Prüfung
  4. Auslesen – unauthentifizierter Lesezugriff auf Dateien inkl. Konfiguration

Betroffene Versionen und Fixes

FortiOS-ZweigVerwundbarFixversion
7.67.6.0 – 7.6.17.6.2 oder höher
7.47.4.0 – 7.4.67.4.7 oder höher
7.2alle VersionenMigration auf 7.4.7 / 7.6.2
7.0alle VersionenMigration auf 7.4.7 / 7.6.2
6.4alle VersionenMigration auf 7.4.7 / 7.6.2
SSL-VPN deaktiviertnicht betroffen

Fortinet stellt für die Zweige 7.2, 7.0 und 6.4 keinen eigenen Fix bereit – hier ist der Wechsel auf einen gefixten Zweig der einzige Weg. Geräte ohne aktivierten SSL-VPN-Dienst sind nicht betroffen. Exakte Build-Stände gegen FG-IR-25-934 abgleichen.

Regulatorischer Hinweis: Bestätigt sich ein unbefugter Zugriff auf die Konfiguration, kann darin eine meldepflichtige Verletzung liegen – DSGVO unverzüglich (i. d. R. 72 h), NIS-2 nach den für Sie geltenden Fristen. Die Meldung bleibt bei Ihnen; wir unterstützen bei Bewertung und Dokumentation.

Chronologie

  • 10.04.2025 – Fortinet macht die Symlink-Persistenz öffentlich
  • 26.04.2025 – Bypass von ITRES Labs entdeckt, 09.10.2025 an Fortinet gemeldet
  • 10.02.2026 – Fortinet veröffentlicht FG-IR-25-934 und den korrigierten Patch
  • 27.07.2026 – Aufnahme in den CISA-KEV-Katalog · Behördenfrist 10.08.2026

Maßnahmenplan

In dieser Reihenfolge – Betroffenheit vor Patch, Patch vor Entwarnung.

  • Sofort: SSL-VPN-Status und Firmware prüfen
  • Kurzfristig: Auf 7.4.7 / 7.6.2 aktualisieren
  • Parallel: Altkompromittierung ausschließen
  1. Betroffenheit feststellen
    Prüfen, ob der SSL-VPN-Dienst (Web-Modus oder Tunnel-Modus) aktiviert ist – ohne ihn besteht kein Risiko. Anschließend den Firmware-Stand jeder FortiGate erheben; betroffen sind alle Builds unterhalb 7.4.7 bzw. 7.6.2 sowie sämtliche Versionen der Zweige 7.2, 7.0 und 6.4.
    get system status
  2. Patchen bzw. Zweig wechseln
    Auf 7.6.2 oder 7.4.7 (bzw. höher) aktualisieren. Für 7.2, 7.0 und 6.4 gibt es keinen Fix im eigenen Zweig – hier ist die Migration auf einen unterstützten Zweig erforderlich und ohnehin überfällig. Vorher Konfigurationssicherung ziehen.
  3. Symlink-Altlast ausschließen
    Der Patch schließt den Weg – er beweist nicht, dass niemand ihn genutzt hat. Prüfen, ob das Gerät jemals über eine der bekannten SSL-VPN-Lücken angreifbar war (CVE-2022-42475, CVE-2023-27997, CVE-2024-21762) und die von Fortinet bereitgestellten AV-/IPS-Signaturen zur Erkennung und Entfernung des Symlinks einspielen.
  4. Konfiguration als kompromittiert behandeln
    Bei jedem Verdacht auf einen früheren Zugriff gilt die gesamte Gerätekonfiguration als offengelegt: alle lokalen Admin- und VPN-Zugangsdaten sowie Pre-Shared Keys und Zertifikate erneuern, Regelwerk auf unbekannte Einträge prüfen. Ein Passwortwechsel nach dem Patch schützt nicht rückwirkend.
  5. Übergangsweise virtuell patchen
    Solange ein Update nicht möglich ist, bietet Fortinet ein virtuelles Patching über die FMWP-Datenbank (Signatur FG-VD-60389.0day, Update 26.033) an. Das ist ein Behelf, kein Ersatz für die Firmware-Aktualisierung. Zusätzlich den SSL-VPN-Zugang auf benötigte Quellen einschränken.

Kompromittierungs-Indikatoren

  • Auffälliges Anfragemuster: Pfade mit doppeltem Schrägstrich, etwa
    /lang//custom statt /lang/custom
  • Wo suchen: Webserver-/Reverse-Proxy- und WAF-Logs vor der FortiGate,
    SSL-VPN-Zugriffe ohne zugehörige Anmeldung
  • Vorgeschichte prüfen: Frühere Betroffenheit durch
    CVE-2022-42475 · CVE-2023-27997 · CVE-2024-21762

Zur Einordnung: Das Pfadmuster stammt aus der Veröffentlichung des Entdeckers (ITRES Labs) und ist von Fortinet nicht als offizieller Indikator bestätigt; es ist zudem trivial abwandelbar. Aussagekräftiger als die Suche nach einer Zeichenkette ist die Frage, ob das Gerät jemals über eine der genannten SSL-VPN-Lücken erreichbar war.

Wichtig: Der Zugriff ist rein lesend und hinterlässt keinen Anmeldevorgang – es gibt keinen fehlgeschlagenen Login, keinen Alarm, keine Sitzung. Wer nur auf Authentifizierungs-Ereignisse schaut, sieht diesen Abfluss nicht.

Empfehlung für die Geschäftsleitung

  • Firmware-Stand aller FortiGate-Systeme diese Woche erheben und Update terminieren.
  • Für Geräte auf 7.2, 7.0 oder 6.4 den Zweigwechsel als Projekt aufsetzen – dort endet der Support.
  • Prüfen lassen, ob ein früherer Zugriff stattgefunden hat, und das Ergebnis für eine etwaige Meldung dokumentieren.

Primärquellen

Fortinet PSIRT Advisory FG-IR-25-934 · NVD CVE-2025-68686 · CISA Known Exploited Vulnerabilities Catalog (aufgenommen 27.07.2026) · Fortinet PSIRT-Blog „Analysis of Threat Actor Activity" vom 10.04.2025 · ITRES Labs, Offenlegung des Bypasses vom 11.02.2026. Angaben nach bestem Wissen zum Stand 03.08.2026; Fixversionen und Build-Ranges gegen das Hersteller-Advisory des jeweiligen Zweigs abgleichen. Argos Security ist ISO/IEC 27001 (TÜV SÜD) zertifiziert.

So unterstützt Sie Argos Security

Für genau diese Schwachstelle ausgewählt – nicht für jede.

  • LAUFENDE LEISTUNG

    Cyber Defense Center →

    Worauf wir im Cyber Defense Center bei dieser Schwachstelle achten: Anfragen an die SSL-VPN-Sprachdatei-Pfade ohne zugehörige Anmeldung. Das setzt voraus, dass die dafür nötigen Logquellen angebunden sind. Auffälligkeiten eskalieren wir rund um die Uhr.

  • PROJEKT

    CTEM – Continuous Threat Exposure Management →

    Ältere Versionszweige haben hier keinen eigenen Fix, es bleibt nur die Migration. CTEM macht solche End-of-Life-Expositionen sichtbar und priorisiert die Upgrades.

Unsere Leistungen ergänzen bestehende Hersteller- und Supportverträge, sie ersetzen sie nicht. Sie arbeiten bereits mit einem MDR-Anbieter? Dann holen Sie zu dieser Schwachstelle eine Zweitmeinung ein.